25.01.2009, 19:35 Uhr | mth
Thomas Gottschalk (Foto: ddp)Das musste sich Tom Cruise glücklicherweise nicht mehr antun: Eine halbe Stunde, nachdem der Superstar die Offenburger Baden-Arena in Richtung Moskau verlassen hatte, erreichte das Niveau von „Wetten, dass…?“ einen historischen Tiefpunkt. „Euren Scheiß können wir schon lange“, kündigte Thomas Gottschalk mit einem Seitenhieb auf das gleichzeitig stattfindende Dschungelcamp-Finale seine letzten Wettkandidaten an. Und tatsächlich: die Sache wurde extrem widerlich. Die Tierpfleger Claudia Dittel und Maik Wilsmann mussten sich mit verbundenen Augen über mehrere Portionen Tierkot beugen, um am Geruch den jeweiligen Produzenten der duftenden Ausscheidungen zu ermitteln.
Begleitet wurde die Exkrement-Analyse, die stilvoll an einem edel gedeckten Esstisch stattfand, von netten Gottschalk-Sprüchen wie „Mit Müh‘ und Kot“. Als dann auch noch Wettpate Michael Mittermeier ein braunes Häufchen, das sich schließlich als Schokoladenpudding herausstellte, essen sollte, war klar: Das Ekel-TV hat jetzt auch die öffentlich-rechtlichen Sender erreicht. Der Quote scheint es dennoch gut getan zu haben: Gottschalk lockte knapp 3,5 Millionen Zuschauer mehr vor den Bildschirm als RTL mit dem Finale des Dschungelcamps, im Durchschnitt sahen 10,63 Millionen Menschen "Wetten, dass..?". In der jungen Zielgruppe musste sich die Wettshow jedoch dem Dschungelcamp geschlagen geben. Und wie fanden Sie "Wetten, dass..?"? Stimmen Sie rechts ab!
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Tom Cruise und Christian Berkel auf der Wettcouch (Foto: ddp)Immerhin hatte die letzte von drei langen Stunden „Wetten, dass..?“ so doch einen gewissen Unterhaltungswert. Auch dank Mittermeier, der in das müde Treiben - für das der Ausdruck „belanglos“ noch geschönt ist - ein klein wenig Anarchie brachte. Schade, dass der Komiker seinen Auftritt erst so spät hatte. Aber wahrscheinlich wollte man Cruise einige Gags auf seine Kosten, die Mittermeier in einen kurzen Standup-Auftritt gepackt hatte, ersparen. Nicht erspart hatte man Herrn Cruise die pure Langeweile während seines Aufenthaltes auf der „Wetten, dass..?“-Couch. Allerdings hatte der Schauspieler daran einen gehörigen Anteil. Nicht eine Frage beantwortete Cruise sinnvoll, sondern nutzte die komplette Redezeit konsequent, um Werbung für seinen aktuellen Film „Operation Walküre“ zu machen. Gottschalk hätte genauso gut mit einer Video-Aufzeichnung des Hollywoodstars reden können, der Informationsgehalt wäre der gleiche gewesen. Aber Tom musste sich ja auch darauf konzentrieren, wann er während des Wettgeschehens im Bild war, um dann möglichst enthusiastisch in die Kameras zu grinsen.
Ziemlich ekelhaft: Die Kotwette (Foto: dpa)Auch ansonsten war die Show ein Sammelsurium an Peinlichkeiten. Wer möchte schon sehen, wie Gottschalk und Jörg Pilawa ihre Schuhe ausziehen, um die Größe zu vergleichen? Und das 16-jährige deutsche Nachwuchs-Model Toni Garrn konnte einem aufgrund der schalen Oberlehrersprüche dieser beiden Herren wirklich leid tun. Als dann auch noch Desirée Nick im roten Kleidchen hereinstöckelte, ohne Punkt und Komma kryptisches Zeug daherredete und schließlich bereitwillig mit ihren Brüsten wackelte, wähnte sich der wenig geneigte Zuschauer noch vor der Kot-Schnüffelei im falschen Programm. Das Debakel griff dann unglücklicherweise auf die Show-Acts über, als Will Champion, der Drummer der englischen Band Coldplay, sich beim wilden Playback-Gehampel die Nase blutig schlug.mth
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