08.03.2010, 15:07 Uhr | mth
Steven Gätjen führte bei den Oscars Interviews am roten Teppich.
Steven Gätjen war wieder live bei den Oscars dabei und konnte am Roten Teppich mit einigen der bekanntesten Hollywood-Stars reden, darunter waren auch die Oscar-Gewinner Sandra Bullock und Christoph Waltz sowie die für den Besten Film und die Beste Regie nominierten Regisseure Quentin Tarantino und James Cameron. Über sein Treffen mit der Filmprominenz und seine Meinung zu den Preisträgern und der Oscar-Show erzählt Gätjen im Interview mit t-online.de
t-online.de: Hallo Steven, wie geht’s dir?
Steven Gätjen: Gut. Aber ich glaube, wenn die erste Aufregung sich jetzt legt, dann kann ich das alles noch mal sacken lassen und erst rekapitulieren, was da passiert ist. Ich war natürlich total aufgeregt und im Nachhinein denkt man: Mensch, wen hätten wir denn am Roten Teppich noch kriegen können - aber Sandra Bullock, Quentin Tarantino und James Cameron – das war schon geil.
Gab es für dich bei der diesjährigen Oscar-Verleihung denn große Überraschungen?
Mich hat Sandra Bullocks Oscar-Gewinn absolut gefreut und überrascht. Das finde ich genial! Und dann gab’s im Vorfeld ganz viele Diskussionen darüber, wer das Rennen macht: „Tödliches Kommando – The Hurt Locker“ oder „Avatar“? Und man hat vermutet, dass „The Hurt Locker“ nicht so gut abschneiden wird, weil ja der Produzent eine Email an die Academy-Mitglieder geschickt hatte. Aber das hat jetzt doch keinen gestört, denn „Hurt Locker“ ist der große Sieger des Abends. Und außerdem hat mich überrascht, dass ich die ganze Oscar-Verleihung langweilig und bieder fand. Es war überhaupt kein Platz für Emotionen und Gefühle vorhanden. Es war alles sehr nüchtern gehalten. Ich fand das schade, weil ich eigentlich dachte, dass die dort dieses Jahr richtig Gas geben und Rock’n’Roll machen. Das höchste der Gefühle war da noch, als Sandra Bullock mit Tränen in den Augen ins Stocken kam und anfing, Jesse James (Sandra Bullocks Ehemann, Anm. d. Red.) zu danken.
Woran würdest Du diese Emotionslosigkeit denn festmachen? Lag das daran, dass Hugh Jackman im vergangenen Jahr ein wirkliches Feuerwerk der guten Laune abfeuerte, und dieses Jahr moderierten die „alten Herren“ Alec Baldwin und Steve Martin?
Nein. Martin und Baldwin waren sehr gut. Die hatten zwischendurch echt schöne Pointen, die das Ganze aufgelockert haben. Aber ansonsten: Das Tanz-Medley zu den Besten Songs war vollkommen Eighties, das macht man heutzutage einfach nicht mehr. Und auch wie das „in memoriam“ zur Erinnerung an die verstorbenen Schauspieler, Autoren und Regisseure aufgemacht war – das nahm ganz viel Tempo aus der Show. Und das Peinlichste war: Bei der wichtigsten Auszeichnung für den Besten Film kommt Tom Hanks raus, sagt zwei Sätze, holt den Gewinner aus dem Umschlag, und das war’s! Normalerweise wird das bis zum Abwinken zelebriert. Ganz cool dagegen waren Mo’Nique und Jeff Bridges, der sich wie ein kleiner Junge gefreut hat, oder Ben Stiller im Na’vi-Kostüm: Es gab ein paar Sachen, die fand ich toll, aber davon hätte es viel mehr geben müssen.
Auch gut war die Ehrung von John Hughes, als all diese Teenie-Stars aus den 1980er Jahren auf der Bühne erschienen sind.
