28.12.2011, 14:00 Uhr
Der junge Polit-Berater Stephen Meyers (Ryan Gosling) kämpft voller Überzeugung für den charismatischen Gouverneur Mike Morris (George Clooney), dem gute Chancen auf die nächste US-Präsidentschaft eingeräumt werden. (Foto: Tobis)
Stephen Meyers (Ryan Gosling) ist das, was die Amerikaner als "good guy" bezeichnen, wenn sie über die Integrität von Karrieremenschen urteilen. Als politischer Berater des aussichtsreichen Präsidentschaftskandidaten, dem charismatischen Gouverneur Mike Morris (George Clooney), ist er der Shooting Star auf dem politischen Parkett. Sogar seine Gegner prognostizieren ihm eine glänzende berufliche Zukunft. Für den Idealist Meyers ist dies ein Ansporn mehr, im Wahlkampf alles zu geben, um den Mann, auf dessen Redlichkeit er bedingungslos vertraut, an die Spitze der Regierung zu hieven. Zusammen mit der Reporterin der New York Times, Ida Horowicz (Marisa Tomei), und dem Kampagnenleiter Paul Zara (Philip Seymour Hoffman) verschafft er seinem Kandidaten einen ausbaufähigen Vorsprung gegen den anderen Mitbewerber der Demokraten. Doch die Vorwahlen in Ohio sind von politischer Ungewissheit geprägt.
Ausgerechnet hier trifft Meyers eine fatale Fehlentscheidung. Er lässt sich auf eine geheime Absprache mit Senator Thompson (Jeffrey Wright) ein, um sich entscheidende Stimmen aus dessen Wahlkreis zu sichern. Eine gängige Taktik, die Kandidat Morris für sich rigoros ablehnt. Schon wetzen die bestens informierten Gegner die Messer, um mit ihrem brisanten Wissen Morris zu diskreditieren. Als die Rufmordkampagne gerade noch glücklich abgewehrt werden kann, erschüttert ein weiterer Skandal in den eigenen Reihen das gegenseitige Vertrauen aller Beteiligten. Stephen Meyers erfährt von seiner Affäre Molly (Evan Rachel Wood), dass der Präsidentschaftskandidat vor einiger Zeit nicht nur ebenfalls ein Verhältnis mit der jungen Praktikantin unterhielt, sondern sie dabei auch schwängerte. Eine Krise gewaltigen Ausmaßes bahnt sich an. Nach rein moralischen Grundsätzen kann Meyers das Verhalten des Gouverneurs nicht vertreten, hingegen offen Stellung beziehen, käme politischem Selbstmord gleich. Der führende Mitarbeiter der Propagandakampagne steht vor der schwersten Entscheidung seines Lebens. Ihm stellt sich die drängende Frage, was ihm der unbelastete Blick in den Spiegel wert ist...
Mit dieser unfehlbaren Konstellation liegt das Politdrama "The Ides of March - Tage des Verrats" von und mit George Clooney auf Erfolgskurs. Wie in einem persönlichen Tagebuch liest sich die Geschichte vom Verfall des Gewissens in dem durch Intrigen und Verrat geprägten Umfeld der Machtpolitik. Eine Welt, in der Worte alles, Werte hingegen immer öfter nichts bedeuten. Ryan Gosling ("Crazy, Stupid, Love") gerät in der Rolle des Wahlkampfberaters von George Clooney ("The American"), der den Kandidaten mit der nicht ganz sauberen Weste gibt, zwischen die Fronten. Neben der Besetzung durch absolute Publikumsmagneten überzeugt vor allem die gelungene Konzipierung des Plots um Loyalität, Ethos und Führungsverantwortung. Das alles funktioniert bei diesem Film wunderbar ohne Gegeifer und billige Gutmenschlichkeit. Denn so unbemerkt, wie sich der Prozess der Entmenschlichung hier vollzieht, könnte sich kein Meuchelmörder im alten Rom anschleichen. Ein beängstigendes Resümee, wie mächtig leere Worthülsen in der heutigen politischen Landschaft geworden sind.
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