23.02.2012, 11:22 Uhr
Während es in der Welt der zwei Brüder Abel und Orlando in einem Drei-Häuser-Dorf in Argentinien ruhig und beschaulich zugeht, wimmelt es genau gegenüber, am anderen Ende der Welt, nur so vor Menschen. (Foto: Farbfilm)
Schon Kinder sind mit diesem Gedankenspiel vertraut: Mit der Schüppe im Sandkasten hat schon so manch kleiner Forscher fiebrig gebuddelt, um sich einen Tunnel quer durch die Erde zu graben - immer beseelt von der Frage, welch geheimnisvolle Welten dort wohl warten könnten. Auch als Erwachsener mag einem die Idee immer wieder durch den Kopf schießen, denn die Faszination, die von Symmetrien, aber auch Antipolen ausgeht, scheint fest in der Natur des Menschen verankert. Zeit, einen Tunnel zum anderen Ende zu graben...
Die fantastische Reise beginnt in der argentinischen Region Entre Rios. Gerade einmal drei Häuser macht das Dorf aus, in dem das um die 50 Jahre alte Brüderpaar bereits in dritter oder auch vierter Generation die Fähre über den Fluss betreibt. Wenige Menschen sieht man hier, die Zeit scheint still zu stehen. Am anderen Ende sieht es da ganz anders aus. Das pulsierende Leben und der hektische Verkehr der Metropole prägen das Bild Shanghais. Ungefähr 18 Millionen Menschen arbeiten hier am Wirtschaftswunder des modernen China. Patagonien und der Baikalsee bilden geografisch das nächste Gegenpaar. Wenn in Chile die Sonne aufgeht, wird es in Russland dunkel. In größtmöglicher räumlicher Entfernung voneinander leben Tatiana und René Vargas, der "Kondor‐Mann", ein ähnlich abgeschiedenes, naturverbundenes Leben. Wir verlassen die Weiten der Wälder und wenden uns gen Afrika. Kubu in Botswana präsentiert ein lebhaftes Gewirr von Stimmen, teils von den Menschen im Dorf, teils von den Tieren im Urwald. Dagegen klingen die Geräusche des Vulkans Kilauea bedrohlich, erinnern sie doch die Menschen auf Big Island, Hawaii, daran, wie die Lava erst kürzlich eine ganze Ortschaft mit sich riss. Schließlich landen wir im spanischen Miraflores und halten inne, um den Mikrokosmos auf dem uralten Gesteinsmassiv zu erkunden - genau 12.756 Kilometer entfernt kämpft ein Wal in Neuseeland ums Überleben...
Der Blick für das ganz Spezielle - fast Surreale - zieht sich wie ein roter Faden durch das Werk des über 100 Mal ausgezeichneten Regisseurs und Kameramanns Victor Kossakovsky. Über sich selbst sagt der Künstler, dass er sich traditionell der russischen Dokumentarfilmschule verbunden fühlt, was sicherlich auch seine Reportagen präge. "¡Vivan las Antipodas!", sein neustes Werk, das ihn an viele verschiedene Orte der Welt führte, ist daher auch nicht ein Reisebericht im klassischen Sinne, sondern die Suche nach Antworten auf die Mysterien des Lebens, der Kossakovsky im Spannungsfeld zwischen wissenschaftlichem Ernst und spielerischer Leichtigkeit nachgeht. Eine Bereicherung für den, der sich darauf einzulassen versteht.
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