24.10.2011, 13:25 Uhr | Nibo
Till Ritter (Dominic Raacke) und Felix Stark (Boris Aljinovic) bergen eine Leiche. (Quelle: RBB/Julia von Vietinghoff)
Groß, grau, intuitiv, manchmal etwas ungehobelt der eine - klein, dunkel, mit messerscharfem Verstand der andere: Die beiden Hauptkommissare Till Ritter (Dominic Raacke) und Felix Stark (Boris Aljinovic) der Berliner "Tatort"-Reihe könnten unterschiedlicher nicht sein, und doch haben sie sich zusammengerauft und ermitteln bereits seit zehn Jahren erfolgreich in den Hinterhöfen und dunklen Gassen der Hauptstadt. Heute Abend sind sie mit einem Jubiläumsfall - der zehnte Jahrestag wird gleichzeitig mit ihrem 25. Fall gekrönt - ab 20.15 Uhr in der ARD zu sehen. Titel: "Mauerpark". Erste Bilder des Films können Sie in unserer Foto-Show sehen.
Mit einem Streit um eine Parklücke fing 2001 in der Folge "Berliner Bärchen" alles an: Dem damals bereits seit geraumer Zeit in Berlin ermittelnden Hauptkommissar Till Ritter wird nach Robert Hellmann (Stefan Jürgens) ein neuer Kollege zur Seite gestellt, der sich gleich als ziemlich selbstbewusst herausstellt: Beim Streit um die letzte verbliebene Parklücke kettet Felix Stark den schimpfenden und tobenden Ritter an den Dachgepäckträger eines Autos an, um ihn später im Präsidium – die Hand immer noch am abmontierten Gepäckträger – als direkten Mitarbeiter offiziell kennenzulernen. Die Szene ist, in den Worten von Ritter-Darsteller Dominic Raacke, "ein Klassiker“.
Inzwischen sind Ritter und Stark längst ein eingespieltes Team. Ritter ist im Laufe der Zeit zahmer geworden, hat das Trinken und Rauchen aufgegeben oder zumindest zurückgeschraubt und seine Outfits – legendär seine ausgefallenen Cowboystiefel, Lederjacken und Gürtel – sind insgesamt ein wenig gedeckter geworden. Noch immer ist er ein Mann der Frauen, der einem Flirt nicht widerstehen kann. Seine Intuition und sein Gespür für richtige Entscheidungen bringen so manchen Verbrecher zur Strecke. Auf seine Filmfigur angesprochen, erwähnte Dominic Raacke im Pressegespräch auf der Frankfurter Buchmesse: "Im Vergleich zu mir ist er doch sehr auf seine Eigenschaften reduziert. Ein sehr eingeschränkter Typ. Im wahren Leben bin ich vielfältiger, auch sozialer. Ritter ist eine sehr einsame Person."
Felix Stark ist dagegen der Mann des Verstandes, der stets korrekt und sehr analytisch in die Ermittlungsarbeiten geht. Die Gerechtigkeit geht ihm über alles und in Momenten, in denen Kollege Ritter die Sicherungen durchbrennen, bleibt Stark eher ruhig. Er ist jedoch nur scheinbar unkompliziert, wirkt zunächst arglos, kann aber durchaus verschlagen argumentieren, wenn er einen Verdächtigen aus der Reserve locken will. Als alleinerziehender Vater eines Sohnes verbietet er sich das allzu offene Flirten und ist dem familienlosen Ritter inzwischen nicht nur Kollege, sondern wichtiger Freund.
Der heutige Fall führt die Berliner Kommissare in den "Mauerpark": einem brach liegenden Stück Land mitten in der Stadt. Ein ermordeter Anwalt, der für seine Skrupellosigkeit als Strafverteidiger bekannt war und eine Kindesentführung aus der Vergangenheit verlangen den Beamten ihr gesamtes kriminalistisches Know-How ab. Außerdem müssen die Polizisten sich auf eine Zeitreise in die Geschichte Berlins begeben, um die Entführung erneut zu beleuchten. Laut Dominic Raacke gestalteten sich die Dreharbeiten teilweise als schwierig, weil sie im tiefsten Berliner Winter stattfanden: "Mindestens minus elf oder zwölf Grad - die lange Unterhose war immer dabei", verriet der Schauspieler.
RBB-Redakteurin Josephine Schröder-Zebralla fügte hinzu, dass die Logistik und Planung der Berliner Folgen bisher immer so lagen, dass sie immer in der kalten Jahreszeit gedreht wurden. Sie gelobte aber Besserung. Die Story der Folge "Mauerpark" geht unter die Haut, enthält viele psychologische Momente und verlangt durch schattenhaft aufgenommene Bilder und verzerrte Rückblenden und Zeitsprünge einiges an Aufmerksamkeit vom Betrachter. Regisseur Heiko Schier dazu: "Der Tatort verfügt über eine gewisse Härte und eine gewisse Monstrosität. Es gibt nicht so viele offensichtliche Brachstellen zwischen Ost und West wie den Mauerpark in Berlin."
Fazit: Ödes Brachland, kalter Berliner Winter, knisternde Spannung, handwerklich ausgefeilte Bilder, eine gute Geschichte und als Ermittlerduo Till Ritter und Felix Stark im 25. Fall: Der ARD-"Tatort" heute Abend sollte vorgemerkt werden.
Sonntag, 23.10., "Tatort: Mauerpark", 20.15 Uhr, ARD
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