26.05.2008, 15:12 Uhr | LS
Zwölf Punkte aus Bulgarien - Lucy sei Dank? (Foto: Reuters)Geht es nach den Nutzern von t-online.de, sollte Deutschland seine Teilnahme am Eurovision Song Contest einstellen. Dieser Meinung sind 83 Prozent der Leser. Doch soweit wird es nicht kommen. Denn der NDR hält an dem Wettbewerb fest, auch wenn er nach dem Desaster von Belgrad unter Rechtfertigungsdruck gegenüber den übrigen ARD-Anstalten steht. Der letzte Platz für die No Angels, rund eine Million weniger Fernsehzuschauer als im Vorjahr und das alles bei einem millionenschweren Etat - NDR-Programmdirektor Volker Herres benötigt wirklich gute Argumente für ein Weitermachen. Doch der ist erstmal nur um Schadensbegrenzung bemüht. Man sei enttäuscht über die schlechte Platzierung der No Angels, die eine tolle Performance hingelegt hätten. Da muss man sich doch wirklich fragen, hat der Mann die Show in Belgrad auch gesehen?
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Hilflose Verantwortliche
Die No Angels hatten in Belgrad keine Chance. (Foto: Reuters)Dünne Stimmchen, ein blasses Popliedchen und eine öde Windkanalperformance - kaum war der Auftritt der No Angels beendet, war er auch vergessen. Und es war schließlich nicht das ersten Mal, dass ein deutscher Beitrag sich blamierte. Wer mag da den Ausführungen von Volker Herres und dem ARD-Unterhaltungs-Koordinator Thomas Schreiber noch Glauben schenken, die nach dem Finale das immer gleiche Lied anstimmten: Man will den Auftritt in Ruhe analysieren und dann überlegen, was sich im kommenden Jahr besser machen lässt. Treffender kann man seine Hilflosigkeit einfach nicht zum Ausdruck bringen. Denn das man bei der Suche und der Auswahl eines deutschen Grand-Prix-Beitrages keinen Plan hat, zeigt sich jedes Jahr aufs Neue.
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BBC überlegt Ausstieg
So wird man wohl auch 2009 ein Lied nach Moskau schicken, wo der nächste Songcontest stattfindet. Und weil Deutschland, zusammen mit Großbritannien, Frankreich und Spanien, 30 Prozent des gesamten Grand-Prix-Etats bezahlt, darf man sich auch wieder über einen Startplatz im Finale freuen. Wie viel genau wir uns das Spektakel kosten lassen, darüber hüllt der NDR den Mantel des Schweigens. Vor drei Jahren in Athen waren es 15 Millionen Euro. Finanziert aus der GEZ. Da kommt einem das Wort Verschwendung natürlich schnell in den Sinn. Die britische BBC überlegt laut "B.Z." inzwischen angeblich, aus dem Wettbewerb auszusteigen. Auch die Songs aus dem Vereinigten Königreich landen seit Jahren ganz hinten. Italien hat diesen Entschluss bereits 1997 gefasst und auch Österreich war in Belgrad nicht angetreten.
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Nach der Pleite ist vor der Pleite
Wie soll es also - und danach sieht es ja aus - weitergehen? Vielleicht wird wieder der Ruf nach Stefan Raab laut. Unbegründet wäre das nicht. Seine drei Grand-Prix-Songs, gesungen von Guildo Horn, Max Mutzke und Raab selbst, schafften es allesamt unter die besten zehn. Sicherlich wird auch wieder gefordert, einen international erfolgreichen Act wie Tokio Hotel ins Rennen zu schicken. Und nicht zuletzt wird auch der Name Ralph Siegel fallen. Fakt wird aber sein, dass die grundlegende Reform der deutschen Vorauswahl auch 2008 nicht stattfinden wird. Und da die Teilnahme in Moskau 2009 unausweichlich scheint, haben wir wenigstens genug Zeit, uns auf die nächste Pleite vorzubereiten.
LS
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