20.04.2011, 12:54 Uhr
Mit seiner Gang von Mods will Pinkie (Sam Riley) die örtliche Gangszene aufmischen. Dabei schreckt er auch vor Mord nicht zurück. (Foto: Kinowelt)
Weiche Gesichtszüge, Seitenscheitel, Trenchcoat, Schlips und Kragen: sieht so ein kaltblütiger Killer aus? Vermutlich ja. Der Herbstbeginn im Jahr 1964 sorgt im britischen Brighton für Schlagzeilen. Rohe Gewalt und zahlreiche Diebstähle stehen in der beliebten Hafenstadt auf der Tagesordnung. Mit lautem Motorengeheul machen die Mods auf sich aufmerksam. Unaufhaltsam lösen sie das Touristenvolk ab, das sich Jahr für Jahr im idyllischen Seebad tummelt. Die jungen Männer gehören zu einer Untergrundorganisation. Auch der Seitenscheitel tragende Pinkie (Sam Riley) gehört dazu. Ob alteingesessener Rocker oder Polizist: mittlerweile sind alle gleichermaßen hinter dem minderjährigen Kleinganoven her. Wo immer erbitterte Bandenkriege anstehen, kämpft Pinkie siegessicher an der Front. Seine Ganoven-Freunde sehen zu ihm auf, selbst nach Pinkies erstem Mord. Doch der Ruhm währt nicht lange. Ein Beweisfoto trübt die Stimmung, vor allem die Belastungszeugin, die plötzlich in Pinkies Untergrundleben tritt, ist ein echtes Problem.
Es riecht nach Abgasen, frisierten Vespas und rostigen Motorrädern. Der Sommer an der romantischen Promenade Brightons ist endgültig vorbei - was bleibt, sind Mods, Rocker und Polizisten auf Kollisionskurs. Pinkie will die mögliche Zeugin an dem von ihm verübten Mord aufsuchen, um sich aus den drohenden Konsequenzen herauszuwinden. Er trifft auf die junge Kellnerin Rose (Andrea Riseborough), die der geleckte Ganove geschickt um den Finger wickeln möchte. Schamlos versucht er, ihr Vertrauen zu gewinnen - mit Erfolg. Die alte Masche des Charmeurs kommt gut an, Rose ist in Kürze wie verzaubert. Die Wahrheit kommt dennoch bald ans Licht. Roses Vorgesetzte Ida (Helen Mirren) ahnt nämlich schnell, woher der kalte Wind weht. Die skrupellosen Machenschaften des jungen Mannes lassen sich kaum leugnen: Mordgelüste, das Spielen mit Gefühlen und ein Hauch von Todesangst gehören zum Repertoire. Pinkie hat indes auch kaum eine andere Wahl, um seinem Schicksal zu entgehen. Immerhin droht ihm nicht nur eine Gefängnisstrafe, in den 60er Jahren wird ein Mensch wie er kurzerhand gehängt.
Rowan Joffe hat ein Händchen für ordentliche Spannungsbögen. Als Drehbuchautor schrieb er packende Horrorszenarien ("28 Days Later"), seine Regiearbeit zu "Brighton Rock" entführt gekonnt in die stürmischen Zeiten der 60er Jahre. Für sein neuestes Werk gibt es wohl kaum einen adäquateren Darsteller als den smarten Sam Riley, der stilsicher im Trenchcoat auf einer britischen Promenade flaniert. Bereits im bittersüßen Biopic "Control" sorgte der junge Mann mit dem melancholischen Blick für Aufsehen. Nun verwandelt sich Riley vom selbstmordgefährdeten Kopf der 70er Jahre Post-Punkband Joy Division in einen sowohl mordenden, als auch liebenden Mod der 60er. An seiner Seite ist die Neuentdeckung Andrea Riseborough ("Happy- Go- Lucky") zu sehen, aber auch John Hurt ("Alien") und Andy Serkis ("Herr der Ringe"-Trilogie) verabreichen der packenden Romanverfilmung zusätzliche Würze. Graham Greene hätte die authentische Adaption seines Klassikers sicherlich gefallen: ansehen und überzeugen!
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