Dirk Bach und Sonja Zietlow (Foto: RTL / Stephan Goerlich)Wer dachte, nach "Gülcan und Collien ziehen aufs Land" oder "Wir sind schwanger" kann die deutsche Fernseh-Unterhaltung nicht tiefer sinken, hatte noch nicht "Die Sonja und Dirk Show" gesehen. Irgendwie wirkte die Show, die am Freitag Abend um 22.15 Uhr bei RTL zum ersten Mal über den Bildschirm flimmerte, wie ein behäbiger Abklatsch des Dschungelcamps – ohne Dschungel, aber mit ebenso seichtem Unterhaltungswert. Natürlich gab es wieder einige Opfer, mit denen Berufs-Pummel Dirk Bach und seine geschwätzige Moderatoren-Kollegin Sonja Zietlow ihre derben Späße treiben konnten. Und die gingen gewaltig unter die Gürtellinie - versteht sich. Würde ich Beate heißen, hätte blonde Haare und nicht das geringste Gesangs-Talent, würde ich mich ab morgen nicht mehr auf die Straße trauen. Anstatt dermaßen von dem Moderatoren-Duo vorgeführt zu werden, würde ich das Verspeisen eines Känguru-Anus' bevorzugen.
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Hüpfen, springen und dabei einfach "voll gut drauf" wirken, war wohl das Motto, als Dirk und Sonja auf die Bühne tänzelten und das Publikum begrüßten. Doch einigen im Saal wurde bald klar, dass sich ihr Leben nach dem Besuch der Show gewaltig ändern würde: "Wie wissen alles über Sie“, trällerte Sonja und wandte sich an Stefan, der in einer der hinteren Reihen saß: “Er trägt gerne die Unterwäsche seiner Frau". Ertappt! Mehr als ein irritiertes Nicken bekam Stefan nicht mehr zustande. Und als Zuschauer wünschte man sich nichts mehr, als vor lauter Peinlichkeit im nächsten Loch zu versinken. Doch das beliebteste Opfer dieser Show war Ellen, die nicht nur dem Briefkasten ihrer Nachbarn mit Böllern das Leben ausgehaucht hatte, sondern auch einen Rübenacker in Flammen aufgehen ließ. Der dicke Dirk und die quietschfidele Sonja wussten nur allzu viel von einigen Menschen im Publikum. Und das hätten sie besser auch für sich behalten.
Das Highlight des Abends wurde hundert Mal erwähnt, albern angepriesen und der Spieler des Abends per Reis-Olympiade ermittelt: das Spiel „Zocken um den Werbeblock“. Drei Kandidaten aus dem Publikum mussten geschlagene anderthalb Stunden mit Stäbchen Reiskörner aus einem Sack in eine Schüssel schaufeln. Wer nach dem Niveau der Sendung fragen sollte – dieses Spiel machte es mehr als deutlich. Die Kandidaten klaubten die Körner und Reiner Calmund hatte als Quoten-Promi die gewichtige Aufgabe übernommen die Werbeblöcke des „Dschungel-Verschnitts“ huldvoll anzukündigen. Laienhaft von einem Zettel abgelesene Pointen machten klar, dass Calmund besser bei seinen Fußbällen bleiben, oder im nächsten Dschungelcamp Ekel-Menüs zu sich nehmen sollte. Da wäre der Unterhaltungswert um einiges größer.
Am schlimmsten erwischte es aber zwei nichtsahnende Zuschauer: Beate und Tiny Dopfer. Beate wurde ein alter Karaoke-Auftritt zum Verhängnis. Eine Aufnahme der Blondine wurde auf öffentlichen Plätzen in Deutschland und New York präsentiert – und diese Vorstellung war zugegebenermaßen äußerst peinlich und vor allem absolut talentfrei. Als krönender Abschluss wurden von Beate private Fotos mit Finger in der Nase oder relativ textilfrei präsentiert. Dafür heimste sie eine Reise nach Thailand ein. Die dürfte jetzt dringend nötig sein und dauert hoffentlich lange genug, um Gras über diesen Auftritt wachsen zu lassen. Tiny Dopfer durfte sich in einer eigenen Show in der Show selbst an den Pranger stellen. Dabei kam heraus, dass die gelockte Blondine unter anderem das Motorrad eines Freundes besprüht hatte und einmal einem Kumpel Abführmittel ins Bier gemischt hatte. Dafür kann sie jetzt eine Reise nach Dubai ihr Eigen nennen, ist dafür aber vermutlich um einige Freunde ärmer.
Matthias war mit seinem Spiel „Zock den Werbeblock“ der Gewinner es Abends. Alle Produkte eines RTL-Werbeblocks wurden zu Preisen, wenn der Kandidat Fragen richtig beantworten konnte. Und er konnte - Sonja und Dirk mussten ihn am Ende mit riesigen Gewinnen ziehen lassen. Doch der fahle Beigeschmack des Abends bleibt: Erniedrigung und Vorführung von unbescholtenen Bürgern scheint in diesen Zeiten das Erfolgs-Rezept für Unterhaltungs-Shows zu sein. Sie wissen, was Ihr Nachbar so peinliches treibt? Dann helfen sie doch bei der Volksbelustigung und schicken Sie dienliche Hinweise an Sonja und Dirk. Damit es auch in Zukunft wieder heißen kann: Wir machen Sie nieder und erheitern damit die gesamte Nation. Was bisher niemand zu fragen wagte, wird bei dieser Sendung auf dem Silbertablett der Peinlichkeit öffentlich zelebriert. Wir wünschen weiterhin „Gute Unterhaltung“!