01.03.2012, 09:08 Uhr
Clyde Tolson (Arnie Hammer) ist zur rechten Hand von FBI-Chef J. Edgar Hoover (Leonardo DiCaprio) geworden. (Foto: Warner Bros.)
J. Edgar Hoover (Leonardo DiCaprio) begann seine Karriere mit Anfang 20, als er in seiner -damals noch schlicht Ermittlungsbehörde genannten - Dienststelle in spektakulären Fällen, wie beispielsweise der Entführung des Lindbergh-Babys, ermittelte. Nun, gegen Mitte der 70er, blickt der FBI-Chef auf 50 Jahre Amtszeit zurück, die ihn zum mächtigsten Mann Amerikas aufsteigen ließen. Drei Kriege hat er miterlebt, die Amtszeit von acht Präsidenten unangefochten überstanden. Sein Erfolgsmotto "Wissen ist Macht, und Furcht bietet Chancen" setzte er taktisch derart geschickt ein, dass er die wichtigen Entscheidungsträger seines Landes beeinflussen konnte, ohne dabei die eigene Position zu gefährden.
Diese Vormachtstellung fordert natürlich zwangsläufig ihren Preis. Nie kann J. Edgar völlig ins Privatleben eintauchen, keine Person wirklich ins Vertrauen ziehen. Als seine Mutter (Judi Dench) stirbt, verliert der FBI-Direktor mit ihr die einzige Person, der er sich noch öffnen kann, und die sich nicht scheut, ihm auch mal ins Gewissen zu reden. Fortan sind es zwei Personen aus dem beruflichen Leben, die zu seinem engsten Umfeld gehören. In Clyde Tolson (Armie Hammer) findet Hoover seinen wichtigsten Mitarbeiter, in der Sekretärin Helen Gandy (Naomi Watts) eine treue Seele, die viele seiner Pläne kennt und sie unerschütterlich vor dem Auge der Öffentlichkeit verteidigt. Denn Hoover ist zwar durchaus Patriot und sieht seine Aufgabe im Schutz seiner Nation, doch seine Methoden sind teilweise sehr zweifelhaft und willkürlich. Die heimlichen skrupellosen Machenschaften verhindern auch, dass Hoover jemals das genießen darf, was er sich im Grunde am meisten wünscht: die dankbare Bewunderung seiner Mitbürger.
Mit "J. Edgar" inszeniert der mittlerweile in Hollywood selbst schon legendäre Clint Eastwood das Porträt des berühmten FBI-Chefs vor dessen persönlichem Hintergrund. Der bereits in unzähligen Filmen als Darsteller, Produzent und Regisseur mitwirkende Eastwood, der mit seinen über 80 Jahren die glorreichen Feldzüge ebenso wie die skrupellosen Winkelzüge Hoovers als Zeitzeuge miterlebte, setzte das Drehbuch von Dustin Lance Black zu einer faszinierenden Charakterstudie um. Wir erleben einen von Ehrgeiz Getriebenen, der sich durch seinen Umgang mit Geheimnissen an die Spitze der Macht katapultiert, aber dabei im zwischenmenschlichen Bereich auf der Strecke bleibt. Leonardo DiCaprio schlüpft in die undurchsichtige Rolle des Taktikers J. Edgar Hoover. Eine Zeitreise durch glanzvolle Augenblicke der Kriminalistik und dunkle Verschwörungstheorien.
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