26.10.2011, 15:04 Uhr
Die Fotografin Hannah (Isabelle Huppert) hofft mit den Aufnahmen von ihrer minderjährigen Tochter Violetta (Anamaria Vartolomei) auf den großen Durchbruch in der Pariser Kunstszene. (Foto: X-Verleih (Warner))
Hannah (Isabelle Huppert) befindet sich in einer recht prekären Lage. Die alleinerziehende Mutter einer minderjährigen Tochter lebt im Paris der 70er Jahre und befindet sich finanziell in Abhängigkeit von ihrem Liebhaber und Gönner. Da ihr der große Erfolg als Künstlerin bisher versagt geblieben ist, kommt die Fotografin auf die bizarre Idee, ihrer Jugend und Anmut von einst in Gestalt ihrer Tochter ein Denkmal zu setzen. Anfangs gelingt es ihr auch problemlos, die bildschöne Violetta (Anamaria Vartolomei) für ihre Bilder in opulent barocker Pose abzulichten. Das ganze erscheint der Tochter zunächst wie ein herrliches Spiel und eine kostbare Gemeinsamkeit, die sie mit ihrer exzentrischen Mutter aneinander schweißt.
Doch schon bald verschwindet die Lust der Tochter an den Fotosessionen: Immer bizarrer muten die Vorstellungen der Mutter an, immer gewagter werden die Posen und die Kostüme, die das Mädchen vorführen soll. Eine Grenze ist überschritten. Längst handelt es sich keineswegs mehr um künstlerische Fotos mit erotisierendem Flair, sondern der laszive Hintergrund und das zunehmend professionell hergerichtete Modell sprechen eine eindeutige Sprache. Bald widersetzt sich auch Violetta immer heftiger, wenn es darum geht, als Objekt zahlloser anonymer Augen ihr eigenes Fleisch zu Markte zu tragen. Gleichzeitig ist die Heranwachsende innerlich wie zerrissen, sucht sie doch, wie alle jungen Mädchen auch, Zuflucht und Trost. Bei ihrer vom Ehrgeiz zerfressenen Mutter sucht sie allerdings vergeblich. Diese sieht sogar in der Drohung durch die Behörden, ihr die Tochter zu nehmen, höchstens einen Affront gegen ihre Künstlerseele.
Wer sich auf das Mutter-Tochter-Drama "I'm not a f***ing princess" von Eva Ionesco einlässt, dürfte über die verstörend zynisch ausgerichtete Orientierung der von Isabelle Huppert ("8 Frauen") wahrhaft meisterlich abgebrüht dargestellten Mutter und Fotografin Hannah schockiert sein, die ihr eigen Fleisch und Blut zu Markte trägt, ohne dies auch nur im Ansatz als unmoralisch zu empfinden. Fast unwirklich scheint, was die rumänische Regisseurin hier auf die Leinwand bringt. Die Geschichte indes ist nur zu wahr: Sie spiegelt einen großen Teil der Kindheitserlebnisse von Eva Ionesco wider, weshalb wohl auch im gesamten Werk trotz aller Pracht und Opulenz der Bilder der kalte Hauch der Authentizität des Unfasslichen zu einem verwirrend kontraststarken Nachempfinden des Plots führt. In dem Bild- und Seelenstriptease einer missbrauchten, liebeshungrigen Minderjährigen glänzt die Neuentdeckung Anamaria Vartolomei durch das fragile Aussenden zweideutiger Signale. Verstörend, mutig und künstlerisch vollkommen, lässt "I'm not a f***ing princess" garantiert nicht kalt.
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