18.01.2012, 12:51 Uhr
30 amerikanische Künstler-Punks haben sich gegen den Widerstand der Schifffahrtbehörden durchgesetzt und führen nun ein Leben in ihrer eigenen Welt. Ein Leben auf Flößen - ohne Regeln. (Foto: RealFiction)
Der Traum von einer neuen besseren Welt ist ungefähr so alt wie die Menschheit selber. Träume von Freiheit, Würde und Gerechtigkeit - auch bekannt als Reise nach Utopia. Doch während es vor einigen Jahrzehnten noch ganzen Subkulturen relativ problemlos gelang, sich ihr eigenes Nirwana - wenn auch fernab der großen anerkannten Formen eines "redlichen" Daseins - zu erschaffen, scheitert das Gros der heutigen Aussteiger, Individualisten und Freidenker an einem ganzen Katalog von Vorschriften, die auf immer größerer Ebene Anwendung finden. Die schöne neue Globalisierungswelt wird zur Bedrohung individueller Lebensgestaltung.
Doch findige Denker und pfiffige Untergrundnetzwerker haben die Grau- beziehungsweise Freizone im globalen Dorf entdeckt und bereits vielfach mit Erfolg annektiert. Mit der Gründung von bereits über 500 Mikronationen haben sich diese Menschen ihren Traum von der Autonomie auf legalem Weg erfüllt. Die selbsternannten Zwergstaaten berufen sich auf eine 1933 beschlossene Konvention, welche die Bedingung für einen souveränen Staat definiert. Dazu gehört neben dem eigenen Staatsgebiet auch eine selbstständige Regierung. Eine eigene Währung, die Staatshymne, Gesetze, selbstgedruckte Briefmarken und Zeitungen, andere Kirchenformen oder gar eine neue Sprache heben die Individualität der Bewohner besonders hervor. So einzigartig wie ihre jeweilige Verfassung, so vielfältig sind die unterschiedlichen Gemeinschaften. Ob als Fürstentum nach internationalem Seerecht auf einer stillgelegten Meeresplattform, oder als unabhängige Bauernprovinz in Australien mal in den unterirdischen Höhlengängen einer alten Tempelanlage, die zum Öko-Dorf deklariert wurde, dann wieder als Therapiekommune nahe Berlin. Allen Anhängern dieser Lebensformen, denen teilweise der Ruf der exzentrischen Spinner oder Sektierer anhaftet, ist eines gemeinsam: Ihr Wille, für ein selbstbestimmtes Dasein zu kämpfen.
Nach der ersten Welle der Euphorie scheint für viele festzustehen, dass die Globalisierung vielleicht doch nur ein vollmundiges Marketingversprechen von Wirtschaftslobbyisten war, die zur Durchsetzung ihrer eigenen Interessen Benefit für alle vorgaukelten. Fakt ist: Viele Menschen spüren noch weniger Nähe im täglichen Miteinander trotz weltweiter Vernetzung mit modernster Kommunikationstechnologie, noch verschaffen ihnen der erleichterte Grenzverkehr die Möglichkeiten, sich allerorten zu entfalten - nicht zuletzt durch eine Reform zur Einheitswährung, die dem Durchschnittsbürger allenfalls neue Löcher ins Portemonnaie riss. So kommt der überaus sorgfältig recherchierte Beitrag des in der alternativen Szene sehr umtriebigen Dokumentarfilmers Paul Poet zur rechten Zeit zur miesen Stimmung bei all jenen, deren persönliche Entfaltung über die Rahmenbedingungen eines Versicherungsvertrages hinausgeht, die bei Austausch nicht an ihre "Freunde"" aus diversen Internetportalen denken, wo Gedankenfreiheit letztlich mehr ist als nur ein Lied. Paul Poet schafft es, mit seinem Porträt der Mikronationen, die er in seiner Dokumentation "Empire me - Der Staat bin ich" näher vorstellt, ein nagendes Gefühl der Sehnsucht zu entfachen. Obwohl einige der selbsternannten Lebensgemeinschaften sicherlich einen dubiosen Daseinszweck verfolgen, den der Filmemacher keinesfalls verhehlt, ist sein Beitrag eine Ode an die Freiheit.
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