01.12.2011, 15:17 Uhr | dpa
Mit Christa Wolf ist nach den Worten des Präsidenten der Berliner Akademie der Künste, Klaus Staeck, eine der wirkungsmächtigsten deutschen Schriftstellerinnen gestorben. "Kaum eine andere Autorin der letzten Jahrzehnte konnte für sich in Anspruch nehmen, als moralische Instanz der DDR-Leserschaft und zugleich als Identifikationsfigur einer großen Zahl westdeutscher Leserinnen und Leser zu gelten", sagte Staeck.
Wolf habe 1968 mit dem Text "Nachdenken über Christa T." einen neuen ästhetischen, reflektierend-essayistischen Ton in die DDR-Literatur gebracht. Neu sei auch das Bekenntnis zur Individualität gewesen - durchaus verstanden als Gegenentwurf zum verordneten Zweckoptimismus in der sozialistischen Gesellschaft.
Wolfs weitere Werke setzten nach Akademie-Angaben Wegmarken bei der Aufarbeitung des "gewöhnlichen" Faschismus ("Kindheitsmuster"), in der Rezeption antiker Mythen ("Kassandra", "Medea") und mit der Wiederentdeckung der Romantik ("Kein Ort. Nirgends"). Das hätten ihr dankbare Leser mit großer Zuneigung honoriert - tausende Briefe im Vorlass, den sie im Jahr 2000 dem Literaturarchiv der Akademie übergab, bezeugten diese außerordentliche Resonanz. Wolf war seit 1974 Mitglied der Akademie der Künste der DDR und seit 1982 Mitglied der Westberliner Akademie.
Quelle: dpa
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