02.02.2009, 14:36 Uhr | Christina Kühnel / Stefan-Kai Obst
Ingrid van Bergen plauderte mit t-online.de über ihre Zeit im Dschungelcamp. (Foto: dpa)Seit einer Woche ist das Dschungelcamp vorbei: Wie waren die ersten Tage danach? Sind Sie froh, wieder zurück zu sein und was hat sich geändert?
Ingrid van Bergen: Also, geändert hat sich erstmal gar nichts, ich tauche jetzt wieder in mein Privatleben ein. Allerdings waren natürlich die ersten Tage nach dem Dschungelcamp stressig, denn ich gehöre ja im Moment RTL. Ich habe da mehrere Interviews gemacht, für Punkt 6, Punkt 9, Punkt 12, ich war bei Oliver Geissen in zwei Shows. Das war ein kleines bisschen anstrengend, weil ich immer noch unter Jetlag litt - aber es ist wunderbar gegangen.
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Bei unserem letzten Interview vor dem Dschungelcamp hatten Sie gesagt "Ich war im Knast. Also, was soll mich eigentlich erschrecken?" Wie beurteilen Sie das Ganze im Nachhinein? Welches Erlebnis war schlimmer, Knast oder Dschungelcamp?
Ingrid van Bergen: Also, ich muss Ihnen sagen, für mich war das gar nicht besonders schlimm. Ich habe weder unter der großen Hitze noch unter der Luftfeuchtigkeit gelitten. Der Hunger hat mir nichts ausgemacht, weil ich sowieso wenig esse. Das war für mich überhaupt kein Thema. Ich war am Anfang krank, hatte einen Nierenstein, aber das hat ein Physiotherapeut in den Griff gekriegt. Danach war ich komplett wieder da und es ging mir gut. Da gibt’s ja Leute, die sagen, "Warum machen Sie das?“ Ich mache es, weil es mir angeboten wird. So einfach ist das.
Die nächste Frage zielt ein bisschen unter die Gürtellinie, aber das interessiert natürlich unsere Leser: Wie war das, Känguruh-Hoden zu essen?
Ingrid van Bergen: Ich finde nicht, dass das unter die Gürtellinie zielt, denn die Aborigines essen nun mal Känguruh-Hoden, das gehört zu ihrem Nahrungsangebot. Die essen ja auch Würmer - proteinreiche Nahrungsmittel, die sie essen müssen, wenn sie nichts anderes haben im Outback. Und was die können, kann ich auch, hab ich mir gesagt. Warum sollte ich mich da abgrenzen? Es war für europäische Gaumen zwar ziemlich gewöhnungsbedürftig, aber andere Kulturen essen eben ganz andere Dinge. Wie in China: Da werden ja ungeheure Summen für 100 Jahre alte Vogelnester gezahlt oder für giftige Kugelfische. Wir essen anders, aber ich denke, man muss da eben mitmachen, wenn man sich in anderen Kulturen bewegt. Und so hab ich das hier auch gemacht. Es gehörte zu meiner Prüfungsaufgabe und es war mir klar, da arbeite ich mich durch, egal mit welcher Überwindung. Und das wollte ich auch unter Beweis stellen.
Mit wem haben Sie sich im Dschungel am besten verstanden?
Ingrid van Bergen: Das kann ich so gar nicht sagen. Ich gehöre ja zu der Spezies, die immer alle Leute beobachtet und ich nehme jeden mit seinen Eigenheiten wahr. Natürlich kommt mir ein Schauspieler wie Günter Kaufmann sehr entgegen mit seinen zielsicher gesetzten Pointen. Also, er war außerordentlich amüsant. Aber ich hab mich mit Norbert Schramm gut verstanden, mit Nico Schwanz. Also, im Grunde hab ich mich mit allen gut verstanden. Und das bisschen Rumgezicke mit der Giulia - meine Güte, wir waren ja auch unter Stress, das ist klar. Giulia hat wohl besonders darunter gelitten, hat auch öfter falsch reagiert, aber das ist alles gewesen. Danach haben wir uns ja auch getroffen bei der Oliver Geissen Show und das war alles eitel Sonnenschein. Wir sind ja um Gottes Willen zivilisierte Menschen und sind da auch nicht nachtragend.
