21.09.2011, 10:53 Uhr
Der Amerikaner Gil (Owen Wilson) verbringt mit seiner Verlobten Inez (Rachel McAdams) seinen Urlaub in Paris. (Foto: Concorde)
Gil (Owen Wilson) schwebt im siebten Himmel. Gemeinsam mit seiner Verlobten Inez (Rachel Mc Adams) ist er von ihrem Vater John (Kurt Fuller) nach Paris eingeladen worden, in die Stadt, von der er schon in seiner Jugend schwärmte. Der amerikanische Drehbuchautor denkt hierbei an berühmte Persönlichkeiten wie Hemingway, Fitzgerald oder auch Gertrude Stein, die in den 20er Jahren in der Metropole an der Seine die dortige Künstlerszene repräsentierten. Nur zu gerne hätte der mit seinen Hollywoodproduktionen erfolgreiche Texter zu dieser bedeutenden Zeit gelebt, die Kultur- und Gedankenwelt ein Stück weit mitgetragen. Kein Wunder, dass im Zuge der Europareise sein Traum, als ernst zu nehmender Schriftsteller zu brillieren, wieder neue Nahrung erhält. Bedauerlicherweise hält seine Inez, die Tochter aus wohlhabendem Elternhaus, dies für blanke Spinnerei.
Schon die Ankunft in Paris entpuppt sich als herbe Enttäuschung. Anstelle der künstlerischen Inspiration erwartet Gil eine schier endlose Folge von Treffen in den Eliterestaurants der Stadt, in denen sein Schwiegervater ohne Pause über Politik schwadroniert. Dann begegnen sie auch noch dem Engländer Paul (Michael Sheen), einem Jugendschwarm von Inez, und dessen Frau Carol (Nina Arianda). Von da an gestaltet sich der heißersehnte Frankreichtrip für Gil zum Desaster. Nicht nur, dass der intellektuelle Brite unverhohlen mit seiner Verlobten flirtet, er ist zudem auch noch ein besserwisserischer Aufschneider allererster Güte. Mit Paul im Schlepptau gerät jeder Museumsbesuch, jede Besichtigungstour, jeder noch so kleine Hauch von Hoffnung, ein bisschen Künstlerluft zu atmen, zu einem peinlichen Desaster. Als der ewige Beckmesser dann sogar einen Streit mit einer Museumsführerin (Carla Bruni) über die Werke Rodins vom Zaun bricht, hat Gil die Nase endgültig voll. Als die Truppe abends noch tanzen gehen will, verabschiedet er sich und begibt sich allein auf Entdeckungstour durch das nächtliche Paris. Was ihn aber dort auf den dunklen Straßen erwartet, hätte sich Gil in seinen kühnsten Träumen nicht ausmalen können.
Mit 75 Jahren und nach 41 Regiearbeiten denkt Woody Allen noch lange nicht an Ruhestand. Der für seinen heiter bis melancholischen Blick auf das absonderliche Verhalten unzufriedener Erwachsener berühmte Filmemacher bleibt weiterhin im Rennen. Sein neuster Beitrag "Midnight in Paris", der das 64. Festival de Cannes eröffnete, wurde vom Publikum frenetisch gefeiert und trat in den Kinos von Nordamerika einen triumphalen Siegeszug an. Mittlerweile gilt das Großstadtmärchen über einen Künstler, der für sich den Sinn des Lebens neu definieren muss, als aussichtsreicher Kandidat, der erfolgreichste Film in der Karriere Woody Allens zu werden. Mit viel Gefühl werden die Schieflagen des Lebens von Stars wie Owen Wilson ("Meine Frau, ihre Kinder und ich"), Rachel McAdams ("Sherlock Holmes") und Kathy Bates ("Titanic") in Szene gesetzt. Carla Bruni überrascht mit einem gelungenen Kurzauftritt. Leiser ist es also gewiss noch lange nicht um den humorbegabten Spötter geworden, allenfalls klingt er eine Spur versöhnlicher: Der Trip nach Paris zeigt sich als romantisches Märchen voller Fantasie.
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