26.10.2011, 13:40 Uhr
Taxifahrer Hartmut Mackowiak (Elmar Wepper) muss sich um das kleine türkische Mädchen Hayat (Mercan Türkoglu) kümmern. (Foto: Majestic)
30 Jahre lang war Hartmut Mackowiak (Elmar Wepper) verheiratet. Drei Jahrzehnte - eine lange Zeit. Da erwartet man keine Überraschungen mehr. Man glaubt, den anderen zu kennen. Deshalb trifft es den mürrischen, eigenbrötlerischen Taxifahrer wie aus heiterem Himmel, dass seine Frau (Katja Rupé) ihn eines Tages für einen anderen Mann verlässt und noch einmal das Glück für sich suchen will. Von einem Moment auf den anderen steht er allein da, muss sein Leben neu überdenken und seine Zukunft neu definieren. Das ist für ihn alles andere als einfach, schließlich ist Hartmut Mackowiak ein eher zurückhaltender Mann, der sich vor der Welt versteckt und mit seinen Vorurteilen und seinem Misstrauen gern für sich allein ist. Fremdes oder Neues kann er nicht gebrauchen. Die anderen sollen ihn schön in Ruhe lassen.
Genau das tut die kleine Hayat (Mercan Türkoglu) jedoch nicht, als sie plötzlich mutterseelenallein in seinem Taxi auftaucht. Deutsch spricht sie nicht, aber ganz offensichtlich braucht sie Hilfe, denn ihre Mutter ist nicht aufzufinden, und sonst scheint sich niemand um sie zu kümmern. Das passt dem Griesgram Hartmut Mackowiak natürlich gar nicht, und zunächst setzt er alles daran, das türkische Mädchen schnell wieder loszuwerden, bringt es doch nur sein geordnetes Leben durcheinander. Schließlich will er im Grunde immer noch seine Frau zurückgewinnen. Trotz aller Vorbehalte nimmt er sich dennoch der Sechsjährigen an und taut dabei selbst endlich auf. Am Ende muss sich Hartmut Mackowiak deshalb fragen: Hilft wirklich er Hayat zurück zu ihrer Mutter, oder hilft nicht vielleicht sie ihm zurück ins Leben...?
Als Regisseur bedeutet es ein echtes Wagnis, eine Hauptdarstellerin zu verpflichten, die noch keinerlei Dreherfahrungen hat. Im Fall von Mercan Türkoglu, die in Christian Züberts ("Hardcover") Drama „Dreiviertelmond" die sechsjährige Türkin Hayat spielt, lag der Filmemacher allerdings goldrichtig. Sie ist natürlich, frech und schlichtweg wunderbar. Erst das Zusammenspiel mit Elmar Wepper ("Kirschblüten - Hanami"), der hier glaubhaft den überforderten Einzelgänger Hartmut Mackowiak verkörpert, macht aus dem Film jedoch einen Geheimtipp für diesen Kinoherbst, der von Presse und Kritikern bereits gefeiert wird - zu Recht. Dieses Großstadtmärchen hat einfach alles, was sich der Zuschauer wünschen kann: eine bittersüße Geschichte, authentische Darsteller, Warmherzigkeit, Realitätsnähe und am Ende die notwendige Prise Glück.
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