24.06.2011, 09:47 Uhr | Katja Johanna / Intro
Beyoncé präsentiert ihr Album "4". (Foto: Mason Poole, Sony)
R’n’B-Queen Beyoncé hat sich von ihrem zweiten Ich und den ersten Anzeichen einer schizophrenen Persönlichkeitsstörung getrennt. Ab jetzt geht das Ex-"Destiny’s Child"-Wunderkind wieder ohne ihr Alter Ego Sasha Fierce ihrer Wege, dem sie den Titel ihres letzten, 2008 erschienenen Albums widmete und in das sie sich immer dann verwandelte, wenn ihr die Scheinwerfer zu hell und die Fragen der Journalisten zu bunt wurden. Ob ihr die Personality-Fusion auf dem pragmatisch mit "4" betitelten vierten Solo-Album gelingt?
Sage und schreibe 72 Songs soll die 29-Jährige ihrem Label Columbia zur Auswahl für "4" angeliefert haben. Genug also, um zwölf Sahnestücke auszusuchen. Möchte man zumindest meinen. Dass Quantität allerdings nicht immer mit Qualität gleichzusetzen ist, beweist "4" eindrucksvoll. Beim Album-Opener "1+1" handelt es sich um eine ungewohnt ruhige und unerträglich kitschige Soul-Ballade, und es geht ähnlich bedächtig beziehungsweise langweilig weiter: Auf "I Care" rechnet Beyoncé stellvertretend für alle enttäuschten Leidensgenossinnen verbittert mit der Zunft der Männer ab, die sich im Gegensatz zu ihr nicht ausreichend kümmern. Und auch dritte Song bringt nicht die ersehnte R’n’B-Uptempo-Nummer, sondern erneut eine schmachtende Ballade namens "I Miss You", dessen Titel wohl schon genügend Informationen über seine musikalische und textliche Beschaffenheit liefert.
Der 80er-Synthie-Gedächtnis-Song "Party featuring André 3000" ist dann endlich der erste Track auf "4", der sich auch für die Tanzfläche eignet. Kein Wunder, ist die Nummer doch co-produziert von Kanye West. Aber kein Grund zur Entwarnung, danach gibt’s wieder Pathos satt, so heißt es auf dem folgenden Song: "I’d rather die young than live my life without you". Und auch "Start Over" geht dank seiner Gefühlsduselei eher auf die Nerven als in die Beine. Löbliche Ausnahmen auf der zweiten Albumhälfte: "Countdown", das genauso gut aus Destiny’s-Child-Zeiten stammen könnte, sowie der letzte Song und gleichzeitig die erste Singleauskopplung des Albums, "Run The World (Girls)".
Diese tanzbaren Raritäten auf "4" können jedoch nicht über den Gesamteindruck hinwegtäuschen: Wer eine jüngere (und schlechtere) Version von Whitney Houston oder Janet Jackson sucht, wird auf "4" fündig, kann aber eigentlich auch direkt auf die Originale zurückgreifen. Vielleicht hätte sich Beyoncé lieber nicht von ihrem Alter Ego trennen sollen, denn mit ihm sind scheinbar auch die toughen, eingängigen und vor allem dynamischen Uptempo-Songs verloren gegangen.
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Quelle: t-online.de
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