21.01.2011, 14:18 Uhr | dpa / CK
Dschungelcamp-Moderatoren Sonja Zietlow und Dirk Bach. (Foto: RTL )
Für viele gehört es zum guten Ton, über das angebliche Trash-TV zu schimpfen. Und manch einer würde sich lieber die Zunge abbeißen als zuzugeben, dass er gerne das RTL-Dschungelcamp guckt. Dennoch schalten jeden Tag Millionen Menschen ein, wenn "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!" läuft. 2011 sind es sogar noch mehr als vor zwei oder drei Jahren. Wieso gucken wir den C-Promis im Urwald bloß so gerne zu? Wir verraten Ihnen die Gründe für die steigenden Quoten.
Eine Erklärung lautet: Es gibt jede Menge nachwachsende Zuschauer. Vor allem junge Leute gucken die Geschehnisse im australischen Camp, wie die Einschaltquoten-Vermarkter von Media Control nach den ersten Sendungen mitteilten. Bei 14- bis 19-Jährigen hat die Show hohe Marktanteile von rund 40 Prozent - vielleicht einfach, weil sie damit schon aufwuchsen oder weil die Dschungel-Promis Ähnliches bieten wie die unzähligen Schadenfreude-Schnipsel bei "YouTube".
Roger Willemsen meinte bereits vor Jahren, bei vielen Sendungen blieben die Zuschauer heute "durch eine Art Konträr-Faszination" hängen. Weniger hochgestochen heißt das: Die Zuschauer vor der Glotze denken, "Gott sei Dank bin ich nicht so wie die da..."
Das sieht Joan Kristin Bleicher, Medienwissenschaftlerin von der Universität Hamburg, ähnlich. Sie nimmt das Dschungelcamp genauer unter die Lupe: "Das Format kombiniert erfolgsbewährte Unterhaltungs- und Boulevard-Elemente mit dem Appell an die niederen Instinkte und die Ekelgefühle der Fernsehzuschauer."
Bleicher sagt, schon immer seien im Fernsehen sogenannte Confrontainment-Strategien erfolgreich gewesen: "Wenn andere leiden oder sich streiten, sehen wir hin und sind erleichtert, dass es uns nicht passiert."
Das Erfolgsrezept des Dschungelcamps sei einfach: "Die Zuschauer weiden sich an den Qualen der Kandidaten und haben außerdem die Möglichkeit, sich für die Nerv-Attacken durch Z-Prominente interaktiv zu rächen." Gleichzeitig erlebe man "Stars" scheinbar privat und ungeschminkt.
Bleicher analysiert die Faktoren, die optimal zusammenwirken: "exotisches Setting diverser Dschungel-, Indiana-Jones- und Tarzan-Filme", "Dauerbeobachtungsprinzip wie in der Reality-Show 'Big Brother'", "Gameshow-Elemente", "wechselseitige kritische Beobachtung der Mitwirkenden", "skurrile Promis in problematischen Situationen" sowie "medienkritische Comedy in den Kommentaren von Dirk Bach und Sonja Zietlow". Wenn Sie also heute Abend wieder das Dschungelcamp einschalten, wissen Sie wenigstens warum!
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Quelle: dpa
Aloa schrieb:
am 21. Januar 2011 um 19:58:39
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@Night
Laut Studie schaut jeder 4.Akademiker und Hochgebildete!!! dieses Format und auch ich zähle mich nicht gerade zu den
Unterbelichteten.Schade,das uns,die wir diese Art von Unterhaltung mögen und gerne sehen,jegliches geistiges Niveau abgesprochen wird.Und die Masse an Konsumenten,die tagtäglich einschalten,geben dem Format doch recht und können doch nicht alle "dumm" sein,wie hier so gerne suggeriert wird.Mehr Toleranz wär gut,da fängt geistiges Niveau schon an!
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Night schrieb:
am 21. Januar 2011 um 19:49:41
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@Rollmops
Gutes Stichwort. Bei "Bauer sucht Frau" zeigt sich RTL ebenso von seiner fiesen, hämischen Seite. Da werden 40-jährige Bauern wie
Deppen hingestellt nach dem Motto: "Guck mal, der hat in seinem ganzen Leben noch nie Sex gehabt! So ein Volltrottel!" Auch hier ist Gehässigkeit Trumpf. Und unser Volk amüsiert sich noch darüber. So was von jämmerlich!
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michaela schrieb:
am 21. Januar 2011 um 19:45:33
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DC
Die Welt ist so ernst, bereitet mitunter viele Sorgen und Ängste. WARUM darf man als normaler gebildeter Mensch nicht einfach mal ein
bisschen Blödsinn schauen. "Ob dat Niveau hat oder nich, dat is mir doch ejal, hauptsache ich habe Kurzweil". Mit elementaren, wichtigen, erstrebenswerten und sonst noch was Dingen muß ich mich den ganzen Tag beschäftigen, und in einem kleinen Stück Freizeit schaue ich ein wenig "Blödsinn". Soviel Zeit muß sein!
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