08.06.2011, 15:12 Uhr
Begleitet von Ju (Jessica Schwarz, l.) und Ruth (Anna Schudt, r.) begibt sich Julian (Robert Stadlober) auf eine Pilgerreise. Die Kraft des Gehens soll den herzkranken Vater seines besten Freundes heilen. (Foto: Arsenal)
In einer klammheimlichen Aktion setzt Julian (Robert Stadlober) sich ab: er klettert mit einem Rucksack als Reisegepäck über die Mauer, die die psychiatrische Anstalt, in der er seit vier Jahren Patient ist, von der Außenwelt trennt. Hier hat er versucht, das Trauma aufzuarbeiten, den Tod seines besten Freundes durch ein irrsinniges Experiment verschuldet zu haben. Was auch immer den jungen Mann seinerzeit angetrieben hat, sich zu der Annahme zu versteigen, er könne über erwiesene Naturgesetze triumphieren, endete für die Beteiligten in einer Katastrophe. Als Julian erfährt, dass der Vater des Verstorbenen tödlich erkrankt ist, sieht er seine Chance gekommen, für seine Schuld Buße zu leisten.
Julian fühlt sich von einer immensen Kraft beflügelt. Er will von Berlin bis nach Süddeutschland wandern und dabei seine Energien bündeln. Die von ihm freigesetzte Kraft soll sich unmittelbar auf die Vernichtung der Krankheit konzentrieren, daran glaubt Julian, dafür ist er aus der Anstalt geflohen. Sein inneres Feuer zieht gleich zwei Frauen in den Bann, die ihn bei seinem Heiltrip begleiten werden. Zuerst trifft er auf die pragmatische Assistenzärztin Ju (Jessica Schwarz), die von jetzt auf gleich ihr bisheriges Leben samt Freund und Job im Krankenhaus hinter sich lässt, um dem rätselhaften Visionär zu folgen. Kurz darauf schließt sich die des Familienalltags überdrüssige Ehefrau und Mutter Ruth (Anna Schudt) an. Nicht nur die Frauen profitieren emotional, Julian lernt durch Ju die Liebe kennen. Auf ihren vielen Wegkilometern entwickeln die Wanderer ein tiefes, spirituelles Verständnis sowie einen intensivierten Blick auf die Welt. Schon bald scheint ihnen der Gedanke, dass der Glaube Berge versetzen kann, gar nicht mehr abwegig. Leider hat der cholerische Kripobeamte Jan (Martin Feifel), der sie mit dem Auftrag, Julian wieder zurück in die Nervenklinik zu bringen, auf ihrem Seelentrip verfolgt - und Jan hat so gar keine Ader für das Meditative.
Nick Baker Monteys' Spielfilmdebüt, das Roadmovie "Der Mann der über Autos sprang", ist eine liebevolle Charakterstudie von Menschen, die sich über den Grat des Nachvollziehbaren hinauswagen. Für die Drehbuchgeschichte vom unbeirrbaren Glauben eines jungen Mannes, er könne mit seiner freigesetzten Energie einen Todkranken heilen, heimste der gelernte Journalist Montey verdientermaßen den Max-Ophüls-Preis ein. Robert Stadlober ("Zarte Parasiten") mimt einmal mehr überzeugend einen verschrobenen Aussteiger, dessen ruhige Ausstrahlung direkt zwei sehr gegensätzliche Damen auf den Plan ruft. Unbeirrbar folgen ihm Jessica Schwarz ("Verschwende deine Jugend") und Anna Schudt ("Keine Angst") auf seiner Mission. Martin Feifel ("Das wahre Leben") wütet auf verlorenem Posten herrlich verbittert hinter ihnen her. Ein märchenhaftes Abenteuer über Buße, Sinnsuche und die Kraft der Gedanken.
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