24.05.2011, 11:59 Uhr | dpa/ap/sgü/Bernd Almering
Seit Bob Dylan vor fast 50 Jahren die Bühne betrat, hat er immer wieder die Rockmusik beeinflusst wie wohl niemand sonst. Und wie kein anderer wurde er zum kultisch verehrten Idol. Und dabei wollte er doch nie etwas anderes sein, so Dylan selber, als "Song- and Danceman“. An diesem Dienstag wird Dylan 70 Jahre alt. In der Foto-Show verraten wir Ihnen, wann Sie den Künstler live in Deutschland erleben können und lassen seine Karriere in Bildern Revue passieren.
1941 als Sohn einer russisch-jüdischen Einwandererfamilie in einer Kleinstadt im US-Bundesstaat Minnesota geboren, war der Liedermacher mit der rauen, ausdrucksstarken Stimme Anfang der 60er Jahre schnell zum Symbol der Protestbewegung geworden. Mit seinen Protestsongs ("Blowin' In The Wind") gab er der 68er Generation eine Stimme. Dann griff er 1965 zur E-Gitarre und schüttelte Rock-Klassiker wie "Like a Rolling Stone“ oder "Visions of Joanna" aus dem Ärmel. Als ihm der Rummel zu viel wurde, machte er Country-Music. Ende der 70er Jahre bekehrte er sich zum Christentum und verstörte seine Fans mit Gospel.
Nach einer kreativen Flaute in den 80ern brachte er in den 90ern wieder Alben heraus, die einhellig als Meisterwerke gefeiert wurden. Mit dem düsteren Album "Time Out Of Mind" feierte er 1997 ein grandioses Comeback. Mit seinem Studioalbum "Modern Times" schaffte es der Musiker 2006 erstmals nach 30 Jahren auf Platz eins der Charts – ein künstlerischer und kommerzieller Triumph ohnegleichen.
Der Künstler und Pulitzer-Preis-Gewinner feiert Geburtstag.
In seiner fast 50-jährigen Karriere hat er rund 600 Lieder geschrieben, viele sind längst Klassiker der Popkultur. Zu seinen bekanntesten Songs gehören "Masters Of War", "Desolation Row" und "Hurricane". Die Leser des Fachmagazins "Rolling Stone" wählten "Like A Rolling Stone" 2004 zum besten Song aller Zeiten. Für das Lied "Things Have Changed" in Curtis Hansons Tragikomödie "Wonder Boys" erhielt er 2001 einen Oscar.
Bob Dylan ist praktisch immer auf Achse; seit 1988 hat er auf mehr als 2000 Bühnen gestanden. Dass Dylan im April auch in China auftrat und noch dazu die Überprüfung des Programms zuließ, nahmen ihm Menschenrechtler schwer übel. Dylan reagierte prompt und wies auf Facebook die Vorwürfe entschieden zurück.
Der Mann ist immer für Überraschungen gut. Er stellte seine Ölbilder in Museen aus, veröffentlicht Gedichtbände und moderierte jahrelang für einen US-Sender eine Radioshow. Zwischendurch wurde Dylan auch noch vom Online-Händler Amazon, dem Hosenhersteller Guess oder der Dessous-Firma Victoria's Secret als Werbeträger verpflichtet. Ein künstlerischer Ausverkauf? Ob‘s jemanden stört, kümmert den Superstar ebenso wenig wie die Begeisterung seiner Fans: "Man kann Applaus nicht zum Frühstück essen. Man kann mit ihm auch nicht schlafen."
"Ich weiß mittlerweile, dass ich Dylan nie verstehen werde", sagt die frühere "Königin der Folkbewegung", Joan Baez (70), die ihn Anfang der 60er Jahre bekannt gemacht hatte. "Das gilt allerdings auch für andere, einschließlich seiner selbst." In Anlehnung an ein Zitat von Bert Brecht hat Dylan einmal gesagt: "Wer immer es ist, den ihr sucht, ich bin es nicht."
Gesagt hat er es bereits im Jahr 1966 in einem Interview mit der BBC, ausgestrahlt wurde das Gespräch aus unbekannten Gründen erstmals am Montag, dem 22. Mai: "Ich war sehr, sehr abhängig". Seine Heroin-Sucht habe ihn 25 Dollar am Tag gekostet. Schließlich sei er aber von den Drogen losgekommen. In dem zweistündigen Interview, das im März 1966 von Dylans Freund Robert Shelton auf einer Flugreise während einer US-Tournee aufgezeichnet wurde und schwer zu verstehen ist, spricht der Künstler auch über Selbstmordgedanken. Der Tod bedeute ihm nichts, solange er nur schnell sterben könne, sagt er.
Der Mann schottet sich ab, gibt kaum Interviews und hält sein Privatleben unter Verschluss. Das Wenige, das nach draußen dringt, bleibt vom Meister unkommentiert. Genug Gründe also für ins Kraut schießende Spekulationen bei Fans und Journalisten. Seine Rätselhaftigkeit ist sicherlich einer der Gründe dafür, warum Dylan bereits zu Lebzeiten ein bevorzugtes Studienobjekt für Musik- und Sprachwissenschaftler, Soziologen und Historiker ist. Jedes Jahr wird er auf einem internationalen Dylanologen-Kongress unter die Lupe genommen. Einig sind sich die Experten nur darin, dass Dylan der bekannteste unbekannte Star der westlichen Welt ist.
"Ich habe mich immer in erster Linie als Poet und in zweiter Linie als Musiker gefühlt", sagte Dylan in weiser Voraussicht schon vor 30 Jahren. Viele seiner wortgewaltigen, kraftvollen Texte gelten als Werke von hohem literarischen Rang. Experten vergleichen sie mit Gedichten von Alexander Puschkin, Charles Baudelaire oder gar Johann Wolfgang von Goethe. Das Dylan-Universum zu erschließen, ist nicht einfach. Um Sein Werk besser verstehen zu können, ist es hilfreich, sich gründlich mit der Bibel, der amerikanischen Freiheitserklärung und der nachfolgenden Geschichte zu beschäftigen. Auch die Lektüre einiger Gedichte von Arthur Rimbaud und dem Künstlernamengeber Dylan Thomas wird von seinen Verehrern empfohlen.
Vor Auftritten auf seinen seiner zeitweise als niemals endende Tournee bezeichneten Konzertreisen ließ er sich nach der Jahrhundertwende so ankündigten: "Ladies and Gentlemen, begrüßt bitte den Dichter-Preisträger des Rock'n'Roll. Die Stimme und das Versprechen der Gegenkultur der 60er Jahre. Der Mann, der den Folk mit dem Rock ins Bett zwang. Der Makeup in den 70ern trug und in einem Nebel des Substanzen-Missbrauchs verschwand. Der wieder auftauchte, um Jesus zu finden. Der als Vergangenheit abgeschrieben wurde in den 80ern, dann plötzlich die Gangart wechselte und ab den späten 90ern mit die stärkste Musik seiner Karriere veröffentlichte."
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