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Harry Potter und die verrückten Hormone
14.07.2009, 16:48 Uhr | CK
Ein Bürogebäude in London: Die Menschen starren gebannt aus dem Fenster, denn am Himmel formt sich eine riesige Totenkopf-Wolke. Auch wenn sie keine Ahnung haben, dass dies das unheilvolle dunkle Mal der Todesser ist - die Londoner ahnen, dass sich Fürchterliches zusammenbraut. Und tatsächlich, "Harry Potter und der Halbblutprinz" ist kaum eine Minute alt, da zerstören Dementoren schon eines der Wahrzeichen der Stadt, die Millennium Bridge. Der Zaubererkrieg ist auch in der Welt der Muggel angekommen. So düster und actionreich beginnt der neue "Potter"-Film - doch so finster geht er keineswegs weiter. Im Gegenteil: Die Zuschauer erwartet diesmal eine "romantische Komödie", wie Emma Watson alias Hermine "HP6" treffend nennt. Denn der gemeinste Gegner der Zauberschüler ist dieses Mal nicht Lord Voldemort, sondern die verrückt spielenden Hormone - und so geht es vor allem um die romantischen Verstrickungen, kindischen Eifersüchteleien und amourösen Avancen von Harry, Hermine, Ron und Co. Der neue "Harry Potter" ist somit völlig anders als die bisherigen - und vor allem unglaublich komisch!
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"Sie will den ganzen Tag nur knutschen"
Der Film verlagert den Fokus des Buches enorm: Während J.K. Rowlings Romanvorlage vor allem in der finsteren Vergangenheit Voldemorts herumstochert und viele erklärende Rückblenden beinhaltet, reduziert der Film diese auf ein Minimum und konzentriert sich lieber auf das Gefühlschaos, das bei den Zauberschülern Einzug hält. So beginnt Ron eine Beziehung mit Lavender Brown - die von Newcomerin Jessie Cave herrlich unerträglich gespielt wird. Erst genießt Ron es, eine Freundin zu haben, wird aber schnell der aufdringlichen Lavender überdrüssig, die ihn mit Küssen und Geschenken überhäuft: "Sie will den ganzen Tag nur knutschen!“, beschwert er sich bei Kumpel Harry. Die sonst so kühle und kontrollierte Hermine hat mit Rons Beziehung heftige Probleme - schließlich ist sie selbst in ihren rothaarigen Freund verliebt. Und auch Harry hat mit der Eifersucht zu kämpfen, denn er wiederum ist in Rons Schwester Ginny verliebt - doch die hat schon einen Freund.
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Draco als "James Bond"-Bösewicht in spe
Der einzige, der sich nicht am fröhlichen Liebesreigen beteiligt, ist Harrys Erzfeind Draco Malfoy. Denn der hat von Lord Voldemort eine wichtige Aufgabe bekommen und keine Zeit für Pubertätsprobleme. Im schwarzen Anzug stolziert der inzwischen hochgewachsene weißblonde Draco nun über die Flure von Hogwarts, fühlt sich über den Schulalltag erhaben und wirkt wie ein "James Bond"-Bösewicht in spe. Doch bald zeigt sich, dass die Aufgabe, die der dunkle Lord ihm zugedacht hat, zu groß für ihn ist - so dass der sonst so großmäulige Slytherin-Schüler daran fast zerbricht und in mehr als einer Szene sein verzweifeltes Schluchzen zu hören ist. Eindrucksvoll gespielt von Tom Felton ist Draco die innere Zerrissenheit anzusehen, die ihn zur tragischen Figur des sonst oft so leichtfüßigen Films macht.
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Auf der Jagd nach Voldemorts Seele
Doch nicht nur Draco, sondern auch sein Gegner Harry muss lernen, Verantwortung zu übernehmen und erwachsen zu werden. Sein väterlicher Freund Dumbledore wird zusehends schwächer und bildet Harry deshalb zu seinem Nachfolger im Kampf gegen Voldemort aus. Gemeinsam erfahren die beiden, dass der finstere Zauberer seine Seele in mehrere Teile spaltete und in verschiedenen Gegenständen, sogenannten Horkruxen, versteckte - und erst wenn diese zerstört sind, kann Voldemort getötet werden. Um an eines der Horkruxe zu gelangen, begeben sich Harry und Dumbledore in eine verzauberte Höhle. Dort müssen sie lebensgefährliche Hindernisse überwinden und gegen Inferi kämpfen (lebende Tote, die im Film allerdings eher wie Gollum aus "Herr der Ringe" wirken). Doch als die beiden schließlich geschwächt nach Hogwarts zurückkehren, wartet dort noch eine viel größere Bedrohung auf sie. "Harry Potter und der Halbblutprinz" endet mit einem Paukenschlag: Hogwarts wird nie wieder so sein, wie es war - und wohl jeder "Potter"-Fan wird mindestens ein Träne verdrücken.
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Kein Film für jeden Fangeschmack
Dennoch: Das Ende des Films ist keineswegs so finster, emotional und actionreich wie das des Buches, so dass Fans, die mit der Geschichte vertraut sind, enttäuscht sein könnten. Auch werden einige Szenen ohne ersichtliche Notwendigkeit komplett verändert, weggelassen oder neu hinzugedichtet: So macht gegen Mitte des Films plötzlich der Werwolf Fenrir Greyback im Garten der Weasleys Jagd auf Harry und Ginny, während Todesserin Bellatrix Lestrange das Heim der rothaarigen Familie abfackelt - während im Buch nichts dergleichen passiert. Ob die Macher des Films diese Szene schnell noch einbauten, weil ihnen auffiel, dass sie zuviel Pubertätschaos und zu wenig Action im Film hatten? Man weiß es nicht. In jeden Fall ist "HP6" als romantische Komödie mit wenig gelungenen Action-Sequenzen ein Film, der wohl nicht den Geschmack jedes Fans treffen wird. Dabei sollte man die Leichtigkeit, die "Harry Potter und den Halbblutprinz" über weite Strecken beherrscht, durchaus genießen - die nächsten Filme werden sicher noch düster genug!
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CK