21.04.2011, 12:11 Uhr | SKO
Prinz William und Kate Middleton: royaler Overkill um Hochzeit im deutschen TV. (Foto: dpa)
Was haben sich die Öffentlich-Rechtlichen dabei nur gedacht? Nicht nur, dass die Hochzeit von Prinz William und Kate Middleton am 29. April sowohl von den Privatsendern RTL, Sat.1, n-tv und N24 live übertragen wird, bereiten sich bei dem Großevent auch noch ARD und ZDF gegenseitig Konkurrenz - und zwar mit denselben Bildern. Unterscheiden wird sich die Berichterstattung vor allem durch die jeweiligen Adelsexperten und Moderatoren, die die Hochzeit kommentieren. Doch was aus Sicht der Sender durchaus angemessen erscheint, kommt die Gebührenzahler teuer zu stehen. "Ich habe überhaupt kein Verständnis dafür, dass ARD und ZDF in doppelter Formation mit doppelten Kosten vor Ort aufschlagen und mit demselben Ereignis die Hauptprogramme belegen", wettert Burkhardt Müller-Sönksen, medienpolitischer Sprecher der FDP. Wir wollen von Ihnen wissen, wie Sie zu dem royalen Overkill auf ARD und ZDF stehen. Jetzt mitmachen und rechts abstimmen!
Die Hochzeit sei "eindeutig ein Großereignis der Kategorie A", hält ARD-Chefredakteur Thomas Baumann Medienberichten zufolge dagegen. So seien A-Ereignisse von solch großer Bedeutung, "dass sie aufgrund des überragenden Zuschauerinteresses die Live-Berichterstattung mit unterschiedlichen Experten und Kommentatoren in beiden Kanälen rechtfertigen." Ganz ähnlich sieht das ZDF-Chefredakteur Peter Frey, der gegenüber der "Frankfurter Rundschau" erklärte, das "TV-Event des Jahres" sei "von zu hohem journalistischen Wert (...), um dem ZDF-Publikum die in langen Jahren aufgebaute Erfahrung unserer ZDF-Royal-Moderatoren und Royal-Experten vorzuenthalten."
Zum Vorwurf der Verschwendung von Rundfunkgebühren erwidert Frey, dass die Kosten, die sich im mittleren sechsstelligen Bereich bewegen, damit vergleichsweise gering blieben. So wären die Bilder der britischen Rundfunkanstalten umsonst und müssten lediglich um eigenes Material ergänzt werden. Zur Parallelübertragung sagte er, dass Krönungen, Hochzeiten und Beerdigungen der wichtigsten Königshäuser dies rechtfertigen würden. Anders sei dies bei "B"-Events wie Geburtstagen und Jubiläen, die nur von einem der beiden Sender gezeigt würden.
Aus Sicht mancher Zuschauer scheint diese Argumentation dennoch wenig plausibel. Dass ARD wie ZDF ihre Adels-Experten bei dem Event zum Einsatz bringen wollen, ist zwar verständlich. Aber hätte man sich nicht einfach zusammenschließen können und diese auf einem der beiden Kanäle gemeinsam oder abwechselnd moderieren lassen? ARD und ZDF seien keine Konkurrenten, sondern "Geschwister, die aus einer Geldbörse bezahlt" werden, bekräftigt auch Johannes Beermann (CDU), der Leiter einer Arbeitsgruppe, die die Sender zu wirtschaftlichem Handeln verpflichten will, laut "FAZ". So scheint es, dass die Öffentlich-rechtlichen davon ausgehen, dass es hierzulande keinen einzigen Zuschauer gibt, der sich überhaupt nicht für die Royals-Hochzeit interessiert. Frei nach "Löwenzahn"-Star Peter Lustig heißt es für diese Klientel deshalb am übernächsten Freitag: "einfach abschalten!"
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