09.03.2010, 10:08 Uhr | LS
Der Popolski Show: Wodka, Weib und Welthits (Foto: Stephan Pick)
"Dieter Bohlen hat gestohlen, alle Hits aus Polen." Behauptet jedenfalls Pavel Popolski, Chef der "Popolski Show". Doch damit nicht genug. Nahezu alle Pop-Hits der vergangenen Jahrzehnte sollen seiner verarmten, polnischen Familie geklaut worden sein.
Denn laut Pavel Popolski war es sein Opa Pjotrek, der vor rund 100 Jahren eine Melodie ersann, deren vier Akkorde sich heute in 90 Prozent aller internationalen Hits wiederfindet. Auch die folgenden Generationen der Familie Popolski komponierten zahlreiche Songs. Doch ein zwielichtiger Gebrauchtwagenhändler luchste den Popolskis bei jeder Menge Wodka die Rechte an ihren Liedern ab. Später wurden diese Songs - interpretiert von ausländischen Künstlern - zu Welthits. Besonders schlimm im Fall des späteren Dieter-Bohlen-Hits "Cheri, Cheri Lady". Pavels Bruder Janusz hatte das Lied im Alter von drei Jahren als liebevolle Hommage an die schöne Kirschenverkäuferin seiner Heimatstadt Zabrze komponiert.
Ein breiter polnischer Akzent, auffallend unmoderne Klamotten und eine so aberwitzige Geschichte - natürlich ist "Der Popolski Show" ein großer Bluff. Und es sind ausgerechnet deutsche Musiker und Comedians, die das "kaum gestohlen, schon in Polen"-Klischee ins Gegenteil verkehren. 2003 gründete Achim Hagemann (Pavel), bekannt als musikalischer Begleiter Hape Kerkelings unter anderem als Pianist der Parodie "Hurz", die Popolski-Band. 2008 zeigte der WDR die Truppe im Spätprogramm. Seitdem wuchs der Bekanntheitsgrad von Pavel, Janusz, dem schönen Andrzej, der roten Dorota und all den anderen Popolskis stetig. Ihre aktuelle Tournee ist nahezu ausverkauft. Der WDR lässt weitere TV-Shows produzieren und selbst die ARD will diese ab Juni ausstrahlen.
Gesendet werden die Shows der neunköpfigen Band aus dem popolski'schen Wohnzimmer, wo Pavel Popolski in perfektem Polen-Slang die aberwitzige Geschichte des Familienclans erzählt und zum Beweis die Originalversionen bekannter Hits anstimmen lässt. Dabei verulkt der Titel "Popolski" den Ausdruck "po polsku", welcher so viel wie "auf Polnisch" bedeutet. Und so endet in der Show so manches Wort auf "ski", wenn Pavel Popolski mit Oberlippenbart und Pollunder die Geschichte seiner Familie oder die Entstehung ihrer Hits erzählt. Im familieneigenen Shopski, zeitgemäß im Internetski, kann man die CD "Live In Zabrze" kaufen. Auf ihr sind Hits wie "Sexy Bomba", "Insomnia" oder "Final Countdown" in jenen Versionen zu hören, wie sie vor der Verhunzung durch westliche Musiker klangen.
Es wird sich also bei so manchem Zuhörer eine große Verwunderung breit machen, dringen die Welthits im Popolski-Sound an ihre Ohren. So war "We Will Rock You" eigentlich als Ska-Nummer komponiert worden und "A Whole Lotta Love" als Polka. Was Queen und Led Zeppelin aus den Liedern machten, ist hinlänglich bekannt. Noch bis Ende April und dann wieder ab September verlassen die Popolskis ihr Wohnzimmer in der heimatlichen Plattenbauwohnung und touren durch die Clubs Deutschlands. Im Sommer stehen Open-Air-Termine auf dem Programm. Ihr aktuelles Programm heißt "From Zabrze With Love" und gibt der Familie Popolski endlich jene Anerkennung, die den Verfassern so zahlreicher Hits zusteht. Man könnte also in aller Ruhe den späten Erfolg genießen. Wenn da nicht die fehlgeschlagene Rettung des letzten Hits von Opa Popolski an der Familienehre kratzen würde. Denn auch der fröhliche polnische Sommerhit "Mamacita" ist längst in die Hände von Dieter Bohlen geraten und "verhunzet" worden.
LS
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