16.04.2008, 07:18 Uhr | Birgit Aßmann
Bully sucht starke Männer (Foto: ProSieben)Wo man auch hinsieht, in welches Programm man auch schaltet – irgendwer sucht irgendjemand für irgendetwas. Das Casting-Fieber ist allerorts ausgebrochen und Michael Bully Herbig ist auf den Zug aufgesprungen. Gestern Abend begab sich der erfolgreiche Filmemacher auf ProSieben zum ersten Mal auf die Suche bei „Bully sucht die starken Männer“. Denn für sein neues Filmprojekt: „Wickie und die starken Männer“ sollen nur die besten Darsteller Deutschlands vor die Kamera kommen – der Streifen wird immerhin um die 10 Millionen Euro kosten. Und die Talente kamen in Strömen: Große, kleine, langhaarige, glatzköpfige und verwirrt wirkende Männer - in Felle gehüllt, mit strammen Waden und mehr oder weniger viel Schauspiel-Talent.
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Wickies treue Begleiter gesucht
Wie in jeder anständigen Casting-Show, gibt es natürlich auch bei Bully eine Jury – und da wurde nicht gespart: Zusammen mit dem 39-Jährigen urteilen die Produzentin Rita Serra-Roll und Schauspiel-Ass Jürgen Vogel über das Können der tapferen Kandidaten. Und sie hatten mit den Kandidaten tatsächlich viel Geduld und Humor, während sich einer für die Rolle des Großmauls Snorre berufen fühlte und laut grölend vor der Jury rumhüpfte, mimten die kräftig gebauten Männer lieber den Faxe mit dem kindlichen Gemüt. Die Rollen für Gorm, Urobe, Ulme und Tjure sind zwar auch zu vergeben, gingen aber neben den beiden Lieblingsfiguren unter. Auch wenn der ein oder andere zukünftige Wikinger seine Rolle noch nicht ganz auf dem Kasten hatte, sollte das kein Problem sein: Neben einer Rolle im Film winkt den sechs glücklichen Casting-Gewinnern ein professionelles Schauspieltraining. Aber meine Erwartungen in das „Bully-Casting“ wurden bei weitem nicht erfüllt. Wer sich auf einen Abend mit arg strapazierten Bauchmuskeln vorbereitet hatte, lag leider falsch. Nicht überall wo „Bully“ drauf steht, ist auch tatsächlich großer Humor drin.
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Casting-Kandidaten als Wikinger. (Foto: ProSieben)
Kleine Männer im Überfluss
Wie groß bist Du? Diese Frage schien Rita wie Feuer unter den Nägeln gebrannt zu haben. Und es erstaunte doch sehr: Ein Großteil der zukünftigen „starken Männer“ hatte nur ein Maß von ca.1,65 Meter vorzuweisen. Und es drängte sich die Frage auf: War das so beabsichtigt oder einfach reiner Zufall? Für Snorre jedenfalls wurde die Messlatte für die Körpermaße natürlich nicht hoch gesetzt. Aber wer es in die nächste Runde schaffte – ja, auch hier „Recall“ genannt – bekam einen Papp-Wikinger-Helm in die Hände gedrückt. Das war doch wenigstens mal einfallsreich. Egal ob „Wikinger“ mit unverständlichem Bayerisch oder Fränisch daher kamen, der Wickie-Titelsong in einem Rap verbraten wurde oder ein Clown oder Astronaut zum Casting erschien – die Jury hatte stets ein freundliches Lächeln auf den Lippen und watschte die untalentierten „Möchtegern-Wikinger“ freundlich aber bestimmt ab. Dieter Bohlen muss also keine Angst vor großer Konkurrenz haben. Wie von Bully Herbig angekündigt, wurde hier niemand runter geputzt – allerdings war wohl vor lauter Nettigkeiten auch der erwartete Bully-Humor flöten gegangen.
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Seichtes Plätschern
So plätscherte die Show dahin, während die einzelnen Kandidaten große Emotionen und kleinen Humor zum Besten gaben. Die Jury-Mitglieder verdrehten die Augen und lächelten. Zwischendrin wurden Ausschnitte des Zeichentrick-Wickie eingespielt oder die Vorbereitungen der Film-Crew gezeigt. Doch zur Unterhaltung konnten auch diese Einspieler nicht beitragen. Der kurze „Abstecher“ zum Kindercasting für die Hauptrolle wirkte etwas verloren – da waren wohl zu wenig vorzeigbare Kandidaten da, um die Sendezeit ausschließlich mit „starken Männern“ zu füllen.
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Nicht gesucht, aber gefunden
Doch ein Mann hatte noch am gleichen Abend ein Rollenangebot in der Tasche – jedenfalls so gut wie: Als der bekannte Schauspieler Günther Kaufmann mit seinen 1,86 Meter auf der Casting-Bühne erschien, um den schüchternen Faxe zu mimen, war klar: Der massige Schauspieler ist für diese Rolle einfach zu selbstsicher. Doch Bully wäre nicht Bully, wenn er nicht eine zündende Idee gehabt hätte. Groß, grimmig, harte Stimme - da konnte nur eine Rolle passen: Der schreckliche Sven. Für diese Rolle wurde zwar niemand gesucht, aber gefunden. Und da Bully noch im Sommer mit den Dreharbeiten starten will, muss er sich mit der Suche nach den „starken Männern“ etwas beeilen. Denn wenn die Casting-Show auch gähnend langweilig und etwas durcheinander wirkte, so hoffe ich wieder auf einen grandiosen Film. Und wie die Schauspieler dafür gefunden werden, ist mir bis dahin einfach egal.
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Birgit Aßmann
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