18.05.2011, 12:05 Uhr
1994 gründeteten körperbehinderte Straßenmusiker in Kinshasa die Band "Staff Benda Bilili". (Foto: Kool/Filmagentinnen)
Es ist heiß und staubig in den dicht besiedelten Straßen Kinshasas. In der riesigen Hauptstadt der Demokratischen Republik Kongo scheint es nur einen Rückzugsort zu geben: den Zoo. Hier gesellen sich hungrige Straßenkinder, die sogenannten Shégués, zu den ebenfalls hungrigen - hinter rostigen Gitterstäben darbenden - Tieren. Träume von Freiheit und guter Nahrung hegen sie vermutlich gemeinsam, denn die Armut befällt auch in diesem afrikanischen Gebiet 95% der Bevölkerung. Shégués sind hier in der Überzahl. Zusammengeschlossen in Banden, kämpfen sie ums nackte Überleben. Die Polizei ist ihnen ständig auf den Fersen und jederzeit drohen ihnen Deportation und der Tod. Doch auf dem Gelände des Zoos reichen sich Verbrecher, Bandenmitglieder und heimatlose Kids die Hand. Hier ist es in den meisten Fällen weitaus ruhiger als im Kern der Stadt - und hier spielt auch die hoffnungsvolle Musik von "Staff Benda Bilili".
Léon "Ricky" Likabu, Coco Ngambali Yakala, Djunana Tanga-Suele, Roger Landu, Théo "Coude" Nsituvuidi und der Straßenjunge Randi zählen zu den unverwechselbaren Musikern aus Kinshasa. Ihre Songs erzählen mitreißende Geschichten, ihre Auftritte sind energetisch und voller Hingabe, ihr Engagement versetzt wahrhaftig Berge. Alles begann im Jahre 2004: Bandleader Ricky möchte seine Träume verwirklichen. Der musikalisch begabte Mann ist, genau wie seine drei Freunde, auf den Rollstuhl oder Krücken angewiesen. Die Musik ist sein Leben. Mit ihr möchte er die Welt ein Stück verändern, seinen Kindern eine Schulausbildung ermöglichen und den zahlreichen Shégués auf den Straßen Mut und Geborgenheit schenken. "Papas" werden die Männer auf ihren speziellen Dreirädern von ihren Schützlingen genannt. Selbstgebaute Instrumente, eigens erschaffene Beats, und ein Chor aus Stimmen, der unweigerlich die Seele berührt, sind ihr Markenzeichen. In einem Zeitrahmen von fünf Jahren komponierte das Ensemble bühnenreife Stücke, die sie geradewegs nach Europa führen. Der Traum ist zum Greifen nah - die vielen größeren und kleineren Schicksalsschläge auf dem Weg dorthin geraten für kurze Zeit in Vergessenheit - vor allem während des tosenden Applauses.
Zwei Franzosen machen eine unglaubliche Entdeckung: sie treffen in der bettelarmen Stadt Kinshasa auf eine Truppe Musiker, die trotz widriger Lebensumstände ihre Kraft und Hoffnung nicht verloren haben. Ihre Musik ist eindringlich und lebendig, weshalb Renaud Barret und Florent de la Tullaye gar nicht lange überlegen mussten, ob sie die Idee für diesen besonderen Musikfilm umsetzen sollten. Fünf Jahre begleiten sie "Staff Benda Bilili" durch schwere und beflügelte Zeiten. Weder Krankheit oder ein vernichtendes Feuer, noch die allgegenwärtige Armut konnten sie davon abhalten, ein eigenes Album ("Très très fort") aufzunehmen. Und plötzlich wird ein Traum wahr: die kongolesischen Musiker betreten den Himmel einer jeden Band und erobern die Herzen der Hörer auf der ganzen Welt.
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