01.02.2012, 11:09 Uhr
In einer Winternacht treffen der illegal in Deutschland lebende Pakistani Haroon (Atta Yaqub) und der Versicherungsvertreter Mark (Christoph Franken) aufeinander. (Foto: missingfilms)
Mark (Christoph Franken) durchstreift wie so oft in letzter Zeit ziellos die einsame Winternacht. In seinem Kopf dreht sich die Spirale seiner Unzufriedenheit. Seit seine Freundin Nina ihn verließ, stellt Mark sein Leben immer häufiger in Frage, und er spürt dabei, dass er nicht das tut, was er sich erträumt. Sein Job in der familieneigenen Versicherungsagentur ist lediglich Makulatur, weit entfernt von den Reisen nach Japan und der Kochkarriere, die als scheinbar unerreichbare Ziele durch seine Vorstellungswelt geistern. Einsam und unverstanden, vom Leben betrogen, fühlt sich Mark, als er nach einem Unfall den Pakistaner Haroon (Atta Yaqub) kennen lernt.
Haroon lebt seit drei Jahren in Deutschland. Doch anders als bei Mark ist sein Status Quo alles andere als abgesichert. Haroon ist ein Illegaler, der sich mit einer Anstellung bei einem Friseur, immer in Angst vor einer möglichen Entdeckung und der daraus folgenden Abschiebung, provisorisch eingerichtet hat. Nichts wäre dem Flüchtling lieber, als eine Legitimierung seiner Existenz, einen eigenen Friseursalon zur Sicherung seines Lebensunterhaltes zu führen - schlicht, endlich ankommen zu können. Als er mit Mark zusammentrifft, erkennen sich nach kurzer Zeit zwei Seelenverwandte. Zwei junge Menschen, die sich selber inmitten all ihrer Sehnsüchte erst noch finden müssen.
"Fernes Land" ist ein von Sehnsüchten und Träumen getragenes Drama über zwei junge Männer, die aus verschiedenen Ausgangspositionen heraus eine Vision teilen. Darüber hinaus beschreibt die sensible Studie des indischen Regisseurs Kanwal Sethi die Suche nach Identität in der Fremde. Fast wie in einer Ballade entwickelt sich aus den stimmungsvollen Bildern von Einsamkeit und Zerrissenheit das Motiv von Vertrauen und Freundschaft. Selber Emmigrant, gelingt dem Filmemacher die Schilderung eines Individuums, das sich zwischen zwei Welten wie ein Schatten seiner selbst bewegt, äußerst stimmig - sowohl für den illegalen Einwanderer, als auch für den entwurzelten Einheimischen. Atta Yaqub ("Ninas himmlische Köstlichkeiten") und Christoph Franken ("Ich bin die Andere") zeigen eindrucksvoll verletzliche Seelenverwandtschaft. Für Tiefgänger!
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