16.05.2011, 08:23 Uhr | afp
Anke Engelke war der deutsche Star des ESC. (Foto: dpa)
Auch wenn es für Lena am Ende nicht gereicht hat - Deutschland hat doch eine Siegerin beim Eurovision Song Contest . Anke Engelke hat sich in die Herzen der ESC-Fangemeinde moderiert. Mit Witz, Charme und vor allem beeindruckender Sprachgewandtheit verkörperte die 45-Jährige das Wettbewerbsmotto "Feel your heart beat". "Könnten wir 12 Punkte vergeben, Anke, die wären für dich", schwärmte die Jury in Österreich, und der türkische Jury-Vorsitzende fand sie einfach nur "wunderschön".
Vor dem ESC-Finale beschäftigten eigentlich nur zwei Fragen die langjährigen Grand-Prix-Fans in Deutschland. Zunächst die Frage, wie Lena abschneidet. Und gleich danach die Frage, wie die ARD den Wettbewerb präsentieren wird. Manche Befürchtungen einer eher peinlichen Show gab es da - dies nicht zuletzt nach den Erfahrungen von 1983, als Deutschland das bisher letzte Mal Gastgeber war und Moderatorin Marlene Charell offensichtlich überfordert mit einer Vielzahl von Aufgaben unterging.
Das diesjährige Moderationskonzept war auch eine Lehre aus damals. Stefan Raab, Judith Rakers und eben Engelke sollten sich nach den ARD-Plänen in ihren Stärken ergänzen, was im Finale aufging: Da konnte Raab als Musiker glänzen, die blonde Rakers mit ihrer gewissen Grace-Kelly-Kühle die Teilnehmer Backstage präsentieren und Engelke den charmanten und schlagfertigen Part übernehmen. Dies gelang ihr so perfekt, dass die Fernsehschaffenden der anderen Länder von Engelke schwärmten. Der deutsche ESC-Koordinator Thomas Schreiber sagte, er habe dem Dachverband EBU bereits vorgeschlagen, "dass Anke Engelke jedes Jahr den Eurovision Song Contest moderiert für Europa. Und das meine ich auch so."
Die am 21. Dezember 1965 geborene Engelke hat damit den Höhepunkt einer Showkarriere erreicht, die schon seit über 30 Jahren andauert. Geboren in Montréal, verbrachte Engelke ihre ersten fünf Lebensjahre in Kanada. Ihre Eltern - ein Lufthansa-Manager und eine Fremdsprachenkorrespondentin - zogen ihre Kinder auch nach dem Umzug nach Rösrath bei Köln dreisprachig auf. Über den Chor ihrer Schule kam die kleine Anke ins Fernsehen, weil der Chor Schlagersänger Heino in einer Serie begleitete.
Als ihr Chor dann auch Udo Jürgens begleitete, wurde die Elfjährige vom Sender Radio Luxemburg entdeckt. Kurz darauf startete Engelke auch ihre Laufbahn als Fernsehmoderatorin: Das damals noch etwas pummelige Mädchen moderierte für das ZDF auf der Funkausstellung sowie das Ferienprogramm und die Kinder-Sportsendung "Pfiff".
Das Naturtalent sattelte als junge Frau nach einem abgebrochenen Studium auf diese Erfahrungen noch eine Ausbildung zur Redakteurin und arbeitete dann lange beim Rundfunksender SWF als Moderatorin einer Reihe beliebter Radio-Shows. Zum Comedy-Star wurde Engelke Mitte der 90er Jahre bei Sat1. Zuerst in der "Wochenshow", dann bis heute als "Ladykracher". Dazwischen machte sie immer wieder etwas anderes, war Synchronsprecherin im Disney-Film "Findet Nemo" und spricht seit einiger Zeit in der Zeichentrickserie "Die Simpsons" Barts Mutter Marge.
Nun hat sich Engelke mit dem ESC für weitere Aufgaben qualifiziert. Damit ist sie in einem Medium eine ganz Große, das sie privat eigentlich mit größter Zurückhaltung nutzt. Die Mutter einer Tochter aus einer ersten Ehe und von zwei kleinen Söhnen aus ihrer zweiten Ehe mag die Glotze nicht wirklich. "Ich bin kein großer Fernsehfreund und halte das Fernsehen oft für überschätzt, fast schon bedrohlich", sagte sie im vergangenen Jahr in einem Interview. In Düsseldorf allerdings war von Bedrohlichkeit nichts zu spüren - auch dank Engelke war der ESC ausgesprochen gute Unterhaltung.
Die ARD verbucht den diesjährigen ESC als vollen Erfolg. "Sie sehen einen glücklichen Intendanten", sagte der Chef des Norddeutschen Rundfunks, Lutz Marmor. Der NDR ist innerhalb der ARD verantwortlich für den Grand Prix. Marmor freute sich vor allem über die Quote bei den Jüngeren: 59,1 Prozent der 14- bis 49-jährigen Fernsehzuschauer hatten am Samstagabend das Erste eingeschaltet. "Insofern kann die ARD dann doch die Jugend erreichen mit solchen Events", sagte Marmor. Mit insgesamt 13,83 Millionen Zuschauer hatte die ARD am Samstagabend eine Top-Quote. Fast jeder zweite Fernsehzuschauer (49,3 Prozent) in Deutschland verfolgte die Show aus Düsseldorf. Damit war der ESC nach Angaben des Branchendienstes Kress die bisher erfolgreichste Fernsehsendung in Deutschland in diesem Jahr.
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Quelle: AFP
Der Clip mit dem Topmodel sorgt für Furore im Netz. zum Video
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