06.03.2008, 17:06 Uhr | jho
Die No Angels jubeln nach der Bekanntgabe ihres Siegs beim deutschen Vorentscheid. (Foto: Reuters)Die No Angels haben sich beim deutschen Vorentscheid zum Eurovision Song Contest gegen ihre Konkurrenten durchgesetzt und vertreten Deutschland damit dieses Jahr beim Finale am 24. Mai in Belgrad. Mit ihrem eingängigen Popsong "Disappear" legten die vier Engel im Hamburger Schauspielhaus einen verführerischen und souveränen Auftritt hin. Damit hatten sie die Zuschauer, die per Telefon und SMS abstimmen konnten, auf ihrer Seite und ließen in einer finalen Abstimmung die ehemalige Musical-Sängerin Carolin Fortenbacher hinter sich. Das Ergebnis fiel allerdings denkbar knapp aus: 50,5 Prozent der Anrufer stimmten für die Engel. Zuvor waren in einer Vorrunde bereits die drei anderen Kandidaten Marquess, Tommy Reeve und Cinema Bizarre ausgeschieden.
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Die No Angels und "Disappear"
MusicloadNo Angels - "Disappear" herunterladen
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Die Herren haben keine Chance
Bunt gemischt ging es beim Grand Prix Vorentscheid 2008 zu. Marquess eröffneten mit ihrem Titel "La Histeria" den Wettbewerb - und versetzten das Publikum mit ihrem entspannten, spanischen Sommer-Sound sofort in Urlaubsstimmung. Newcomer Tommy Reeve vertraute dagegen ganz auf seine typische Mischung aus Soul, Pop und Rock. Am Flügel sitzend trug er seinen melancholischen Titel "Just One Woman" vor, bei der so manches Frauenherz dahingeschmolzen sein dürfte. Etwas rockigere Töne schlugen die Manga-Jungs von Cinema Bizarre an. Doch auch das ausgefeilteste Bühnenbild und die wildeste Lightshow konnten nicht darüber hinwegtäuschen, dass ihr Elektro-Poprock-Song "Forever Or Never" nicht so recht in Fahrt kam - was wohl nicht zuletzt an der Stimmbandentzündung des Sängers lag, die man leider deutlich hören konnte. Die Folge: Alle drei Männer-Gruppen schieden schon in der Vorrundenabstimmung aus.
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Cinema Bizarre und "Forever Or Never"
Tommy Reeve - "Just One Woman"
Frauenpower beim Vorentscheid
Carolin Fortenbacher setzte auf Dramatik (Foto: ddp)Die wahre Show lieferten sowieso die Damen ab. Die ehemalige "Mamma Mia"-Musicalsängerin Carolin Fortenbacher nutzte den Heimvorteil und legte sich, unterstützt vom jubelnden Publikum, mit ihrem Titel "Hinterm Ozean" richtig ins Zeug. Wuchtig, bombastisch, mit kraftstrotzender Stimme und zutiefst emotional trug sie die Popballade vor, die sie als einzige Teilnehmerin übrigens auf Deutsch sang. Da kamen die No Angels stimmlich zwar nicht ganz mit, doch das machte nichts: Den vier Engeln merkte man in jeder Sekunde an, dass sie von allen Teilnehmern über die höchste Professionalität verfügen. Jede verführerische Handbewegung saß, die Glitzer-Outfit waren gewohnt sexy, und mittels Windmaschine flatterten zum Schluss sogar die bunten Schleppen im Wind - ein gelungener Auftritt der Engel. Und dass sie vorher noch beiläufig erwähnten, in wie vielen europäischen Ländern man sie schon kennt, dürfte sich auf ihren Erfolg auch nicht gerade negativ ausgewirkt haben.
MusicloadCarolin Fortenbacher - "Hinterm Ozean"
MusicloadMarquess - "La Histeria"
Musicload Tommy Reeve - "Just One Woman"
MusicloadCinema Bizarre - "Forever Or Never"
Paten für die Wettbewerber
Durch die Show im Hamburger Schauspielhaus führte wieder Comedian und Moderator Thomas Hermanns. Der bekennende Grand-Prix-Fan hatte sich dieses Jahr fünf "Paten" für die Künstler auf die Couch eingeladen. Katja Ebstein unterstützte Carolin Fortenbacher, Tetje Mierendorf versuchte - erfolglos - dem Publikum die etwas eigenartige Welt von Cinema Bizarre näher zu bringen und Tagesschau-Moderator Marc Bator entpuppte sich unerwartet als No-Angels-Fan. So weit, so langweilig, wären da nicht Kim Fisher und Oliver Pocher gewesen. Fisher hatte große Mühe, ihre Begeisterung für den gutaussehenden Tommy Reeve unter Kontrolle zu halten und blamierte sich endgültig, als sie ihn nach seinem Auftritt nicht nur ungehemmt anhimmelte, sondern sogar an ihm schnüffelte: "Und der riecht auch noch so gut!". Oliver Pocher dagegen war der Lichtblick unter den Gästen. Er bot sich Marquess bei einem Sieg nicht nur als Trompeter für Belgrad an - "Wenn die Zuschauer mich loswerden wollen, ist jetzt die Gelegenheit" - sondern lockerte die größtenteils bierernste Show mit seinen Sprüchen spürbar auf. Vor allem aber, als er seinen Lieblings-Hit aus der Grand-Prix-Geschichte auch noch sehr überzeugend vortrug: Mit falschen Augenbrauen aus breitem, schwarzem Klebeband und mit hinreißend krächzender Eunuchenstimme sang er "Can't Wait Until Tonight" von Max Mutzke. Vielleicht sollte er nächstes Jahr einfach selbst antreten?
jho
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