31.08.2011, 13:02 Uhr
Rudi (Georg Friedrich) und Victor (Moritz Bleibtreu) sind wie Brüder. Doch mit der Freundschaft ist es bald vorbei, als Rudi seine Arbeiterkluft gegen die SS-Uniform tauscht. Denn Victor ist Jude. (Foto: Neue Visionen)
Rudi (Georg Friedrich) wuchs als Kind der Haushälterin in der jüdischen Galeristenfamilie Kaufmann in Wien auf. Im gleichen Alter wie deren Sohn Victor (Moritz Bleibtreu), wurde der Dienstbotenjungen eher wie ein Familienmitglied behandelt. Auch im Erwachsenenalter blieb das Verhältnis lange Zeit freundschaftlich-brüderlich. Als dann noch Lena (Ursula Strauss) dazukommt, die hübsche und schlagfertige Freundin Victors, wird sie bald die dritte im Bund. Doch der schöne Schein vom unzertrennlichen Kleeblatt trügt: Insgeheim ist der einfache Arbeiter Rudi schon lange neidisch auf den Freund. Nicht nur dessen Wohlstand, viel mehr noch die attraktive Freundin, weckt in ihm finstere Begehrlichkeit.
Als die nationalsozialistische Gesinnung auch zunehmend in Österreich populär wird und dort zur Staatsmacht greift, sieht Rudi seine Sternstunde. Als SS-Scherge wird er endlich den Freund seiner Kindheit dominieren. Seine erste Amtshandlung ist der infame Verrat an der Galeristenfamilie an seine neuen Kumpane: Angeblich besitzen die Kaufmanns einen echten Michelangelo. Nun soll er das Kunstwerk umgehend herbeischaffen, da die Führung plant, mit dem Bild als Geschenk den unberechenbaren Bündnispartner Mussolini zu binden. Rudi beschlagnahmt das begehrte Gut, schickt die Kaufmanns ins KZ und verlobt sich mit Lena. Leider ist ihm bei der Diebstahlaktion ein Fehler unterlaufen, denn er hat statt des Originals eine von zwei Fälschungen mitgenommen. Die Italiener sind düpiert und um das diplomatische Desaster wieder auszubügeln, wird Rudi losgeschickt, um Victor aus dem KZ nach Berlin zum Verhör einzubestellen. Auf dem Weg stürzt der Flieger mit den beiden ehemaligen Freunden ab und Rudi wird verletzt. Victor zieht ihm kurzerhand die braune Uniform aus und gibt sich in Berlin als Rudi aus. Aber auch Lena ist schon auf dem Weg zum Hauptquartier. Die Jagd nach dem Michelangelo ist eröffnet...
Mit "Mein bester Feind" inszenierte Wolfgang Murnberger ("Komm, süßer Tod") ein spannendes Katz- und Mausspiel, das im Wien der Naziära angesiedelt ist. Gekonnt wie ein Meisterdieb verwischt Murnberger in seinem verwickelten Plot nicht nur die Spur nach der Beute, er geht auch künstlerisch einen Schritt weiter: Jede Zuordnung zu einem klassischen Filmgenre ist zum Scheitern verurteilt. So wird die Illusion von Schein und Sein konsequent zur Posse erhoben. Als ehemalige beste Freunde tricksen sich Moritz Bleitreu ("Goethe!") und Georg Friedrich ("Parkour") gegenseitig in einem kopflastigen Duell aus. Eine Schnurre mit tiefgründigem Witz!
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