22.06.2011, 15:45 Uhr | CK
In "Tatort - Im Abseits" wird Fußballtalent Fadime Gülüc (Filiz Koc) ermordet. (Foto: SWR/Krause-Burberg)
Der Ludwigshafener "Tatort - Im Abseits" war definitiv nichts für Fußballmuffel: Denn alles drehte sich in diesem Krimi ums Runde, das ins Eckige muss. "Nanu", denken Sie nun vielleicht. "Gab es das nicht erst neulich?" Richtig: Im März ermittelte Kommissarin Lindholm in "Mord in der ersten Liga" bei Hannover 96 und deckte dabei die Probleme homosexueller Profi-Fußballer auf. Der gestrige Ludwigshafener "Tatort" beschäftigte sich mit einem völlig anderen Thema, das bei vielen konservativen Fans aber fast annähernd so verpönt ist wie schwule Kicker: dem Frauenfußball.
"Ich sehe jeden Tag genug Leid, Elend und Verzweiflung, da brauch ich mir das nicht auch noch anzutun", antwortet Kommissar Kopper (Andreas Hoppe) in einer Szene auf die Frage seiner Kollegin Lena Odenthal (Ulrike Folkerts), ob er überhaupt schon einmal ein Frauenfußballspiel angeschaut habe. Eine Ansicht, die leider viele andere - zumeist männliche - Fußballfans teilen. Pünktlich eine Woche vor WM-Start am 26. Juni rührte die ARD deshalb noch einmal kräftig die Werbetrommel für die kickenden Damen - mit tatkräftiger Unterstützung vonseiten höchster Fußballprominenz. Nicht nur DFB-Präsident Theo Zwanziger, der die Idee zu dem Krimi gehabt hatte, war in diesem "Tatort" zu sehen, sondern auch Jogi Löw, Oliver Bierhoff, Steffi Jones und die gesamte deutsche Nationalmannschaft der Frauen. "Das ist die Chance, den Frauenfußball einem Millionenpublikum näher zu bringen", freute Theo Zwanziger sich schon vor Monaten in einem Interview mit dem SWR.
Doch so löblich der Einsatz für die Fußballfrauen auch war: Handlung und Spannung des Krimis blieben dabei leider manchmal auf der Strecke. Denn "Im Abseits" war zu sehr darauf bedacht, die Vorurteile gegenüber Fußballfrauen ("Für die meisten Männer sind wir sowieso keine richtigen Frauen, sondern Kampflesben") und den harten Alltag der Bundesligistinnen aufzudecken, die im Gegensatz zu ihren männlichen Kollegen nur selten vom Fußball leben können. Der Mordfall an der aufstrebenden jungen Stürmerin Fadime Güluc (Filiz Koc), Star des FC Eppheim, geriet da gelegentlich zur Nebensache.
Dabei mangelte es nicht an Verdächtigen. Ob Fadimes Teamkollegin Sonja Tossik (Pheline Roggan), die neidisch auf ihren Erfolg war, ihr Verlobter Tobias Freitag (Constantin von Jascheroff), der ständig wegen des Sports zurückstecken musste, oder ihr Vereinsmanager und Förderer Klaus Meingast (Bernd Gnann), dem ihre Pläne, zum Saisonende den Verein zu verlassen, gar nicht gefielen - fast jeder hatte in diesem "Tatort" ein Motiv. Auch Fadimes muslimische Eltern, die - "Kick it like Beckham" lässt grüßen - ein Problem mit dem untraditionellen Lebensweg ihrer Tochter hatten.
Bei so vielen Figuren und dem gleichzeitigen Auftrag, die Werbetrommel für den Frauenfußball zu rühren, war es wohl kaum zu verhindern, dass die meisten der Charaktere flach und farblos blieben. Bernd Gnann als eiskalter Vereinsmanager, dem es nur ums Geld geht, war einfach zu klischeehaft, Siir Eloglu hingegen kaufte man nicht so recht die erzkonservative Muslimin ab, die fürchtet, der Tod ihrer Tochter sei eine Strafe Allahs. Der einzige, der in diesem "Tatort" wirklich brillierte, war Michael Lott. Der spielte den recht simpel gestrickten Platzwart Steffen Rennert, der mit Leib und Seele am FC Eppheim hängt und dem Verein sein ganzes Leben opfert.
Umso unglücklicher deshalb, dass ausgerechnet der sympathische Platzwart als Mörder herhalten musste: Er tötete Fadime, weil sie in die USA wechseln wollte, statt Rennerts geliebtem Verein treu zu bleiben. Ausgerechnet die Fußballleidenschaft als Mordmotiv: Keine gute Idee für einen "Tatort", der eben diese Liebe zum Frauenfußball wecken wollte. Doch auch wenn "Im Abseits" einige Schwachstellen hatte: Insgesamt bot er solide und unterhaltsame Krimikost und schaffte es sogar trotz des stets erhobenen Zeigefingers gelegentlich, wirklich Lust auf die kommende WM zu machen. Theo Zwanziger und Co. können sich also freuen: Sie haben ihr Ziel erreicht!
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Quelle: CK , t-online.de
Andy schrieb:
am 22. Juni 2011 um 12:24:42
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Tatort gestern und heute
Ich hatte letzte Woche seit Ewigkeiten durch Zufall wieder einmal einen Tatort (mit Thomalla) angesehen. War echt
begeistert und dachte mir so, ok, kann man ja mal als Sonntagsritual wieder einführen. Ganz großer Fehler meiner einer. Die Tatort WM-Folge war wirklich ein Reinfall
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Kalle schrieb:
am 22. Juni 2011 um 11:21:45
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Tatort
Im Grunde genommen wurden unsere sauer verdienten GEZ-Euros für einen
emtrem schlechten Dauerwerbefilm verprasst. Man kann nur
vermuten, dass
die ARD-Leute bzw. Tatort-Macher in das DFB-Schleimbecken, hoffentlich
nur aus versehen, reingefallen sind und wie viele andere sich selbst nicht
mehr rausziehen konnten. Wer Frauen-/Männer-Fußball mag, lässt sich be-
stimmt nicht durch so einen blöden Tatort davon abhalten, gerade die Frauen-WM sich vermiesen zu lassen. Drum allen viel Spass dabei!
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janni schrieb:
am 20. Juni 2011 um 16:28:21
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tatort
Gott war der schlecht...Man versteht den Kommentator nicht: Die schärfsten Folgen mäkelt er in Grund und Boden, um hier solide
Unterhaltung oder wogar noch einen Hauch von Spannung zu entdecken.
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