02.11.2011, 14:25 Uhr
Monsieur Joubert (Fabrice Lucchini) ist von seiner neuen Haushaltshilfe Maria (Natalia Verbeke) begeistert. Endlich bekommt er sein perfektes Frühstücksei. (Foto: Concorde)
Der Börsenmakler Jean-Louis Joubert (Fabrice Luchini) hat es manchmal nicht leicht: Da rackert er sich Tag für Tag auf der Arbeit ab, bietet seiner Gattin Suzanne (Sandrine Kiberlain) ein standesgemäßes Luxusleben in einer feudalen Stadtwohnung in erstklassiger Pariser Wohnlage, selbstverständlich mit fachkräftigem Personal - und er bekommt noch nicht einmal ein Frühstücksei nach seinen Wünschen als Dank. Solche Dinge gehen dem ansonsten so friedfertigen und anspruchslosen Hausherrn schlicht über seinen Horizont. Dass er nur das zufällige Opfer eines schon länger schwelenden Kleinkriegs zwischen dem Hausmädchen Germaine (Michèle Gleizer) und "Madame" ist, tröstet ihn nur wenig. Noch schlimmer allerdings wird es, als Germaine kündigt und "Monsieur" sich vorerst sein Frühstück ganz alleine machen darf.
Suzanne setzt sich in ihrer Not mit den anderen Frauen "von Stand" in Verbindung. Da sie eigentlich vom Land stammt, ist sie in Fragen der bürgerlichen Haushaltsführung zu unsicher. Die Damen raten ihr, ihr Glück mit spanischen Dienstmädchen zu probieren, die wären fleißig, sauber und genössen einen guten Ruf. So kommt das Mädchen Maria (Natalia Verbeke) in den Joubert'schen Haushalt. Wie alle Dienstmädchen wohnt sie in einem winzigen, spartanischen Dachzimmer im 6. Stock. Maria erweist sich für den Haushalt als wahre Perle, und - weil sie so nett ist - hilft Monsieur ihr eines Tages höchstpersönlich, ein paar Dinge auf den Speicher zu bringen. Dabei macht Joubert eine erstaunliche Entdeckung. Die winzigen Dienstbotenzimmerchen sind wahre Oasen des Lachens, der Geselligkeit und der Harmonie, kurz: ein Paradies auf Erden! Immer öfter zieht es nun den Hausherrn in dieses lang verborgene Refugium, immer weiter entfernt er sich dabei von seiner früheren Welt. Seine Gattin wittert Betrug und setzt ihn vor die Tür. Also zieht Joubert nun ganz in die obere Etage und fühlt sich dabei wohl wie nie zuvor. Er verkauft seine Firma und will ein ganz neues Leben beginnen...
Warmherzig und mit einem Augenzwinkern erzählt Philippe le Guay eine gut pointierte Milieukomödie aus dem Pariser Bürgertum in den 60er Jahren und führt dabei die herrschenden Dünkel der Bourgeoisie ad absurdum. Kaum vorstellbar, dass nur knapp 50 Jahre vergangen sein sollen, seit derart krude Gesellschaftsstrukturen zwischen Personal und Arbeitgeber völlig normal waren. In herrlich komischen Alltagsbeobachtungen drückt sich die Sehnsucht des liebenswerten Emporkömmlings Joubert nach den einfachen Dingen des Lebens aus, der von einer zutiefst verunsicherten spröden Gattin gegängelt wird, die unbedingt zur "feinen Gesellschaft" gehören möchte. Fabrice Luchini und Sandrine Kiberlain liefern sich herrlich komische Verfolgungsjagden durch die Hierarchien und Etagen eines "anständigen" Bürgerhauses. Das ist Kulturclash mit Humor, Nostalgie und Herz zugleich.
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