21.12.2010, 16:39 Uhr
Konrad (Gérard Depardieu) besucht Thomas (Niels Arestrup), seinen ehemaligen Spielgefährten aus Kindertagen. (Foto: Majestic)
Das Leben des 60-jährigen Konrad Lang (Gérard Depardieu) ist seit seiner Kindheit eng mit dem der Großindustriellenfamilie Senn verwoben. Als Kind einer ehemaligen Hausangestellten, die nach Amerika auswanderte, wurde er von dem inzwischen verstorbenen Familienoberhaupt Arthur Senn gemeinsam mit Sohn Thomas (Niels Arestrup) aufgezogen. Seit einiger Zeit fungiert Konrad als Hausmeister, der sich um das Feriendomizil der Senns kümmert. Eines Tages passiert ihm beim Anfeuern des Kamins ein folgenschweres Missgeschick und das Gebäude fällt den Flammen zum Opfer. Zutiefst erschrocken macht der einstige Ziehsohn sich auf den Weg zu "seiner" Familie, die sich vor einigen Jahren von ihm distanzierte, um die unbeabsichtigte Brandstiftung zu melden. Dabei gerät er unversehens in die Hochzeitsfeierlichkeiten von Thomas' Sohn Philippe (Yannick Renier) mit der hübschen Simone (Alexandra Maria Lara).
Als der offensichtlich völlig außer sich geratene Konrad in die distinguierte Gesellschaft platzt, erregen sein derangiertes Aussehen und seine wirren Äußerungen die unwillige Aufmerksamkeit. Elvira Senn (Françoise Fabian), die zweite Frau des verstorbenen Magnaten, stellt ihn dafür in Thomas' Beisein zur Rede. Bei seiner Beichte wird offensichtlich, dass der stammelnde Sünder ein ausgezeichnetes Erinnerungsvermögen an die mit Thomas verbrachte Kindheit besitzt. Scheinbar von Mitleid getrieben, nimmt die matriarchalische Elvira Konrad vorerst in das Haus der Familie auf. Nach und nach wird der ungebetene Gast allerdings zu einer Belastungsprobe ungeahnten Ausmaßes, denn Konrad zeigt alle Anzeichen einer klassischen Altersdemenz: während es ihm zusehends schwerer fällt, sich im Alltag zurechtzufinden, treten seine Kindheitserlebnisse immer klarer und detaillierter in sein Gedächtnis. Und von diesem Wissen scheint eine große Gefahr auszugehen...
Der subtile und leise inszenierte Krimi "Small World", den Bruno Chiche ("Hell") nach seinem eigenen Drehbuch inszenierte, basiert auf dem überaus erfolgreichen Romandebüt von Bestsellerautor Martin Suter ("Lila, Lila"). In Frankreich sahen mehr als 3 Millionen Zuschauer die sich in bester Hitchcockmanier entfaltende Geschichte um ein dunkles Familiengeheimnis. Die bis in die Nebenrollen ausgezeichnet besetzte Verfilmung - Gérard Depardieu ("Cyrano von Bergerac") spielt die Charakterrolle des Konrad Lang, der sich zusehends in seiner Demenzkrankheit verliert, wobei er von Françoise Fabian ("Ein glückliches Jahr") und ihrer Familie offensichtlich manipuliert wird - besticht mit einem kunstvoll gestrickten und hintergründigem Plot. Ähnlich wie bei einer Parabel lässt sich eine tiefer liegende Bedeutung zu einem Thema erahnen, das in der heutigen Zeit immer mehr an Brisanz gewinnt: unser Verhältnis und unser Bezug zur Vergangenheit. Ein gelungener Coup zum Miträtseln, -leiden und -philosophieren mit viel Tiefgang.
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