18.01.2012, 13:31 Uhr
Dafür dass sich Patrick (Benoît Poelvoorde) und die feine Agathe (Isabelle Huppert) am Anfang nicht ausstehen konnten, verstehen sie sich jetzt um so besser. (Foto: Concorde)
Agathe (Isabelle Huppert) ist zufrieden, wie es ist. Gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten, dem Verleger François (André Dussollier), und Sohn Adrien (Donatien Suner) lebt die standesbewusste Chefin einer Kunstgalerie in exklusiver Lage am Jardin du Luxembourg. Alles perfekt, zumindest optisch. Doch trotz soviel kultivierter Vornehmheit und fundiertem Bildungshintergrund: man hat sich nichts mehr zu sagen. Der Umgangston ist reichlich unterkühlt, das Schlafzimmer Permafrostregion. Durch die Sorge um den Sohn, dem das Gymnasium zu schaffen macht, haben Agathe und François gottlob genug Ablenkung von ihrer eigenen Misere. Bei den regelmäßig besuchten Sprechtagen der Schule trifft Agathe in Form von Patrick (Benôit Poelvoorde), dessen Sohn dort ebenfalls Schüler ist, auf ein ganz anderes Kaliber Mensch. Nichts an diesem lauten Kerl zeugt von vornehmer Zurückhaltung bei seiner lautstarken Fürsprache für den Sohn. Definitiv zu vulgär, um Bekanntschaft zu schließen...
Leider steht dieser unsägliche Primitivling schon am nächsten Tag vor der vornehmen Haustür, um seinen Sohn Tony (Corentin Devroey) abzuholen, der nämlich zufällig der beste Freund des eigenen Sprösslings ist. Zu Agathes Entsetzen bittet ihr Lebensgefährte den Mann auch noch in ihre Wohnung. Die beiden Männer verstehen sich prächtig, haben sich allerhand zu erzählen und als Krönung beauftragt François seinen neuen besten Kumpel, der sich als Allroundhandwerker versteht, auch noch mit der Renovierung des Ankleidezimmers von Madame. Damit indes sind die gegenseitigen Ein- und Übergriffe in das Leben der so gegensätzlich veranlagten Parteien noch lange nicht beendet. Zähneknirschend schluckt Agathe die Rüpeleien, denen sie sich bald im eigenen Haushalt ausgesetzt fühlt. Aber mit der Zähigkeit im Nehmen hat es ein abruptes Ende, als die Affäre ihres Mannes mit einem Dienstmädchen ans Licht kommt. Und ausgerechnet der Kerl, der scheinbar ihr ganzes wohlgeordnetes Dasein allein durch seine Existenz in ein chaotisches Trümmerfeld verwandelt hat, ist eigentlich der einzige Mensch, der sich um sie sorgt.
"Mein liebster Alptraum" ist ein schnurrig erzähltes Juwelchen an Humor, der menschliche Eitelkeiten etwas bösartig, vor allem aber auch mit der Wärme echten Verständnisses wiederzuspiegeln versteht. Anne Fontaine ("Coco Chanel - Der Beginn einer Leidenschaft") ribbelt von dem eher zufälligen Berührungspunkt, den ihre herrlich überzeichneten Charaktere gemeinsam haben, kurz und schmerzhaft ganz nebenbei einen kompletten Lebensentwurf zu einem verhedderten Knäuel loser Fäden auseinander. Isabelle Huppert, Benôit Poelvoorde und André Dussollier rasen hilflos durch das Karussell ihres Lebens und spiegeln ihre Wertvorstellungen als Klischeeprodukt. Dabei zuzuschauen, wie drei der größten Schauspieler Frankreichs ihre aus den Fugen geratenen Figuren lamentieren, schwadronieren und - natürlich - leiden lassen, macht schon Spaß!
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