30.12.2011, 13:51 Uhr | dpa/afp/dapd
Der weiße Schal war sein Markenzeichen - und auch bei der Trauerfeier für Johannes Heesters in München dominierte die Farbe Weiß. Familie und Freunde haben am Freitag mit einer Trauerfeier auf dem Münchner Nordfriedhof Abschied von dem Sänger und Schauspieler Johannes Heesters genommen. Unter wolkenverhangenem Himmel kamen neben den Angehörigen auch zahlreiche Fans und Schaulustige zu den Feierlichkeiten für den legendären Operettenstar, der Heiligabend im Alter von 108 Jahren in einer Klinik am Starnberger See gestorben war. Die Öffentlichkeit wurde aber auf Wunsch der Familie von der Trauerfeier ausgeschlossen
In der Aussegnungshalle wurde der weiße, geschlossene Sarg mit Heesters' Leichnam aufgestellt. Weiße Rosenblätter, Kränze und Kerzen bedeckten den Boden. Auf einem hellgrünen Band verabschiedete sich Heesters' 46 Jahre jüngere Witwe Simone Rethel mit einem niederländischen Gruß unter ihrem Kosenamen: "Daaag Jopie, Dein Poppie". Auf einem Klavier begleiteten die Pianisten Florian Fries und Uli Kofler, die mit Heesters aufgetreten waren, die Trauerfeier musikalisch. Simone Rethel vergoss an Jopies Grab so bittere Tränen, dass ihr die schwarze Wimperntusche über die Wangen lief. Doch ein Zeichen wird sie erfreut haben: Mit dem Beginn der Trauerfeier um 11 Uhr begann es zu schneien. An seinem Grab ließ seine Frau Rethel eine rote Rose auf den Sarg fallen und am Ende weiße Rosenblüten hinabregnen: Ein Abschied in Weiß für Heesters.
Bayerns Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) hat den an Heiligabend verstorbenen Sänger und Schauspieler Johannes Heesters als "Jahrhundertzeuge" gewürdigt. Heesters habe Menschen "neun Jahrzehnte lang fasziniert und aufs beste unterhalten", sagte Spaenle am Freitag in München bei der Trauerfeier laut Redetext. "Mit Johannes Heesters hat uns ein Mensch verlassen, der wie kein zweiter ein ganzes Jahrhundert geprägt hat und auch umgekehrt von ihm geprägt wurde", sagte Spaenle.
Bei der anschließenden Beisetzung sollten aber auch die Fans von "Jopie" Abschied nehmen können. Am Grab, das von einer runden Mauer umgeben ist, brannten zwölf weiße Kerzen. Stundenlang harrten manche Fans in der Kälte aus, ehe der öffentliche Teil des Gedenkens begann und der Sarg aus der Aussegnungshalle rollte. Während eine Bläsergruppe "Sag zum Abschied leise Servus" zum Besten gab, schritt die Trauergemeinde zum mit Blumen gesäumten Grab, allen voran die Witwe.
Viele Weggefährten und Schauspieler kamen nach München, um von Heesters Abschied zu nehmen, unter ihnen die Schauspieler Thomas Fritsch und Caroline Beil sowie die Regisseurin Cordula Trantow. Schlagersänger Heino sandte mit seiner Frau Hannelore einen Kranz als letzten Gruß.
Hunderte Anhänger des Stars trugen sich bereits in Kondolenzbücher ein. "Danke Dir, Jopie, für Deine Filme, Deinen Charme. Jetzt darfst Du dort oben spielen", steht darin geschrieben und "Eine Legende kehrt heim". "Sie werden immer in unseren Herzen bleiben" und "Vielen Dank, dass Sie uns so gut unterhalten haben". Der Entertainer habe "Charme, Lebensfreude und Optimismus" versprüht, schwärmte eine Frau in der Schlange vor den Büchern. Für eine rüstige 90-Jährige war "Jopie" ein "starker Charakter" und ein "ernstzunehmender Künstler". Sie habe ihn seit Kindertagen bewundert. "Man ist damit groß geworden."
Heesters stand fast bis zuletzt auf der Bühne und vor der Kamera und galt damit als ältester aktiver Schauspieler, Sänger und Entertainer der Welt. Selbst als er schon erblindet und schwerhörig war, spielte und sang er noch mit voller Stimme die "Liedchen", wie er sie manchmal nannte. Noch in diesem Jahr stand Heesters als Petrus in einem Kurzfilm vor der Kamera, der Ende November Premiere hatte.
Heesters wurde am 5. Dezember 1903 im niederländischen Amersfoort als Johan Marius Nicolaas Heesters geboren und begann seine Bühnenlaufbahn als 17-Jähriger in Amsterdam. Die eigentliche Karriere startete 1935 in Berlin, wo er rasch zum Frauenliebling aufstieg. "Heut' geh' ich ins Maxim, da bin ich so intim", gehörte zu den bekanntesten Liedern des Charmeurs. Frack, Zylinder und der weiße Schal waren die Kennzeichen des Grandseigneurs der Operette.
Quelle: dpa
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