05.01.2011, 11:06 Uhr
Germain (Gérard Depardieu) besucht die 95-jährige Margueritte (Gisèle Casadesus) im Altenheim. (Foto: Concorde)
An einem Spätsommertag begegnen sie sich das erste Mal. Germain (Gerard Depardieu) schlendert im Blaumann durch den Park seines Heimatstädchens. Hier, in der französischen Provinz, ist der wohlbeleibte, große Mann aufgewachsen. Und hier begegnet er auch Margueritte (Gisèle Casadeus), einer alten Dame, die sich mit ihrem Buch auf einer Parkbank niedergelassen hat. Die beiden kommen ins Gespräch und Germain erfährt, dass diese kluge, belesene Lady täglich zu diesem Ort geht. Sie ist sehr geduldig, hört zu, auch wenn Germain oftmals länger braucht, bis er ihre Gedankengänge nachvollziehen kann. Die liebenswerte Dame erkennt auf Anhieb die Stärken des bescheidenen Germain. Sie ist wie Balsam für seine Seele und er, der nie zuvor Kontakt mit der Weltliteratur hatte, blüht allmählich auf. Vielleicht ist es der große Wissensreichtum, der auf Germain eine magische Anziehungskraft ausübt? Auf alle Fälle sitzt er fortan regelmäßig neben der weitaus älteren Dame auf der Parkbank...
Germain ist 50 Jahre alt und Analphabet, doch diese 95-jährige Powerfrau weckt in ihm den Ehrgeiz mehr erfahren zu wollen als die alltäglichen News, die ihm seine Kumpels im Bistro um die Ecke erzählen. Der gutmütige Kerl, der auf den ersten Blick sehr einfach gestrickt und etwas grobmotorisch wirkt, hat einen sehr weichen Kern. Aufopferungsvoll kümmert er sich um seine Mutter (Claire Maurier), auch wenn sie ihm regelmäßig den letzten Nerv raubt. Neben seiner Mutter, dem Job, dem Bitsro und der Arbeit im Gemüsegarten gibt es auch noch Annette (Sophie Guillemin). Die junge Busfahrerin ist seine Freundin, die er regelmäßig trifft. Doch die Sicht auf sein bisheriges Leben biginnt sich durch Margueritte zu verändern. Das neue Wissen und die vielsagenden Geschichten, die Germain durch Margueritte kennenlernt, fließen mehr und mehr in seinen Lebensalltag ein. Als er seiner weißhaarigen, neuen Freundin Blumen kauft, die fälschlicherweise in Annettes Hände gelangen, muss er sich eingestehen, dass er sich in Margueritte verliebt hat. Doch die größte Herausforderung steht ihm noch bevor...
Die schönsten Geschichten schreibt bekanntlich das wahre Leben: Jean Beckers ("Dialog mit einem Gärtner") Skript beruht zwar nicht auf einer wahren Begebenheit, dennoch könnte seine Filmgeschichte aus dem Leben gegriffen sein. Der französische Regisseur und Drehbuchautor liebt realitätsnahe Verfilmungen, die vor Menschlichkeit und Leichtigkeit sprühen. Das ungleiche Paar vor der Kamera wird von Gérard Depardieu ("Cyrano von Bergerac") und Gisèle Casadesus ("Männer und Frauen - Die Gebrauchsanweisung") gespielt. Mit viel Charme, Witz und Sprachgefühl begleiten sie den Zuschauer auf eine Reise durch den Lebensalltag in einem unbedeutend kleinen Dorf in Frankreich, durch bedeutende Geschichten der Weltliteratur und wieder zurück. "Das Labyrinth der Wörter" wird ans Herz gehen und berühren.
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