18.01.2012, 13:29 Uhr
Sandro (Gerdy Zint) und seine Freundin Marisa (Alina Levshin) sind Anhänger der rechtsextremen Szene. (Foto: Ascot Elite)
Marisa (Alina Levshin) ist 20 Jahre alt - und im Krieg. Denn sie ist Mitglied einer rechtsradikalen Jugendclique in einer ostdeutschen Kleinstadt. Sie hasst Ausländer, Schwarze und Politiker, Juden und die Polizei, weil die ihrer Meinung nach alle dafür verantwortlich sind, dass die Welt im Allgemeinen, und Marisas Leben im Speziellen, vor die Hunde gehen. Sie gibt ihnen die Schuld an den Problemen in ihrer Heimat, auf die sie eigentlich stolz sein will, und daran, dass ihr Freund (Gerdy Zint) im Knast sitzt, sie selbst keine Perspektive hat. Wenn jemand sie schief anguckt, schlägt Marisa zu. Sie kennt keine Hemmungen, nur Aggression. Ihre Wut trägt sie im Gesicht, ihre Einstellung mit entsprechender Kleidung, die Verachtung als Tätowierung auf der Haut. Ihr Leben droht unweigerlich auf den Abgrund zuzusteuern, sie den letzten Halt zu verlieren - bis sich alles zu ändern beginnt...
Als Marisa und ihre Clique mit zwei Asylbewerbern aneinandergeraten, eskaliert für die junge Frau die Situation. Aufgeheizt in ihrem Wahn aus Zorn und Hass, drängt sie die beiden fremden Männer mit dem Auto von der Straße, fährt danach einfach weg, ohne sich darum zu kümmern, ob diese verletzt wurden. Zum ersten Mal kann Marisa ein Erlebnis danach jedoch nicht von sich abstreifen. Sie weiß, sie hat eine Grenze überschritten. Ihre radikale Weltsicht, in der klar war, wer die Guten und wer die Bösen sind, beginnt zu bröckeln. Und schließlich ist es die überraschende, zarte Freundschaft zu einem der ausländischen Männer (Sayed Ahmad Wasil Mrowat), die Marisa zu einer Entscheidung zwingt. Doch für einen Ausweg und einen Neuanfang muss sie hart kämpfen.
Das Gesicht der rechten Szene ist traditionell ein männliches. Wenn wir an Neonazis denken, sehen wir rasierte Schädel, Bomberjacken und Springerstiefel vor uns. Mit "Kriegerin" zeichnet Drehbuchautor und Regisseur David Wnendt ("Kleine Lichter") jedoch ein weibliches Bild dieser menschenverachtenden Ideologie. Dabei gibt er uns nicht nur einen authentischen Einblick in die Szene einer ostdeutschen Kleinstadt, sondern, mit Alina Levshin ("Krankheit der Jugend") in der Hauptrolle, auch in die Gefühlswelt einer jungen Frau, deren Weltbild zum ersten Mal in ihrem Leben ins Wanken gerät. Nicht umsonst wurde der Film bereits mit zahlreichen Preisen und lobenden Kritiken überhäuft. Er ist eindringlich, emotional aufrüttelnd - und wichtig!
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