Glauben Sie, dass Sie mit Ihren Dschungelkollegen in Kontakt blieben?
Ingrid van Bergen: Ich weiß es nicht, denn ich habe schon mit so vielen Kollegen gearbeitet und da entstehen ganz selten Freundschaften, weil die Zeit meist viel zu kurz dafür ist. Wenn man öfter miteinander arbeitet, dann kann sich eventuell eine Art Freundschaft daraus entwickeln, aber diese paar Tage im Dschungelcamp, da kann keine Freundschaft entstehen. Vorläufig weiß ich nicht, ob man sich wiedersieht oder nicht. Sie wissen aber, man begegnet sich im Berufsleben ja immer wieder, also kann das durchaus passieren.
Glauben Sie, dass Sie und Ihre Kollegen in der Show richtig dargestellt wurden? Oder denken Sie, dass die Zusammenschnitte unfair waren und Sie falsch präsentiert haben?
Ingrid van Bergen: Na, dazu muss ich Ihnen sagen, das Format verlangt das ja. Das Publikum will ja nicht einen Langweiler da oben sehen, sondern das will natürlich sehen, dass da drin was passiert. Und die Zusammenschnitte, die sind alle nicht bösartig. Man zeigt mich ja auch, als wäre ich Alzheimer-krank. (Lacht.) Da hat eine Zeitung geschrieben, die sitzt jeden Morgen auf ihrem Bett und sagt "Oh Gott, wo bin ich?" Das ist natürlich alles Quatsch. Jeder hat immer seine Sachen gesucht, weil wir da keine Schränke oder Regale hatten - aber bei mir haben sie es zusammengeschnitten und im Grunde ist es witzig. Das sieht natürlich so aus, als ob ich 'ne schusselige Alte bin - aber ich bin niemals schusselig. Aber ich finde, das ist ein Running Gag und das ist witzig.
In den Medien hat Nico Schwanz sich beschwert, dass Lorielle London im Camp so gestunken habe. Gehört das bei einem Abenteueraufenhalt im Dschungel nicht dazu?
Ingrid van Bergen: Ich war der Lorielle ziemlich nah immer, wenn wir am Lagerfeuer saßen. Also, meiner Ansicht nach stinkt das nicht. Das stimmt nicht. Sie hatte wirre Haare, das ließ sich da ja gar nicht vermeiden, weil wir da keine Pflege hatten. Aber das stimmt nicht - ich weiß nicht, was für eine Nase Nico da hat.
Sie haben im Dschungel über den Totschlag an Ihrem Lebensgefährten Klaus Knaths geredet. Danach ging das Thema durch alle Medien. Bereuen Sie es im Nachhinein, so offen darüber geredet zu haben?
Ingrid van Bergen: Nein, ich habe immer offen darüber geredet. Im Übrigen habe ich ja eine Autobiographie geschrieben, in der detailliert und genau alles beschrieben wird. Das kann jeder nachlesen und ich habe immer in Interviews und Talkshows offen darüber geredet, weil ich die Einzige bin, die das klarstellen kann. Es gab ja sehr oft falsche Berichterstattung und ich bin da zitiert worden, obwohl ich nichts gesagt hatte.
Wie haben Freunde und Familie auf Ihren Dschungelaufenthalt und Ihren Sieg reagiert?
Ingrid van Bergen: Hervorragend. Die haben schon vorher ganz positiv reagiert. Also, ich hatte in meinem engsten Kreis überhaupt niemanden, der dagegen polemisiert hat. Alle fanden das wunderbar und natürlich haben sie das verfolgt. Und meine Leute waren sich alle sicher, dass ich es machen würde. Das fand ich ein bisschen anmaßend, aber sie haben Recht behalten.
