Mr. Tagesthemen, Tom Buhrow: Laut "Zapp" etwa 20.000 Euro pro Auftritt (Foto: dpa)Prominenz macht sich bezahlt. Und was für Showbiz-Stars gilt, die sich mit Auftritten in Talk-Runden oder Festzelten gerne mal ein paar Euro dazuverdienen, gilt auch für bekannte Gesichter seriöser Nachrichtensendungen. Ob Tagesthemen-Moderator Tom Buhrow, ZDF-Anchorman Claus Kleber, ARD-Börsenexpertin Anja Kohl, Politexperte Peter Hahne und seine ZDF-Kollegin Petra Gerster oder Michael Antwerpes, Sportchef beim Ersten: All diese Journalisten tingeln neben ihren TV-Jobs auch gerne mal zu Veranstaltungen von Banken, Verbänden oder Unternehmen und streichen für ihre Gastauftritte horrende Summen im ein- bis zweistelligen Tausenderbereich ein. Das berichtete jetzt das NDR-Medienmagazin "Zapp". In unserer Foto-Show zeigen wir, welche Beträge fließen, wenn Buhrow, Kleber & Co. als Nebenjobber aktiv werden.
Claus Kleber, ZDF-Anhorman: Laut "Zapp" etwa 20.000 Euro Gage pro Auftritt (Foto: dpa)
20.000 Euro für nichts?
Laut "Zapp" stehen an der Spitze der Nebenverdiener nach ihren ihren Honoraren gestaffelt Tom Buhrow und Claus Kleber. Über Spezialagenturen, über die die TV-Journalisten gebucht werden können, würden für deren Auftritte laut Preislisten schon mal Beträge bis zu 20.000 Euro fällig. Für ein Interview Buhrows mit dem rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten Kurt Beck bei einer Veranstaltung der Sektkellerei Henkel & Söhnlein flossen demnach 10.000 Euro. Für eine Gastrede von "Mr. Tagesthemen" bei einer Deutsche-Bank-Veranstaltung, die wegen der Finanzkrise jedoch abgeblasen wurde, habe das Geldhaus dennoch 20.000 Euro überwiesen. Für Klebers Auftritte fällt dem Bericht nach in etwa die gleiche Summe an. Demgegenüber kommen seine ZDF-Kollegen Petra Gerster und Peter Hahne mit 14.000 und 10.000 Euro schon regelrecht preisgünstig daher. An Antwerpes seien vor allem Autofirmen interessiert. Diese müssen laut "Zapp" rund 8.000 Euro hinblättern. Börsenexpertin Kohl lasse sich ihre Gastauftritte mit rund 6.500 Euro versilbern. Was die Moderatoren von diesen Beträgen letztlich selbst bekommen, dazu haben sich dem Bericht nach allerdings weder Agenturen noch die Journalisten selbst geäußert. # Foto-Show "Forbes"-Liste. Die mächtigsten Promis der Welt
ZDF-Moderatorin Petra Gerster (Foto: dpa)
"In der Branche gut eingependelt"
Dass die Moderatoren ihre eigentlichen Arbeitgeber laut Tarifvertrag über ihre Nebenjobs informieren müssen, ist klar. Doch während die News-Moderatoren in ihren Sendungen immer wieder mal kritisch über nicht offengelegte Nebenverdienste wie von Politikern berichteten, üben sie sich, was ihre eigenen Einkünfte anbelangt, gerne in Stillschweigen. "Das sind allerdings Sachen, die wir gar nicht so publizieren möchten, weil jeder Moderator soll das bekommen, was er letztendlich auch für seinen Vortrag verdient. Und ich glaube, das hat sich in der Branche gut eingependelt", zitiert "Zapp" den Geschäftsführer der Vermittlungsagentur "Rex", Marco Fliege. # Foto-ShowDie "Allzweckwaffen" der Sender - Diese Moderatoren nerven
ARD-Börsenexpertin Anja Kohl (Foto: dpa)
"Entscheidende Grenze"
Natürlich stellt sich auch die Frage, ob die Unabhängigkeit der Journalisten angesichts ihrer Nebenjobs noch gewährleistet ist. Besonders heikel erscheint dies im Fall von Börsenfrau Anja Kohl, die im TV über Dax-Unternehmen berichtet, von denen sie womöglich für einen Auftritt bezahlt wurde oder in deren Prospekten ihr Konterfei prangt. "Börsenexperten sollten sich grundsätzlich von Vorträgen bei Unternehmen distanzieren (...), weil der Bereich über den sie berichten, extrem sensibel ist (...)“, so der Medienwissenschaftler Christian Schicha gegenüber "Zapp". Sorgen um die Unabhängigkeit der Journalisten brauchen sich die TV-Zuschauer aber dennoch nicht zu machen. Das zumindest gibt Kohls Kollege Buhrow zu verstehen. Auf Anfrage von "Bild" erklärte er: "Genauso wenig wie die 'Bild' einen meiner Gastartikel kaufen kann, lasse ich den Inhalt der von mir geführten Interviews bestimmen. Das ist die journalistisch entscheidende Grenze."
"Alles streng geregelt"
Auch die Sender selbst nehmen die Aufreger um die Nebentätigkeiten ihrer Moderatoren eher gelassen. Alexander Stock, Sprecher des ZDF, sagte auf Nachfrage der Presseagentur dpa: "Bei uns ist alles streng geregelt. Nebentätigkeiten von festen Mitarbeitern sind genehmigungspflichtig. Bei freien Mitarbeitern gilt das nur, wenn ein Genehmigungsvorbehalt vertraglich vereinbart wurde. Ein vollständiges Verbot von Nebentätigkeiten ist aus rechtlichen Gründen ausgeschlossen." Ganz ähnlich Tobias Häuser, Sprecher des Hessischen Rundfunks, bei dem Börsenexpertin Kohl beheimatet: "Anja Kohl ist eine freie Mitarbeiterin des hr. Im Gegensatz zu Festangestellten muss sie ihre Nebentätigkeiten nicht genehmigen lassen. Trotzdem spricht sie ihre Nebenjobs mit ihrem Vorgesetzten ab." Außerdem gebe es hinsichtlich Kohls Sendung bislang keine Hinweise auf Interessenkonflikte und somit auch keinen Handlungsbedarf.