07.09.2011, 10:51 Uhr
Die österreichischen "Mülltaucher" Gerhard und Robert retten einwandfreie Nahrungsmittel aus den Abfallcontainern der Supermärkte. Sie wollen damit ein Zeichen setzen. (Foto: W-film)
Jeden Tag bekommen die Kunden in Europas Supermärkten ein breitgefächertes Sortiment an Lebensmitteln für den täglichen Bedarf angeboten. Dem Anspruch der Verbraucher auf Vielfalt und Frische bei der täglichen Ernährung wird Folge geleistet. Doch die Konsequenzen dieser Einkaufspolitik erfüllen zwar hygienische und optische Erwartungen auf Höchstniveau, global betrachtet verursacht diese Überfülle in den heimischen Regalen eine Kette von schädlichen Auswirkungen auf die Umwelt und die Menschen in den hungernden Teilen der Erde. Selbst die vielfach als "Gutmenschen" betrachteten Biobauern drehen kräftig mit an der Konsumspirale.
Schon bevor die produzierten Lebensmittel überhaupt in den Handel gelangen, dezimiert sich der Ist-Bestand auf knappe 50%. Denn so viele Kartoffeln, Tomaten, Gurken und andere landwirtschaftliche Erzeugnisse bestehen nicht die hohen Soll-Anforderungen. Da ist das Rot nicht ausgeprägt genug, dort hat ein Apfel nicht das Mindestgewicht erreicht, dann wieder ist eine Kartoffel zu klein, zu groß oder schlicht nicht schälfreundlich in der Form. Ein Fall für den Komposthaufen oder die Müllverbrennungsanlage. Die Großabnehmer machen mit bei der Auslese: Was beim Verbraucher nicht "geht", landet, nicht selten noch in der Originalverpackung, in der großen Tonne am Hintereingang. Schlussendlich trägt dann der Kunde in seinen Einkaufstaschen Waren für seinen Gebrauch nach Hause, von denen auch er wieder aus unterschiedlichen Gründen einen Teil im heimischen Abfalleimer entsorgt. Doch dieser unachtsame Umgang mit Essen hat massive Konsequenzen: Die Preise auf dem Weltmarkt steigen immer weiter, da das Preisniveau sich an der Nachfrage orientiert, nicht an dem tatsächlichen Nutzen eines Gutes. Brot wird für die hungernde Weltbevölkerung unerschwinglich!
Zahlen, die alarmieren, Fakten, die mehr als nachdenklich machen. Mit "Taste the Waste" macht sich Regisseur und Autor Valentin Thurn auf die Spurensuche eines mit dem gesunden Menschenverstand kaum fassbaren Phänomens. In Gesprächen mit Landwirten, Großhändlern und Verbrauchern deckt der Dokumentarfilmer mit der Vorliebe für dunkle Machenschaften vor der eigenen Haustür schockierende Tatsachen auf und stellt Zusammenhänge her, die nach Klärung verlangen. Ohne Sensationshascherei zeigen alleine die nüchternen Tatsachen, dass im großen Geschäft um die Welternährung etwas ganz stark im Argen liegt. Keine gefällige Kost, aber eine gesunde Portion Kritik am Verhalten unserer Wohlstandsgesellschaft.
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