Das war spannend. Molly Ringwald, Macaulay Culkin, Matthew Broderick – die Filme von John Hughes sind ja Filme, mit denen ich aufgewachsen bin: „Breakfast Club“, „Kevin allein zu Haus“, „Ferris macht blau“ - total geil. Und wen ich außerdem ganz toll fand, das war bei uns auf dem Roten Teppich Sandra Bullock. Wir haben vorher etwas Russisches Roulette gespielt nach dem Motto: Mag sie Gummibären oder mag sie die nicht? Wir haben ihr die ja dann in die Hand gedrückt und sie ist gleich drauf angesprungen. Sie hat sich total gefreut und an Jesse James weitergegeben. Es war großartig.
Du hattest ja auch Christoph Waltz am Mikrophon. War er nervös?
Und wie. Es gibt nichts Schlimmeres, als wenn die ganze Filmwelt sagt, das ist der absolute Favorit. Aber er hat den Oscar ja gewonnen und das zu Recht. Denn die Performance in „Inglourious Basterds“ war einfach unglaublich.
War es für dich eine Überraschung, dass nicht der deutsche Beitrag „Das weiße Band“, sondern „El Secreto de Sus Ojos“ aus Argentinien den Oscar als Bester fremdsprachiger Film gewonnen hat? Der zählte ja nicht gerade zu den Favoriten.
Absolut. Für mich war „Das weiße Band“ der Film mit den größten Chancen. An zweiter Stelle dann „Ein Prophet“ aus Frankreich und dahinter vielleicht noch die deutsch-israelische Produktion „Ajami“ - aber mit „El Secreto de Sus Ojos“ habe ich überhaupt nicht gerechnet. Der ist zwar gut, aber es gab eben drei bessere Filme. Allerdings muss man sagen, dass auch eine Nominierung für den Oscar schon etwas Außergewöhnliches ist.
James Camerons „Avatar“ war für neun Oscars nominiert und konnte nur drei weniger wichtige gewinnen. Seine Ex-Frau Kathryn Bigelow dagegen hat mit „The Hurt Locker“ sechs Academy Awards, darunter den für den Besten Film und die Beste Regie, abgeräumt. War das in deinen Augen gerecht?
Man muss überlegen: Der erfolgreichste Film aller Zeiten gegen einen Film wie „The Hurt Locker“, der am Box Office gefloppt ist. Vielleicht dachte die Academy, James Cameron hat den erfolgreichsten aller Zeiten gedreht und damit alles, was er will, da vergeben wir den Oscars anderweitig. Bei der Vergabe der Oscars spielt Politik immer eine Rolle. Ich glaube, dass James Cameron nicht der Beliebteste ist, denn Erfolg bringt ja auch viele Neider auf den Plan. Und das kann die Entscheidung beeinflusst haben.
Da höre ich heraus, dass für dich „The Hurt Locker“ nicht der beste der Filme war, die im Oscar-Rennen waren.
Für mich ist „Inglourious Basterds“ auch ein großartiger Film. Man muss überlegen, was Quentin Tarantino da geschrieben hat. So eine Rolle Christoph Waltz auf den Leib zu schneidern, das ist schon super. Für mich ist „The Hurt Locker“ auch ein toller Film, aber ich weiß nicht, ob er wirklich der beste im Wettbewerb war.
„Inglourious Basterds“ ist das Stichwort. Du konntest auch mit Quentin Tarantino am Roten Teppich reden. Wie war das?
Der war immer noch voll auf Adrenalin von seiner Party am Vorabend. Es scheint mittlerweile normal zu sein, dass die Leute schon vorher feiern. Auch James Cameron erzählte, dass er mit seinem Cast am Vorabend eine Riesenparty gefeiert hatte.
Quentin Tarantino ist ja dafür bekannt, dass er gerne ausgiebig feiert. Sah er denn angeschlagen aus?
Als Quentin Tarantino auf der Bühne stand, da hat man das schon gemerkt. Das Haar zerzaust, die Krawatte verrutscht – da hat man gesehen, dass der noch ganz weit vorne war. Quentin Tarantino ist so einer, der sagt: "Ich liebe Film. Ich mache Film und die ganze Etikette drum herum ist für mich nicht so wahnsinnig wichtig", und das merkt man, Aber ich finde das positiv.
Steven, vielen Dank für dieses Gespräch.
mth
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