14.09.2011, 09:44 Uhr
Kurz nach dem plötzlichen Verschwinden ihres Ehemanns tritt Alexander (Georg Friedrich) in Marthas (Sandra Hüller) Leben. (Foto: Real Fiction)
Martha (Sandra Hüller) ist mit ihrem Leben im Großen und Ganzen sehr zufrieden. Mit Paul (Felix Knopp) führt sie eine relativ glückliche Ehe, auch wenn manchmal leise Zweifel an der Aufrichtigkeit ihres Mannes an ihr nagen. Doch hat solche Zweifel nicht jeder schon einmal verspürt? So belässt Martha es bei gelegentlichen Blitzattacken mit unvermittelt gestellten Fragen, die ein diffuses Gefühl von Verwirrung hinterlassen und redet sich ein, dass da nichts wäre, weswegen sie an Pauls Loyalität und Ehrlichkeit zweifeln müsse. Umso schockierender trifft sie der Besuch zweier Polizisten, die ihr die Nachricht vom spurlosen Verschwinden des Gatten überbringen. Marthas Welt bricht zusammen.
Von einem Tag auf den anderen muss Martha sich eingestehen, ihren Mann nicht wirklich gekannt zu haben. Der Prozess, zu realisieren, einfach mit so vielen offenen Fragen allein gelassen zu werden, ist schmerzhaft. Noch schlimmer: Es ist, als wäre Paul tot und doch nicht gestorben. Kein Abschied kann genommen werden, die emotionale Ungewissheit kratzt an der Psyche. Die Gedanken der verlassenen Frau kreisen immer wieder unverändert eng um einen Verlust, den sie nicht in tröstende Worte und Halt gebende Formen umzusetzen weiß. Als dann Alexander (Georg Friedrich) in ihr Leben tritt, macht Martha einen radikalen Schnitt. Sie beginnt ein neues Leben mit einer neuen Liebe. Doch kann diese Beziehung gut gehen? Werden die Schatten der Vergangenheit sie nicht letztendlich doch wieder einholen?
Mit der Weltpremiere von "Über uns das All" bei der Berlinale gelang es dem Regisseur und Drehbuchautor Jan Schomburg, die Kritiker nachhaltig zu beeindrucken. Selten sind Debütfilme derart ausgereift in Handlung und Konzeption wie das packende Drama des Wahl-Kölners. Für seinen schonungslos offenen Umgang mit so schwierigen Themen wie dem Tod eines Partners und den Prämissen eines Neuanfangs für die Hinterbliebenen belohnte ihn die Jury mit dem "Prix Europa Cinemas". Doch nicht nur was, sondern auch wie Schomburg sich den zentralen Fragen in seinem Werk annähert, verdient uneingeschränkten Beifall. Mit leichter Hand verknüpft der Nachwuchsfilmer nachdenkliche Ernsthaftigkeit mit feinem Humor und bewegt sich innerhalb der verschiedenen Genretypen zielsicher durch die schlüssige Handlung. Wenn dann noch Ausnahmetalente wie Sandra Hüller ("Requiem"), Georg Friedrich ("Mein bester Feind") und Felix Knopp als Darsteller gewonnen werden können, kann das Ergebnis nur vom Feinsten sein. Und das ist es auch.
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