Ist Ihre Tochter Andrea stolz auf Sie?
Ingrid van Bergen: Ja, natürlich. Ich versteh auch nicht, dass man Giulia Siegel vorwirft, dass sie ihre Kinder dem aussetzt. So ein Blödsinn. Erstmal lässt sie ihre sechs Jahre alten Kinder mit Sicherheit die Show nicht im Fernsehen gucken, damit sie ihre Mama so sehen, und der Junge wird mit Sicherheit auch vernünftig genug sein, um zu sagen: "Meine Mutter ist eine mutige Frau." Was soll das, dass man sagt, so etwas ist für Kinder nicht zumutbar? Wissen Sie, ich hab den Krieg mitgemacht, ich habe sterbende Menschen gesehen, sterbende Pferde, Bomben, vergewaltigte Kinder. Ist das zumutbar? Darüber redet kein Mensch mehr. Aber es soll nicht zumutbar sein, sich in einem Spiel einer Dschungelprüfung auszusetzen? Was ist mit den Leuten los?
Die Medien berichteten, Sie müssten von 480 Euro Rente im Monat leben - stimmt das?
Ingrid van Bergen: Das ist falsche Berichterstattung. Erstens bekomme ich 540 Euro Rente und zweitens lebe ich nicht davon. Das ist eine mir zustehende gesetzliche Rente, die natürlich weit unter dem ist, was ich mir in meinem Leben erarbeitet habe. Das liegt aber daran, dass ich niemals lange in festen Engagements, sondern immer nur in der freien Wildbahn gearbeitet habe. Daraus ergibt sich dann eine so geringe Rente, obwohl ich horrend viel eingezahlt habe. Das sind unsere Gesetze. Diese Rente steht mir zwar zu, aber davon könnte ich nicht leben, das will ich auch gar nicht. Ich bin Gott sei Dank in einem Beruf, der es mir erlaubt, bis zu meinem 100. Lebensjahr und darüber hinaus zu arbeiten und das mach ich auch, von der Rente muss ich nicht leben. Ich muss arbeiten, ich bin froh zu arbeiten und ich will arbeiten, bis ich tot auf die Dielen falle.
Sie müssen also nicht von 480 Euro leben?
Ingrid van Bergen: Nein, wer kann das denn? Von 480 Euro kann man sich zwei Pappkartons kaufen und am Hauptbahnhof schlafen. Da kann man ja nicht mal Miete zahlen, das ist ja Blödsinn! Viele Schauspieler bekommen so wenig Rente, die sind darauf in sofern nicht angewiesen, da sie in einem Beruf sind, der ihnen erlaubt, über das Rentenalter hinaus zu arbeiten. Also, das ist alles Blödsinn! Aber das klingt dann immer in der Presse toll. Ich könnte von den 480 Euro nicht mal meine Hühner füttern. Das ist ja albern.
Wie geht es nun weiter? Im Interview mit dem "Stern" sagten Sie, Sie würden gerne noch einmal eine Show machen. Haben Sie schon konkrete Jobangebote?
Ich habe konkrete Angebote. Mein Wunsch ist natürlich, als Komikerin zu arbeiten. Ich bin von Haus aus Komikerin. Ich will Menschen unterhalten. Ich habe eine Serie mit einer komischen Frau angeboten bekommen und hoffe, dass die dann irgendwann auch gedreht wird. Aber bevor nicht irgendwelche Verträge stehen, rede ich da auch nicht näher drüber. Ich habe auch ein Angebot von Big Brother, aber das mache ich natürlich nicht. Das ist ein Format, das dem Dschungelcamp in keiner Weise entspricht. Dschungelcamp ist okay, aber Big Brother wäre nicht so ganz meine Kragenweite.
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