27.05.2009, 14:14 Uhr | Janine Luth
Ingrid van Bergen (Foto: dpa)Vor knapp einem halben Jahr wurden Sie Dschungelkönigin. Bekamen Sie danach viele neue Angebote?
Ingrid van Bergen: Ja, es kamen neue Angebote. Andererseits war ich aber beruflich schon immer in der freien Wildbahn. Ich bin seit 56 Jahren im Geschäft und habe kontinuierlich gearbeitet, mal mehr, mal weniger. Ich kann also nicht genau sagen, was das „Dschungelcamp“ gebracht hat. Dann wäre es ja RTL gewesen, die mich vollkommen neu integriert hätten, das ist aber nicht passiert. Ich habe mit RTL genauso viel oder wenig zu tun wie vorher auch.
Wie ging es denn konkret im Anschluss an das „Dschungelcamp“ weiter?
Ingrid van Bergen: Die Autogrammwünsche sind zunächst extrem geworden und ich werden überall erkannt. Dann habe ich einen Film gedreht in Berlin mit Leander Haußmann, der heißt „Die Dinosaurier“. Es waren großartige Leute dabei, Nadja Tiller, Walter Giller, Nina Hagen, das war eine wunderbare Arbeit. Dann war in der Presse zu lesen, dass ich „Störtebeker“ (Festspielreihe auf Rügen, Anmerk. der Red.) verloren hätte, wo ich seit Jahren eine Hauptrolle spiele. Es gab in diesem Jahr keine Rolle für mich, aber das war ganz unabhängig von dem „Dschungelcamp“. Speziell in der Bild-Zeitung stand dann: "Sie verlor ihren Job durch das 'Dschungelcamp'." Das stimmt aber nicht. Was im Gegenteil ganz sicher eine Folge der Sendung war, waren die vielen kleinen Formate, Oliver Geissen, Kerner, „Red“ auf ProSieben, da war das „Dschungelcamp“ auch immer das Hauptthema.
Und woran arbeiten Sie zurzeit?
Ingrid van Bergen: Ich frische gerade mein 1-Personen-Stück „Lady Klatschmohn“ auf, damit war ich vor drei Jahren schon auf Tournee. Es freut mich besonders, dass ich das in Berlin unter der Intendanz meines Freundes Didi Hallervorden im Schlossparktheater aufführen werde. Im September geht es los. Dann werde ich mit Cosma Shiva Hagen noch ein weiteres Stück spielen. Das ist für dieses Jahr geplant. Zwischendurch mache ich immer wieder kleinere Sachen.
Haben Sie denn mit den anderen Dschungelstars noch etwas zu tun?
Ingrid van Bergen: Beruflich habe ich vor kurzem gemeinsam mit Ross Antony, der vor mir das „Dschungelcamp“ gewonnen hat, im Freizeitpark „Heide-Park“ ein neues Areal eröffnet. Wenn ich von der Presse darum gebeten werde, mache ich das gern. Dann habe ich mit den Dschungelstars aus dieser Staffel das „Promi-Dinner“ auf Vox gedreht, da waren Mausi Lugner, Michael Meziani und Norbert Schramm dabei. Ansonsten ist ganz klar: Ich habe 225 Filme gedreht, wenn ich mit all diesen Leuten noch befreundet wäre, dann hätte ich keine Zeit mehr zum Atmen.
Warum würden Sie anderen Promis empfehlen ins „Dschungelcamp“ einzuziehen? Was hat Ihnen gefallen?
Ingrid van Bergen: Alles! Ich würde es sofort wieder machen! Wann hat man schon mal die Chance, mit so vielen Leuten, die man nicht kennt, auf so engem Raum zu leben? Ich fand das hochinteressant.
Was wäre denn mit Ihnen passiert, wenn Sie das Dschungelcamp nicht gemacht hätten? Stellt sich diese Frage für Sie?
Ingrid van Bergen: Ach, ich war immer in diesem Beruf und hatte immer einen hohen Popularitätsgrad, dieser wurde durch die Sendung noch mal gesteigert. Aber es hat nicht in jeder Hinsicht gewirkt. Als ich aus dem Camp kam, wurde ich gefragt, was ich mir wünsche. Da habe ich gesagt: ‚Ich wünsche mir eine Serie mit einer komischen Alten!’ Das ist aber nicht passiert. Wenn ich ein Macher wäre von einem TV-Sender und jemand bekommt so einen hohen Popularitätsschub, dann würde ich mich um diese Person kümmern und auf diese Person Autoren ansetzen, aber das ist nicht passiert. Enttäuscht bin ich deswegen nicht, ich brauche keine große Karriere mehr zu machen, werde nächstes Jahr 80.
Planen Sie denn schon ein rauschendes Fest?
Ingrid van Bergen: Um Gottes willen. Für meine Kinder habe ich natürlich Geburtstage ausgerichtet, aber für mich habe ich das nie in Anspruch genommen.
Sie achten aber sicher schon sehr auf sich oder wie ist so ein Aussehen mit 78 sonst möglich?
Ingrid van Bergen: Ja, natürlich, ich mache viel Sport, reite und achte auf meine Ernährung, ich bin Vegetarierin.
Das ist das ganze Geheimnis?
Ingrid van Bergen: Das hat alles mit Disziplin zu tun, was übrigens auch mit für das Camp gegolten hat. Ich will auch gar nicht mit Leuten diskutieren, die sagen ‚Ich würd so gern aufhören zu rauchen, schaff es aber nicht.’ Wenn man damit aufhören will, weil man weiß es ist schädlich, dann ist es einfach idiotisch, weiter zu rauchen. Da brauch ich gar nicht weiter zu diskutieren.
Dann ist ihr Lebensmotto wohl auch, nicht auf andere Menschen zu hören oder haben Sie das auch erst im Laufe des Lebens lernen müssen?
Ingrid van Bergen: Ich bin schon gern kompromissbereit. In unserem Beruf können sie ja nicht jedem die Meinung ins Gesicht schreien. Aber ich bin auch dafür berüchtigt, dass ich völlig aufrichtig bin. Das führte natürlich auch dazu, dass ich Rollen nicht bekommen habe. Aber ich lebe damit wunderbar und ich bin mir immer treu geblieben. Das ist für mich das allerwichtigste: Charakterliche Integrität!
Vielen Dank für das Gespräch!
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Janine Luth
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