25.05.2008, 15:19 Uhr | jho/LS
Dima Bilan hat den Eurovision Songcontest 2008 gewonnen. (Foto: dpa)"Germany 12 points?“ Von wegen! Statt zu einem Höhenflug anzusetzen, stürzten die No Angels am Samstagabend beim Grand-Prix-Finale in Belgrad unsanft ab. 40 mal null Punkte - nur 14 Pünktchen insgesamt - damit landeten die Engel punktgleich mit England und Polen auf dem 23. und somit letzten Platz. Jubeln durften andere: Dima Bilan holte mit dem pompösen Popsong "Believe" und hochkarätiger Unterstützung - produziert hatte das Stück kein Geringerer als US-Starproduzenten Timbaland - den lange erhofften Sieg für Russland. Ani Lorak belegte für die Ukraine Platz zwei, Griechenland kam mit der Sängerin Kalomira auf den dritten Rang.
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"Die Beleidigung von Belgrad"
Die No Angels hatten in Belgrad keine Chance. (Foto: Reuters)"Ein Desaster – nach der Schande von Kiew die Beleidigung von Belgrad“, so kommentierte ARD-Moderator Thomas Hermanns direkt nach der Siegerehrung das Abschneiden der No Angels. Dabei hatten die Engel sogar noch Glück im Unglück: Würde Sängerin Lucy nicht in der Jury einer bulgarischen Casting-Show sitzen, hätte es die zwölf Punkte aus diesem Land wohl nicht gegeben - und Deutschland wäre abgeschlagen Letzter geworden. Denn außer den bulgarischen Stimmen gab es für die No Angels nur noch magere zwei Pünktchen aus der Schweiz, alle anderen europäischen Länder ignorierten den deutschen Beitrag völlig. "Ich bin etwas geschockt, aber wir können stolz sein", sagte Jessica von den No Angels anschließend. Ein typisches Verlierer-Statement.
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Timbaland-Song gewinnt
Nicht, dass die No Angels mit ihrem Lied „Disappear“ irgendetwas falsch gemacht hätten - doch im Konzert der anderen 24 Teilnehmer ging ihr netter Popsong leider unter. Allerdings ist das auch nachvollziehbar, wenn man bedenkt, welche Geschütze zum Beispiel der Sieger Dima Bilan auffuhr: Sein ansprechender Auftritt mit dem Timbaland-Song „Believe“ wurde im Finale noch von einem Stargeiger mit seiner Stradivari sowie von der russischen Eiskunstlauf-Legende Jewgeni Pljuschtschenko unterstützt, der mit einer mitreißenden Kür auf Kunsteis den Song untermalte. Für den ersten Sieg Russlands nach über zehn Jahren war Bilan offensichtlich (fast) jedes Mittel recht. Mehr als zehn Millionen US-Dollar (über sechs Millionen Euro) soll Russland laut Medienberichten investiert haben, um den Sieg nach Moskau zu holen.
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Optische Reize zählen
Lange hatte sich Dima Bilan mit dem griechischen Beitrag ein Kopf-an-Kopf-Rennen geliefert. Doch dann setzte sich der Russe ab und die Sängerin Kalomira wurde auf den letzten Metern sogar noch von der Ukrainerin Ani Lorak überholt. Alle drei Beiträge zeigten einmal mehr, dass es neben dem Gesang auch auf Showeffekte ankommt – neben Bilans fast schon übertrieben ehrgeiziger Bühnenshow setzen auch die beiden Damen bei ihren Auftritten auf optische Reize, schwangen mit den Hüften und räkelten sich gekonnt auf der Bühne. Das taten die No Angels mit ihren kurzen Plastikkleidchen und im Wind flatternden Tüchern zwar auch, doch insgesamt war ihr Vortrag offenbar nicht eindrucksvoll genug, um bei den Zuschauern dauerhaft im Gedächtnis zu bleiben.
Polen und England enttäuschen ebenfalls
Genauso schlecht wie die No Angels schnitten nur der englische und polnische Beitrag ab. Schade vor allem für England, denn, wie ARD-Kommentartor Peter Urban treffend sagte: „Das Mutterland der Popmusik hat nach langer Dürre endlich wieder einen ansprechenden Song“. Genützt hat dieses Lob Andy Abraham allerdings nur wenig. Und auch die Polin Isis Gee hatte sich sicherlich mehr erhofft, doch ihre bombastische Pop-Ballade fand bei den Grand-Prix-Zuschauern ebenfalls keinen großen Anklang. „Las Vegas made in Warschau“, kommentierte Urban – offenbar zu viel Glitzer und zu wenig Substanz für den Geschmack des Publikums.
jho/LS
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