02.07.2010, 10:57 Uhr | jho
Christina Aguilera präsentiert ihr Album "Bionic". (Foto: Sony)
In ihrer aktuellen Single singt Christina Aguilera, sie sei heute nicht sie selbst - "Not Myself Tonight". Auf ihrem neuen Album "Bionic" zeigt sie dagegen ganz gezielt unterschiedliche Facetten von sich: Die coole, freche, sexy X-Tina, die glamouröse Diva, die liebende Mama und das zu Spaß aufgelegte Partygirl - auf der CD fein säuberlich in verschiedene Abschnitte aufgeteilt. Ihre Lieblings-Christina können sich die Fans dann selbst aussuchen.
Dass sie eine Ausnahmestimme besitzt, hat Christina Aguilera in der Vergangenheit mehrfach unter Beweis gestellt, zuletzt auf ihrem vor vier Jahren erschienenen Studioalbum "Back To Basics". Von diesem Stil ist zu Beginn von "Bionic" nicht mehr viel übrig: HipHop, Elektro und Rap-Parts dominieren die ersten Songs wie "Woohoo" oder "Desnudate". Sie zeigen eine Christina Aguilera, die ihren Gesang hinter der Musik zurückstellen kann und dem coolen, modernen Sound das Feld überlässt. Das Experiment gelingt - die Songs sind beim ersten Hören zwar durchaus gewöhnungsbedürftig, doch sie überzeugen.
Sobald Aguilera den Musikstil zu wechseln gedenkt, kündigt die 29-Jährige dies freundlicherweise in kurzen Intros an. So folgt auf den Elektro-HipHop-Part ein Ausflug in die Welt der Mode und des Glamours: "Glam", eine poppige, moderne Hommage an Madonnas Hit "Vogue" und "Prima Donna", ein eher R&B-lastiger Track, müssen dafür reichen. Denn danach ist für weitere zwei Songs die liebende Christina dran. Für "Sex For Breakfast" nimmt sie jegliches Tempo heraus und konzentriert sich zu minimalistischer Begleitung auf lasziven, lockenden, verführerischen Gesang. "Lift Me Up" dagegen ist eine nachdenkliche, melancholische Ballade über die Kraft der Liebe, die mit ihrer Intensität für Gänsehaut sorgt. Hier klingt die Christina Aguilera von vor vier Jahren durch, nur ohne gesangliche Übertreibungen.
Im nächsten Teil ist dann die Mama Aguilera dran, eingeleitet von einem Intro, in dem Christinas Mann und ihr Sohn zu Wort kommen - ihnen ist auch die folgende Ballade "All I Need" gewidmet. Balladesk, träumerisch und nachdenklich geht es weiter mit "I Am" und "You Lost Me", zwei Songs, in denen sich Christina stimmlich ebenfalls wohltuend zurücknimmt. Dies verleiht ihr eine bis dato kaum gekannte Sanftheit, die ihre Songs aber umso intensiver wirken lässt. Mit der Sanftheit ist es in den letzten drei Album-Titeln dann aber prompt und ohne warnendes Intro wieder vorbei: "I Hate Boys", "My Girls" und "Vanity" sind astreine, clubtaugliche Party-Tracks, die Stimmung machen und Spaß verbreiten sollen.
Ihre Songs sollen ihre Entwicklung der letzten Jahre widerspiegeln, sie experimentiert gerne mit ihrer Musik und möchte Kompositionen präsentieren, die man so noch nicht (von ihr) gehört hat - dieses Ziel hat Christina Aguilera über weite Strecken ihres Albums erreicht. "Bionic" klingt teils rauh, teils kuschelweich, überrascht mit Kurswechseln um 180 Grad von einem Song zum nächsten und stilistischen Experimenten, die man von ihr kaum erwartet hätte. Durch diesen mutigen Stilmix ist das Album nicht ganz einfach zu hören und manche Songs brauchen Zeit, bevor sie sich - falls überhaupt jemals - im geneigten Fan-Ohr festsetzen. "Bionic" ist anders - aber keinesfalls schlechter als ihre bisherigen Werke.
Quelle: t-online.de
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