"I'm Alive!" Mit einem Urschrei, der an der getroffenen Aussage keinen Zweifel lässt, meldet sich Tom Jones zum gefühlt hundertsten Mal auf der Bühne zurück. Mag man sich bei seinem Anblick noch so provokant die hämische Frage stellen, wann wohl sein Gesicht platzen wird: Musikalisch präsentiert sich der Tiger ungebrochen in beeindruckender Form. Über weite Strecken erscheint sein neues Album "24 Hours" aber - mit Verlaub - komplett von gestern.
Das ist allerdings gut so, denn einem Künstler, der bereits in den 60er Jahren Erfolge feierte, steht angemessen gealterter Sound wesentlich besser zu Gesicht als der Versuch, krampfhaft auf der Welle des vermeintlichen Zeitgeists mitzurudern. Tom Jones hat dies alles längst hinter sich gelassen. Seine Nummern atmen abwechselnd glitzernde Las Vegas-Ästhetik und klassischen Balladen-Herzschmerz.
Gediegener Tanztee-Nachmittag
Ein Spritzer Bossa, eine Spur Blues sowie dezent eingesetzte moderne Klangelemente wischen den Staub von einem Longplayer, der den Liebreiz eines gediegenen Tanztee-Nachmittags verströmt. Eine sich stetig wiederholende Gitarrenmelodie verankert den Titeltrack im Gehör und gibt der ein wenig konturlos wirkenden Kulisse Struktur. Äußerst bezaubernd flicht sich in "If He Should Ever Leave You" eine fröhlich klimpernde Melodie zwischen die Bläser.
Fast andächtig lässt Tom Jones in "Seasons" Erinnerungen und Träume Revue passieren, begleitet die Blues-geschwängerte E-Gitarre in "Seen That Face" und legt im reduzierten "24 Hours" eine hymnisch erhabene, ebenso ruhige wie beruhigende Abschiedsvorstellung aufs Parkett. Obwohl er zuweilen etwas atemlos tönt, positioniert sich zwischen all dem ein Sänger, der seine Erfahrung stets in seinen Gesang einfließen lässt. Der weht wie aus einer anderen Zeit ins Jetzt herüber: ein Schall gewordener Anachronismus.