29.12.2011, 11:34 Uhr
Der elfjährige Sohn von Nancy (Kate Winslet) und Alan (Christoph Waltz) hat einem anderen Jungen auf dem Spielplatz zwei Zähne ausgeschlagen. (Foto: Constantin)
Zwei elfjährige Rotzbengel haben sich lustvoll in einer Prügelei ausagiert, wobei einer von ihnen sich von zwei Vorderzähnen trennen musste. Die Eltern des derart Geschädigten, die liberale Buchhändlerin Penelope (Jodie Foster) und ihr Ehemann Michael Longstreet (John C. Reilly), der als Handelsvertreter arbeitet, suchen nach einer friedlichen Lösung des Konfliktes. Sie laden die Eltern des jugendlichen Schlägers, Nancy (Kate Winslet) und Alan Cowan (Christoph Waltz), zu einer Aussprache ein. Das dynamische Paar - sie, die kühl beherrschte Investmentbankerin und ihr Gatte, ein erfolgreicher Anwalt - ergreift erleichtert die zur Versöhnung gereichte Hand der Gastgeber, nachdem sich die Parteien über den unschönen Vorfall ausgetauscht haben. Schon will man sich erleichtert trennen, doch die Höflichkeit erfordert noch ein gemeinsames Tässchen Kaffee, bei dem es sich so schön locker plaudern lässt...
Leider wird aus dem Austausch der Nettigkeiten ein Fest der losen Mundwerke: Unversehens ist man wieder am Ausgangspunkt des Treffens angelangt. Denn wie sich herausstellt, ist da noch jede Menge Klärungsbedarf. Nachdem die Gemüter sich mit Koffein und Kindererziehung hinreichend hoch gepuscht haben, lässt der in Folge fließende Alkohol auch die letzten Hemmschwellen einbrechen. Der Countdown zu einer lustvollen Schlammschlacht wird eingeläutet. Es geht um Alles und Nichts mit Jeder gegen Jeden. Die Wohnung der Longstreets wird zum Schlachtfeld, bei der sogar die harmlose Tulpenvase auf dem Tisch als Kriegsschauplatz missbraucht wird, um ein lästiges Handy zu versenken. Die ständig an die Wand gedrängte Weltverbesserin Penelope nimmt die Züge eines wild um sich beißenden Tieres im Adrenalinrausch an, die sich an den zynischen Sprüchen des aalglatten Alan aufreibt, während ihr Gatte den Kumpel für alle mimt. Als die bisher leidlich beherrschte Nancy sich vor den fassungslosen Augen der Streithähne übergibt, fallen die letzten Hemmungen...
Roman Polanskis neuster Film ist eine bitterböse Beziehungssatire. Die kammerspielartige Ausgangssituation und die funkensprühenden Dialoge basieren auf dem Bühnenstück "Der Gott des Gemetzels" von Yasmina Reza, die der Starregisseur für seine Leinwandadaption als Drehbuchautorin verpflichten konnte. Gemeinsam gelang ihnen eine scharf geschliffene und herrlich böse Demaskierung menschlicher Abgründe. Den "Gott des Gemetzels" zelebriert in genüsslicher Zersetzung die große Oscarpreisriege der Darsteller: Jodie Foster ("Der Biber"), John C. Reilly ("Cyrus"), Kate Winslet ("Contagion") und ein alles überragender Christoph Waltz ("Die drei Musketiere") zeigen, wie Kommunikation schöner scheitert. Ein Fest für die herrlich niederen Sinne!
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