18.05.2011, 12:05 Uhr
Die meisten von uns haben ihre ganz eigenen Vorstellungen von Straßenkindern, denn obwohl es uns oft wahrscheinlich gar nicht bewusst ist, haben wir ganz bestimmte Bilder von ihrem Leben, oder glauben zu wissen, wie sie sind und was sie auszeichnet. Auch die Regisseurin Maria Speth ("Madonnen") war zunächst über sich selbst überrascht, als sie erkennen musste, welche Vorurteile in ihrem "Hinterkopf herumspukten" als sie sich entschied, ein ganz besonderes, sehr persönliches Porträt von jungen Obdachlosen zu realisieren. Die jungen Menschen, die sie dabei traf, waren nämlich ganz anders, als sie es sich vorgestellt hatte. Natürlich waren die extremen Situationen, in denen sie lebten, unübersehbar, aber ebenso stachen ihre Intelligenz, ihre künstlerischen Fähigkeiten und ihre außergewöhnlichen Charaktere hervor. Genau das will sie in "9 Leben" zeigen.
Ihre Helden heißen Sunny, Toni, Krümel, JJ, Stöpsel, Soja und Za. Sie alle haben schon sehr früh für sich die Entscheidung getroffen, ihr Elternhaus zu verlassen und stattdessen auf der Straße zu leben - viele von ihnen waren zu diesem Zeitpunkt nicht einmal 13 Jahre alt. Für einige von ihnen sollte es nicht nur ein kurzzeitiger, sondern ein dauerhafter Zustand werden. Natürlich hat diese Art zu leben ihre Spuren hinterlassen - sowohl deutlich sichtbare als auch eher verborgene. Dennoch ist dies nicht alles, was diese jungen Leute auszeichnet: zwischen allen körperlichen und seelischen Verletzungen, in einem von Armut geprägten Alltag, offenbart sich in ihnen ein Reichtum, eine Vielfalt von Talenten, die sie so besonders macht. "9 Leben" ist deshalb nicht in erster Linie ein Film über das Leben auf der Straße, sondern vielmehr eine Studie über die Menschen, die dieses Leben auf die eine oder andere Weise und aus dem einen oder anderen Grund für sich gewählt haben.
Mit ihrer Dokumentation "9 Leben" wollte Regisseurin Maria Speth nicht nur einen Film über Straßenkinder machen, sie wollte vor allem eben jenen einen Raum geben, um von sich selber und ihrer Geschichte zu erzählen, um zu zeigen, wer beziehungsweise wie sie wirklich sind. In einzigartigen Kurzporträts lässt sie die jungen Obdachlosen zu Wort kommen, sodass sie für sich selber sprechen. Dadurch richtet sich der Blick weniger auf ihre Lebensumstände, als vielmehr auf ihre Persönlichkeit. Es ergibt sich damit ein sehr bewegender, emotionaler und auch berührender Einblick in die Besonderheit dieser jungen Menschen. Maria Speth ist es gelungen, dem Zuschauer die Chance zu geben, fernab aller Klischeevorstellungen für ihre interessante und eindringliche Sichtweise die Augen zu öffnen.
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