03.11.2011, 11:15 Uhr | LS
Jürgen Prochnow in "Das Boot" und Ken Duken in "Laconia" (Quelle: Cinetext / ARD Degeto/SWR/Teamworx/Boris Guderjahn)
Große Fernsehunterhaltung und eine gute Quote am Mittwochabend in der ARD. 5,3 Millionen Zuschauer (15,9 Prozent) sahen im ersten Teil von "Laconia", wie das deutsche U-Boot U 156 im Zweiten Weltkrieg Jagd auf feindliche Schiffe macht und den britischen Truppentransporter versenkt, der dem Zweiteiler seiner Namen gab. Beklemmende Bilder und klaustrophobische Stimmung aus einem U-Boot - das gab vor 30 Jahren doch schon einmal in einer deutschen Filmproduktion. Wolfgang Petersens Werk "Das Boot" setzte 1981 Maßstäbe. Wir stellen daher den Vergleich zwischen U 156 ("Laconia") und U 96 ("Das Boot") an.
Jürgen Prochnow als Kommandant, Herbert Grönemeyer als Leutnant Werner, Heinz Hoenig als Funkmaat Hinrich - die Besetzung von U 96 konnte hochkarätiger nicht sein. Mit Martin Semmelrogge, Uwe Ochsenknecht, Jan Fedder, Claude-Oliver Rudolph und Ralf Richter spielten weitere Akteure mit, die seit dem Erfolg von "Das Boot" nicht mehr aus der deutschen Filmlandschaft wegzudenken sind. Und für Regisseur Wolfgang Petersen ebnete der Film den Weg nach Hollywood. Da kann "Laconia" nicht mithalten. Zumal sich die Hauptcharaktere der U-Boot-Besatzung auf vier Personen beschränken: Ken Duken als Kommandant, Jacob Matschenz als Oberleutnant Mannesmann, Matthias Koeberlin als Leitender Ingenieur Rostau und Frederick Lau als Funkmaat Fiedler.
Doch Ken Duken spielt den Kommandant Hartenstein so gut, dass man seine Leistung mit der Jürgens Prochnows durchaus gleichsetzen kann. Auch wenn die beiden Charaktere völlig unterschiedlich sind. Prochnow, in "Das Boot" nur "Der Alte" oder "Herr Kaleun" (Abkürzung für Kapitänleutnant, Anm. d. Red.) genannt ist hart und verbittert. Duken dagegen verkörpert den menschlichen und nachdenklichen Typ. Gleich ist beiden, dass das Wohlergehen ihrer Mannschaft über alles geht.
32 Million Mark (rund 16 Millionen Euro) kostete die Produktion von "Das Boot" 1981. Dafür entstanden aber auch fünf Stunden Film. Eine Kinoversion mit 143 Minuten (Director's Cut: 208 Min.) sowie zwei TV-Fassungen zu 282, bzw. ungekürzten 300 Minuten. Für die Dreharbeiten wurde das 55 Meter lange U-Boot originalgetreu nachgebaut. Gedreht wurde im französischen La Rochelle, auf dem Bodensee und auf der Nordsee. Die ARD-BBC-Koproduktion "Laconia" kostete 13 Millionen Euro und wurde größtenteils vor der Küste Südafrikas gedreht. Drei mehr als siebzig Meter lange U-Boot-Nachbauten standen Regisseur Uwe Janson zur Verfügung. Die visuellen Effekte sind dank modernerer Technik natürlich besser.
Sechs Oscar-Nominierungen, Bayerischer Filmpreis, Deutscher Filmpreis, Goldene Kamera - in Sachen Preise liegt "Das Boot" uneinholbar vorne. "Laconia" war in Großbritannien für den "BAFTA Award" und in Monte Carlo für den Fernsehpreis "Goldene Nymphe" nominiert. Deutsche Filmpreise dürften dem Zweiteiler nach der Ausstrahlung aber gewiss sein. Außerdem wurde bekannt, dass der Sender HBO den Streifen in den USA zeigen wird.
Unterschiedlich sind auch die geschichtlichen Ereignisse, die den Handlungen der Filme zugrunde liegen. Während "Das Boot" auf dem gleichnamigen Roman von Lothar-Günther Buchheim basiert, der darin seine persönlichen Erfahrungen als Kriegsberichterstatter auf U-Booten verarbeitet, geht die "Laconia"-Verfilmung auf ein konkretes Geschehen zurück. Torpediert von U 156, sinkt 1942 der mit italienischen Kriegsgefangenen, Zivilisten sowie Militärs besetzte britische Truppentransporter "Laconia" im Südatlantik. Doch Kommandant Werner Hartenstein rettet die Schiffbrüchigen und bittet um internationale Hilfe und wird fast selbst versenkt. Von rund 2700 "Laconia"-Passagieren überleben etwa 1100. Admiral Dönitz erlässt darauf den sogenannten "Laconia"-Befehl, der deutschen U-Booten die Rettung feindlicher Schiffbrüchiger verbietet.
Zwei spannende Filme mit unterschiedlicher Intention, wobei "Laconia" sicher nicht das Zeug zum Klassiker Marke "Das Boot" hat. Was den internationalen Erfolg und die charismatische Besetzung angeht, ist Wolfgang Petersens Meisterwerk einfach ungeschlagen. Selbst der preisgekrönte Soundtrack von Klaus Doldinger wurde Kult. "Laconia" punktet dafür mit der historisch korrekt auf ein einschneidendes Ereignis des Krieges zugeschnittenen und zutiefst menschlichen Geschichte. Teil zwei läuft heute am 3. November um 20.15 Uhr in der ARD.
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Quelle: t-online.de
VINCIT schrieb:
am 7. November 2011 um 10:47:19
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Vorsichtiges Abrücken
"Lakonia" rückt vorsichtig vom bisher totalen politisch korrekten (Pflicht-)Feindbild der Deutschen im
Weltkrieg II ab.Die Deutschen sind plötzlich nicht mehr nur Monster, ausnahmsweise handellten sie sogar mal als Menschen. Möglicherweise hat diese behutsame Aufweichung des bisherigen Bildes mit der gegenwärtigen Rolle Deutschlands in der europäischen Schuldenkrise zu tun, die sich zur Zeit der Produktion des Filems schon abzeichnete. Man braucht uns.
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Marc schrieb:
am 5. November 2011 um 17:13:04
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Lachhaft
Wenn deutsche U-Boot-Fahrer damals so aufgetreten wären, mit Sonnenbrille und offenem Hemd, auf dem Boot während Feindfahrt mit
Bierflasche spazieren gehen... oh je. Die hätte man alle eingesperrt. Da muß ein wahrhafter Profihistoriker als Berater am Werk gewesen sein. Da war jeder Pfennig der für den Film ausgegeben wurde zuviel. Ich hoffe das Volk glaubt nicht alles was es sieht.
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pero schrieb:
am 5. November 2011 um 13:20:10
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(2)
Laconia
Allein der "Laconia-Befehl" kostete Karl Dönitz mindestens fünf Jahre, als er in dem sogenannten Kriegsverbrecherprozeß
1946 in Nürnberg zu 10 Jahren Gefängnis verurteilt wurde, die er bis zum letzten Tag "verbüßte" !
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