07.09.2011, 10:56 Uhr
Da Marcel Marx (André Wilms) einen afrikanischen Flüchtlingsjungen versteckt, muss er sich von Kommissar Monet (Jean-Pierre Darroussin) unangenehme Fragen gefallen lassen. (Foto: Pandora)
Der gescheiterte Literat Marcel (André Wilms) und seine Frau Arletty Marx (Kati Outinen) sind von Paris in die Hafenstadt Le Havre gezogen. Hier verdient der Bohemien den Unterhalt für sich und seine Gattin als Schuhputzer. Die Arbeit bringt zwar wenig ein, dennoch sind Marcel und Arletty zufrieden und sie genießen mit Hündin Laika den Lebensabend in ihrem kleinen Haus. Bei einem seiner regelmäßigen Besuche seiner Stammkneipe lernt Marcel den illegalen Flüchtlingsjungen Idrissa (Blondin Miguel) kennen, der sich in einem Container vor der Einwanderungsbehörde versteckt. Kurz entschlossen quartiert der alte Mann den verstörten Jungen bei sich zuhause ein.
Arletty, die sich im Laufe vieler Jahre an die spontanen Aktionen ihres Mannes gewöhnt hat, macht auch jetzt nicht viele Worte. Im Gegenteil: Sie, die um die Hilflosigkeit ihres Mannes im Alltag weiß, verschweigt sogar ihre Krebserkrankung, um den nie richtig erwachsen gewordenen Marcel nicht zu belasten. Und fast scheint es, als wolle eine höhere Macht das menschliche Engagement dieser beiden unvollkommenen Idealisten belohnen. Nicht nur die gesamte Nachbarschaft hilft Marcel dabei, den Jungen nach London zu seiner Mutter zu bringen, selbst der Kommissar (Jean-Pierre Darroussin), der mit der Suche nach den Illegalen beauftragt ist, zeigt sein Herz für den verängstigten Jungen. Und die gemeinsamen Bemühungen tragen Früchte. Idrissa gelangt glücklich nach London und Arletty besiegt den Krebs.
Der finnische Regisseur Aki Kaurismäki ("I Hired A Contract Killer") wurde mit seinen herrlich absurden Filmen, die durch lakonische Kargheit geprägt waren, beim Publikum mit gehobenen Ansprüchen an cineastische Unterhaltung berühmt. Seit einiger Zeit überrascht jedoch ein ungewohnt versöhnlich gestimmter Kaurismäki, der zwar seinen Biss bezüglich brisanter Themen nicht verloren hat, diese aber nunmehr mit glücklichem Ausgang abschließen lässt. Auch "Le Havre" ist von der Struktur eine märchenhafte Erzählung, bei der die "Guten" am Ende sogar doppelt belohnt werden. Dennoch ist in der Tragikomödie keine Spur von Schönfärberei oder gar Übertünchung der Misere illegaler Flüchtlinge in Europa zu sehen. Vielmehr leuchtet das leidenschaftliche Plädoyer für moralische Verantwortung ganz ungefiltert aus eben dieser simplen Erzählstruktur. Ein höchst poetischer Appell!
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