08.09.2010, 11:46 Uhr
Mousse (Isabelle Carré) ist von Pauls (Louis-Ronan Choisy) Wärme beeindruckt und trifft wegen ihm eine weitreichende Entscheidung... (Foto: Arsenal)
Mouse (Isabelle Carré) und Louis (Melvil Poupaud) könnten ein erfülltes und glückliches Leben führen - das junge Paar ist schön, reich und sehr verliebt - wenn da nicht ihre Sucht wäre. Beide sind drogensüchtig und machen während ihrer Beziehung die klassische Karriere aller Junkies durch. Bald haben auch sie den Tiefpunkt erreicht, an dem ihr ganzes Leben nur noch um den Konsum und die Beschaffung der Drogen kreist. Als ihnen ihr Dasein nicht mehr lebenswert erscheint, wollen sie gemeinsam sterben. Sie setzen sich beide eine Überdosis...
Mousse und Louis werden kurze Zeit später gefunden und in die Notaufnahme einer Klinik gebracht. Es gelingt den Ärzten, Mousse zu reanimieren, aber Louis stirbt. Als die junge Frau erwacht, wird sie mit zwei Neuigkeiten konfrontiert: ihr Freund ist an den Folgen der Überdosis gestorben und sie selber ist im zweiten Monat schwanger. Louis' Eltern drängen auf eine Abtreibung, doch Mousse ist dazu nicht bereit, da das Baby für sie bedeutet, dass ein Teil ihrer großen Liebe in ihr weiterlebt. Um sich Klarheit über ihre Gefühle und ihre Zukunft zu verschaffen, zieht sie sich in das Haus eines Bekannten am Meer zurück. In der Abgeschiedenheit beginnt sie, in sich und ihre durch den Drogenmissbrauch deformierte Gefühlswelt hineinzuhorchen. Da erhält sie unerwarteten Besuch: Louis' Bruder, der homosexuelle Paul (Louis-Ronan Choisy), steht vor der Tür. Dem jungen und sensiblen Mann gelingt es, das Vertrauen von Mousse zu erringen. Sie erzählt ihm von ihren Zweifeln und er bestärkt die junge Frau letztendlich, die Mutterschaft zu wagen. Als die kleine Louise zur Welt kommt, fasst Mousse einen überraschenden Entschluss...
Regisseur François Ozon liebt die Widersprüche - sowohl die der menschlichen Seele, als auch die in der Auswahl der Stoffe für seine Filme. Mal sorgt er mit haarsträubenden Komödien à la "8 Frauen" für Lachsalven, ein anderes Mal lässt er den Zuschauer mit seiner Beklemmung ringen, indem er eindringlich die Abgründe der menschlichen Seele auslotet, wie bei der Fassbinder-Adaption "Tropfen auf heiße Steine". In seinem neuesten Werk "Rückkehr ans Meer" zeigt er das innerliche Ringen einer ehemaligen Drogensüchtigen um ihre verlorene Gefühlswelt. Isabelle Carré zeigt eine große schauspielerische Leistung: selber schwanger, gelingt ihr nicht desto trotz der kräftezehrende Akt, die ziellose Trauer und die emotionale Distanz der drogengeschädigten werdenden Mutter zu spielen. Viel Einfühlungsvermögen bewies auch Sänger Louis-Ronan Choisy. Er besetzte die zweite Hauptrolle als Louis' homosexueller Bruder Paul und komponierte darüber hinaus auch ein Lied für den Film. Dass der Film trotz szenischer Überlängen nicht in Langeweile verebbt, verdankt er der großen Intensität, mit der die Hauptdarsteller die komplexen, teils paradoxen Charaktere ausloten.
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