"Bye Bye" Mariah? Nein, ganz im Gegenteil: Mit ihrer zweiten Singleauskopplung aus dem aktuellen Album "E=MC²" beweist Mariah Carey einmal mehr ihre Klasse als Balladensängerin. Das liegt wohl vor allem daran, dass die 38-Jährige diesmal vom Geschrei in den höchsten Tonlagen absieht und dafür mit facettenreichem, ernsthaftem und vor allem ehrlich emotionalem Gesang überzeugt. Hören Sie selbst: "Bye Bye" gibt es ab sofort bei Musicload.
Der Song hat einen durchaus ernsten Hintergrund, verarbeitet Mariah Carey darin doch vor allem den Tod ihres Vaters, und zollt im Video zur Single zudem verstorbenen Kollegen wie Luther Vandross oder Luciano Pavarotti Respekt. Damit setzt Mariah zwischen all den luftig-lustigen Sommerliedchen einen tiefgründigen und emotionalen Kontrapunkt. Die Fans der Diva haben allerdings dennoch Grund zur Freude, schließlich ist eben diese Ballade "Bye Bye" zweifellos einer der besten Songs auf dem Album und deshalb als zweite Single eine gute Wahl.
Grundsätzlich verhält es sich mit Mariah Carey ähnlich wie mit Celine Dion: Man liebt sie oder man hasst sie, dazwischen gibt es nicht viel. Und mit ihrem aktuellen Album trägt Mariah nicht gerade dazu bei, daran etwas zu ändern. Auf "E=MC²" bewegt sich die Soul-Diva zwischen zwei Extremen: Mal gibt sie mit gemäßigt groovenden, HipHop-lastigen Songs die coole Dancefloor-Queen (z.B. "Migrate"), dann wieder die Schnulzen-Tante, die etwas schmalzig von diversen Liebes-Lebenslagen singt (z.B. "I Stay In Love"). Arrangement und Produktion der 14 Tracks sind durchgehend makellos, das Album perfekt durchgestylt - weshalb es aber leider auch teilweise recht steril wirkt. Die Stimmband-Gymnastik über mehrere Oktaven bis in die höchsten Töne, wie Mariah sie früher nur allzu gerne betrieben hat, setzt sie inzwischen wesentlich wohldosierter ein - was ihren Gesang erfreulicherweise weniger pathetisch, dafür aber leider auch austauschbarer macht.
Kennt man einen, kennt man alle - das könnte das Fazit dieses Albums sein. Denn trotz der Mischung aus HipHop-Beats und Balladen klingen die Songs auf "E=MC²" vom Prinzip her immer ähnlich - nach Mariah eben. Für die Fans der Diva ist das von Lied zu Lied ein neuer Hochgenuss, für alle anderen aber irgendwann nicht mehr besonders spannend. Vor allem, da fesselnde Ohrwurmmelodien auf dem Album nur rar gesät sind, so dass die Songs es schwer haben dürften, dauerhaft im Gedächtnis zu bleiben. Doch auch wenn der große, herausragende Megahit fehlt, beweist Mariah Carey mit "E=MC²", dass sie ihren Status als Soul-Superstar redlich verdient hat. Aber sie schafft es nicht, dabei so aufregend und überraschend zu klingen wie auf ihrem Vorgängeralbum "The Emancipation Of Mimi".