27.04.2011, 12:15 Uhr | dpa / jho
Hans-Joachim "Kuli" Kulenkampff wäre am 27. April 90 Jahre alt geworden. (Foto: dpa)
Einen wie ihn hat das Fernsehen nicht mehr: TV-Legende Hans-Joachim Kulenkampff. Vor allem sein Quiz "Einer wird gewinnen", das zwischen 1964 und 1987 lief, war ein Straßenfeger und machte "Kuli" zum Kult. Heute wäre der 1998 gestorbene Showmaster, Schauspieler und Sozi 90 Jahre alt geworden.
Hans-Joachim Kulenkampff gab stets den Mann von Welt - schlagfertig und schlau: Vor allem mit der Samstagabendshow "Einer wird gewinnen" hatte er sensationelle Einschaltquoten. Eines war "Kuli", wie die Nation ihn liebevoll nannte, ganz und gar nicht: angepasst und glatt wie mancher Fernsehmann von heute. Kulenkampff war ein Meister beim Überziehen der Sendezeit - und ein Großmeister bei Komplimenten. Viele fanden ihn charmant, mancher machohaft und zotig.
Die ARD strahlte zwischen 1964 und 1987 mehr als 80 Ausgaben von "Einer wird gewinnen" aus. Es war kein Zufall, dass man die Show des Hessischen Rundfunks - Untertitel: "Das große internationale Quiz" wegen der Kandidaten aus verschiedenen Ländern - "EWG" abkürzte, also genauso wie die "Europäische Wirtschaftsgemeinschaft", den Vorläufer der EU. Unvergessen sind die Einspielfilme mit Kulenkampff in historischen Rollen und natürlich die einstudierten Witz-Dialoge jeweils am Schluss, die sich "Butler" Martin Jente, eigentlich der Produzent der Show, und sein "Chef" lieferten.
"Ich kann nicht singen, nicht tanzen, kein Instrument spielen und bin doch ein Show-Mann geworden - das ist doch fantastisch!", wunderte sich "Kuli" einmal über seine eigene TV-Karriere. Der gelernte Schauspieler war auch immer wieder auf der Theaterbühne und im Kino ("Immer die Radfahrer") zu sehen. Beim Publikum hatte er auch damit viel Erfolg, doch die überregionalen Feuilletons schätzten kaum die leichte Kost, was "Kuli" fuchste.
In Fernsehbeiträgen, die rechtzeitig zum 90. Geburtstag seines Vaters herauskommen, spricht Sohn Kai-Joachim, ein Arzt, über den Privatmann "Kuli". Er erzählt offen, dass der Mann, der im Fernsehen nie um ein Witzchen verlegen schien, die Abgründe seines Lebens lieber nur mit sich selber ausmachte - etwa die Kriegserlebnisse an der Ostfront oder den Unfalltod seines vierjährigen Sohnes Till in den 50er Jahren. In der Öffentlichkeit war "Kuli" ein Mann des offenen Wortes ("Nur politische Scheißer und kleine Hirne können sich nicht vorstellen, dass ein Mensch eine ehrliche Meinung haben kann und diese äußert"). Jeder wusste, wo er politisch steht. 1969 machte er Wahlkampf für Willy Brandt und die SPD.
"Kuli" mochte Spötteleien und war, obwohl selber Fernsehmann, auch ein Kritiker des Mediums. Ob mit Sendungen bei RTL oder später wieder im Öffentlich-rechtlichen: Er war nie mehr so erfolgreich wie mit "EWG". Am meisten blieb noch seine Sendung zum ARD-Programmschluss in Erinnerung, die "Nachtgedanken" zwischen 1985 und 1989. In Zeiten von Privatsendern und zunehmender Verflachung sagte er einmal: "Als wir angefangen haben mit dem Fernsehen, wollten wir ein Viersterne-Restaurant aufmachen - nun haben wir eine Kette von Imbissbuden."
In Nachrufen ist oft von "den letzten Großen" einer Branche die Rede. Bei der TV-Unterhaltung war das erst im Februar wieder der Fall, nach dem Tod von Peter Alexander. Kulenkampff bezeichnete sich selbst gern als "letzten TV-Dinosaurier" und war einer der beliebtesten Moderatoren der Nachkriegszeit, neben Lou van Burg ("Der goldene Schuss"), Hans Rosenthal ("Dalli Dalli"), Peter Frankenfeld ("Musik ist Trumpf") oder Rudi Carrell ("Am laufenden Band"). Die einzigen Stars dieser Ära, die noch leben, dürften der 84-jährige Dietmar Schönherr ("Wünsch Dir was") und der 86-jährige Heinz Schenk ("Zum Blauen Bock") sein.
Hat der gebürtige Bremer, der mit 77 Jahren starb, heute einen legitimen Erben im deutschen TV? Der Wettermoderator Jörg Kachelmann scheiterte 1998 mit einer "EWG"-Neuauflage kläglich. Günther Jauch vielleicht? Zu wenig Grandezza. Stefan Raab? Zu wenig intellektuell. Harald Schmidt? Nicht mehrheitsfähig und zu zynisch. Hape Kerkeling? Zwar mehrheitsfähig, aber hält kein Format länger durch - bisher jedenfalls. Am ehesten ist wohl Thomas Gottschalk wie Kulenkampff - auch was Rücktrittsgetöse und Eitelkeit angeht: "Kuli" nahm bei der "EWG"-Show gleich dreimal seinen Hut. Nach einem Abschied im Sommer 1966 kehrte er bereits 1968 wieder zurück, nach einem weiteren Abschied im August 1969 war das Comeback dann erst im September 1979. Endgültig Schluss war dann am 21. November 1987. Als wahrer "Kuli"-Erbe hätte der 60-jährige Gottschalk also noch eine "Wetten, dass..?"-Rückkehr gut.
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Quelle: dpa
Martin V. schrieb:
am 15. Juli 2011 um 02:17:14
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Shows...
Jeder zu seiner Zeit...Leider ist die begrenzt!!Hat viel mitgemacht im Krieg,der Herr Kulenkampf!!Ich fand ihn symphatisch.Herrr
Godschalk ist auch ein sehr guter Showmaster.Ihn ersetzen wird sehr schwer...Denke mal das shows dieser art auch nicht mehr Zeitgemäß sind
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Hans schrieb:
am 28. April 2011 um 07:40:44
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Kuli
Gottschalk hat bei weitem nicht das Format von Kulenkampff.
Ein Vergleich der beiden daher völlig dabneben.
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Jojo schrieb:
am 27. April 2011 um 18:40:34
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H.J. Kulenkampff
Für mich war die Sendung in meiner Jugend faszinierend, weil er Niveau und Spass verbunden hat.
Wenn ich mir dagegen die
heutigen Verdummungssendungen ansehe......... Hochachtung und Dankeschön für die damalige
Leistung.
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