14.09.2011, 09:44 Uhr
France (Karin Viard) arbeitet als Putzfrau eines Börsenhais (Gilles Lellouche) in Paris. (Foto: Kinowelt)
France (Karin Viard) lebt und arbeitet seit 20 Jahren in Dünkirchen, einer Industriestadt im Norden Frankreichs. Mit ihrem Job in einer Fabrik verdient die geschiedene Mutter dreier Kinder das tägliche Brot für die Familie. Doch als die Firma von einem Tag auf den anderen schließt und 1200 Arbeiter ihre Stellen verlieren, verlässt die patente Frau von Jetzt auf Gleich der Lebensmut. Am Geburtstagstag ihrer kleinen Nichte schluckt sie eine Überdosis Schlaftabletten, wird aber rechtzeitig gefunden, sodass die Ärzte sie retten können. Während ihre Familie völlig verstört auf den Selbstmordversuch reagiert, überrascht die entlassene Patientin mit ihrer wieder gefundenen Stärke und dem unbändigem Willen, ihr Leben neu, und diesmal besser, in die Hand zu nehmen.
Zunächst einmal plant sie, ihre Heimat zu verlassen, um ausgerechnet in Paris einen Neustart zu wagen. Mit unglaublicher Zähigkeit hält sie an ihren Plänen fest und schon bald zahlt sich die Beharrlichkeit aus: Sie absolviert eine Blitzausbildung zur Reinigungskraft bei Ahmed (Zinedine Soualem), dem Vater eines Bekannten, der einen Putzfrauen-Service betreibt und findet sogar auf Anhieb eine Stelle. Ihr neuer Chef Stéphane (Gilles Lellouche) ist ein gerissener Spekulant, der sich - um seinen amerikanischen Geschäftsstil zu betonen - am liebsten nur Steve nennt. Neben skrupellosen Geschäften hat der Börsenhai auch ein Faible für attraktive und erheblich jüngere Geliebte. Ihn trennen Welten von seiner bodenständigen Putzfrau, dennoch schätzt er ihre unbestechliche Sichtweise der Dinge. Über kurz oder lange kommen sich die beiden so gegensätzlichen Menschen nahe, besonders als Alban (Lunis Sakij), der kleine Sohn des Geschäftsmannes, eine Weile bei seinem Vater lebt. Das Glück ist für France und Steve schon zum Greifen nahe, als France eine schockierende Tatsache erfährt. Ausgerechnet der Mann, dem sie ihr Herz öffnete, ist für die schmutzige Abwicklung der Fabrik in Dünkirchen verantwortlich, in der sie so lange tätig war.
Cédric Klapisch ist der Filmemacher der kleinen Leute mit ihren typischen Sorgen. Mit viel Herz für seine Helden stellt er deren Leben auf den Kopf und ist bereits mit seinem Debüt "Kleine Fische, große Fische" zu einem echten Geheimtipp für die Liebhaber komplexer Filmkostbarkeiten geworden. Auch sein neues Drama "Mein Stück vom Kuchen" erhebt das Alltägliche zum Gegenstand intensiver Betrachtung, um dann gekonnt einen unerwarteten Haken zu schlagen. Diesmal stehen sich zwei Menschen aus völlig verschiedenen Gesellschaftsschichten gegenüber, die durch den intensiven Dialog miteinander die Brücken der Gegensätzlichkeiten überwinden, um sich dann umso endgültiger voneinander zu entfremden. Ganz bewusst stehen diese zwei Charaktere im Fokus, sodass die Umsetzung ihrer Persönlichkeit hohe Ansprüche an Karin Viard ("Nichts zu verzollen") und Gilles Lellouche ("Kleine wahre Lügen") stellt, denen sie sich souverän gewachsen zeigen. Ganz eindeutig ein kleines Juwel in einer Umsetzung mit hohem ästhetischem Niveau.
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